Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Herzlich Willkommen im Pintoforum

Herzlich Willkommen im Forum der Pintofreunde!

Dieses Forum soll allen Pintofreunden eine Möglichkeit bieten, sich zu treffen und auszutauschen.Wir wünschen viel Spaß dabei!
Wir bitten alle User dieses Forums die üblichen Regeln des guten Miteinanders einzuhalten. Ansonsten wird konsequent gelöscht.
Über den Button "Beiträge der letzten Tage" erhalten sie eine Übersicht der aktuellen Beiträge.
Als Gast haben Sie nur verminderte Leserechte. Melden Sie sich daher an und vervollständigen Sie unbedingt ihr Profil. Erst dann können Sie an Diskussionen teilhaben,
lesen und beachten Sie unsere Info + Regeln zum Forum ,dort wird auch Ihre Gruppenzuordnung nebst Rechten erklärt.


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 648 mal aufgerufen
 Rund um Zucht und Aufzucht
forsthof-antaris Offline

Forum-Verdienstkreuz Bronce


Beiträge: 1.351

08.12.2006 21:55
Fruchtbarkeit Zitat · Antworten


Ich habe mir in diesem jahr viele Gedanken zur Fruchtbarkeit von hengsten gemacht, denn im Jahr 2005 hatte ich fast 2.000 Euro in Decktaxen investiert und noch einmal fast soviel in die Besamung zweier Stuten, von denen keine tragend wurde.

Ich will gar nicht behaupten, dass der Hengst unfruchtbar ist, aber trotzdem denke ich, dass es am Hengst lag, denn dass zwei Stuten von uns nicht tragend wurden, obwohl sie passend (teilweise auf Ovulation) besamt wurden und - nachdem kein Samen mehr zu bekommen war, haben wir zwei unserer Hengste genutzt, ohne dass wir noch einmal eine Follikelkontrolle haben durchführen lassen, bzw. Fleure Belle wurde am Samstag auf gut Glück besamt und am Montag meinte der TA, dass ein H 3-4 Follikel vorhanden ist und er zu einer Nach-Besamung am gleichen Tag raten würde, was ich jedoch nicht tat, weil ich wirklich dachte:" Entweder es klappt mit einer Besamung und dann ist es schön oder ich lasse die Stute bis zum Frühjahr leer", denn eigentlich war es mir im August schon etwas spät zum Decken.

Was mich stört ist auch nicht, dass er meine Stuten von dem Fremdhengst nicht tragend geworden sind, sondern dass es dem Gestütsleiter - zumindest in meinem Fall - nicht egal war, dass er mich als Kunden verärgert hat.

Wir hatten zu Anfang diesen Jahres große Probleme, Linnés Samen zu versenden, denn er hatte nach dem Absamen eine gute Motilität und 50% Vorwärtsbeweglichkeit bei sehr guter Dichte, aber als mich der Züchter anrief und mir sagte, dass der Samen höchstens noch 20 % vorwärtsbeweglich ist, habe ich den Versand nicht berechnet und mit unserem TA besprochen, wie wir den Hengstsamen versandfähig machen können. Wir haben den Verdünner gewechselt, weniger stark zentrifugiert und weniger Portionen aus einem Ejakulat gemacht, dass auch bei geringerer Vorwärtsbeweglichkeit noch genügend befruchtungsfähige Samenzellen in der Portion enthalten sind, damit auch wirklich eine Befruchtung möglich ist. Von da an gab es Erfolgsmeldungen von den Züchtern.

Es gibt Hengste, die müssen einen Sprungrythmus von zwei Tagen haben, damit die Produktion der Samen funktioniert und das ist natürlich ein hoher Kostenaufwand, den man da hat, wenn man 10 x absamt und den Samen ins Spülbecken gießt, weil er nicht benötigt wird, aber ansonsten die Samenproduktion schlechter wird, wenn man nur bei Bedarf absamt. Auch das ist ein Problem, das wir mit Linné hatten und den letzten Nachzüglern, die nach dem 15. August noch Samen haben wollten haben wir angeboten, den Samen zu schicken, aber die Decktaxe nur zu verlangen, wenn die Stuten tragend werden, weil der Hengst im Samen stark abbaute und wir den hohen Kostenaufwand, den Hengst über 7 Monate alle zwei Tage und bei Bedarf täglich abzusamen nicht mehr für zwei Stuten betreiben konnten. Die Stuten sind auch nicht tragend geworden und die Züchter mussten an uns nichts überweisen.

Nach dem 1. Juni gibt es bei uns jedes Jahr halbe Decktaxe, weil ich es nicht fair fände einem Züchter die gleichen Kosten für den Samen in Rechnung zu stellen wie sie für eine ganze Saison von 7 Monaten gelten, wenn er nur noch 3 Monate lang die Chance hat, die Stute tragend zu bekommen.

Es gibt Situationen, da kann eine Station von einem Hengst vielleicht mal keinen Samen zur Verfügung stellen, weil er mit Entzündungshemmern behandelt wurde, bei deren Einsatz der Samen leidet. Will der Züchter den Hengst dann nicht wechseln und lieber das Risiko eingehen, den nicht so hochwertigen Samen zu inseminieren, verschicke ich den Samen auf Wunsch, aber ich sage ganz klar vorher, wie der Samen aussieht.

Bei Problemstuten bieten wir grundsätzlich an, eine Rosse Samen zur Verfügung zu stellen, ohne dass die Decktaxe fällig wird, wenn die Stute nicht tragend wird. Wenn der Züchter dann trotzdem weiter machen möchte, bezahlt er erst einmal die Hälfte und erst bei Trächtigkeit die volle Decktaxe.

Und dann ist es für uns auch selbstverständlich, dass wenn eine Stute angedeckt wurde und durch Krankheit nicht weiter besamt werden kann, oder nur einmal Samen abgefordert wurde und im nächsten Jahr kein Fohlen geboren wird, dass wir in der kommenden Saison noch einmal Samen zur Verfügung stellen, ohne dass der Züchter noch einmal die Decktaxe entrichtet.

Ich weiß, dass es sicher Stuten gibt, die von dem Fremdhengst, den wir gleich zweimal erfolglos nutzten, tragend wurden, denn im Jahr 2004 wurde auch Fleure tragend von ihm - allerdings stand sie drei Monate im Gestüt beim Hengst und es gibt einerseits Hengste, die nur im Versand nicht gut befruchten und andererseits Stuten, die von einem bestimmten Hengst nicht aufnehmen, obwohl alle anderen Stuten von ihm tragend wurden, aber zweiteres scheidet aus, weil Fleure ja in 2004 von eben jenem Hengst tragend wurde.

Und zu den Deckverträgen - die sind schon so gefasst, dass ein Hengsthalter die Decktaxe nicht erstatten muss, wenn der Samen nicht tut. Lediglich ein Hengstwechsel wird meist angeboten, aber dann auch nur von einem Hengst in der ungefähr gleichen Preisklasse.

Es gibt auch keine Vorschrift, wie viele vorwärtsbeweglichen Samenzellen in einer Portion enthalten sein müssen - die Empfehlung liegt aber bei 500 Mio. Aber selbst wenn beim Portionieren die 500 Mio. in dem Röhrchen waren, die munter nach vorne schwammen - der Versand, die unvorschriftsmäßige Lagerung und die Anzahl der Stunden die vergehen, bis der Samen in die Stute kommt, verschlechtern die Beweglichkeit und nach drei Tagen ist da meist nicht mehr so viel los drin und die 500 Mio. dümpeln eher antriebslos in der Nährlösung dahin. Die angesprochenen 15 % sind ebenfalls eine sehr dehnbare Angabe, denn wenn ich aus dem Ejakulat nach dem Absamen 30 Portionen mache, oder nur eine, dann kann man sich vorstellen, dass 15 % im ersten Fall vermutlich nicht zu einer Befruchtung führen, aber in zweiterem Fall schon eine Chance besteht, so der Hengst eine hohe Samendichte hat.

Natürlich ist die bereits angesprochene Lagerung, der Versand und der Besamungswart oder der TA der die Kontrollen des Follikels durchführt mit entscheidend, ob eine Stute tragend wird oder nicht.

Ich hatte Tierärzte, die fuhren mit den Röhrchen in der Tasche zum Kunden der 40 Kilometer entfernt wohnte und das bei sommerlichen 32 Grad - da tat sich natürlich auch nichts mehr im Röhrchen.

Und ich erhielt schon Samen in einem Styroporcontainer mit einem Kühlakku, der hatte 25 Grad und das Kühlakku war komplett aufgetaut.

Jeder unserer Kunden wird bestätigen, dass wir den Samen in einem gekühlten Sarstedt-Container verschicken, der zusätzlich noch in eine Styropor-Hülle gesteckt wird. Dazu kommen zwei Kühlakkus und das alles wird in eine Fototasche verpackt ... ich weiß, das es mühsam ist, wenn eine solch teure Verpackung nicht zurückkommt und neu angeschafft werden muss oder wenn in der Hochsaison der Rückfluss nicht funktioniert und man dann kein Versandmaterial mehr hat und ich weiß auch, dass die Styroporverpackung von NET inklusive der 2 Kühlakkus 5 Euro kostet und nicht 40 Euro, wie unsere Variante, aber unser Ziel ist es eben eine möglichst hohe Befruchtungsquote anzustreben und jede Stute, die von unseren Hengsten nicht tragend wird, ist ein Ansporn für uns, etwas besser zu machen, damit unsere Züchter zufrieden sind.

Ich will mir kein Kränzlein winden, aber die Bemühungen, die wir hier machen, indem wir unsere Züchter intensiv beraten, die Stute hernehmen, auf Wunsch homöopathisch oder mit Bachblüten behandeln und zusammen mit unserer Tierärztin auch spät Nachts noch aktiv sind, wenn die Stute das erfordert, sind es, die unsere Züchter bei uns schätzen, denn ich kann mir keinen Vieldecker zu kaufen leisten, für den auch noch Züchter bereit sind die Decktaxe zu bezahlen, wenn er nur noch 30 % befruchtet, also muss ich Argumente finden, warum man trotzdem zu uns kommt und das ist eben der Service und das Wissen unserer Züchter, dass wir das gleiche Ziel haben wie sie - die Stute tragend zu bekommen!

Wie ich bereits schrieb, ich möchte hier keine Eigenwerbung machen, aber die Arroganz der großen Stationen mit der man den Züchter behandelt, weil man weiß, dass die Hengste so begehrlich sind, dass man sich das als Züchter entweder gefallen lässt, oder auf den Hengst verzichten muss, ärgert mich als Trakehner- und als Oldenburger Züchter.

Nun bin ich in der glücklichen oder weniger glücklichen Lage, als Hengsthalter und Züchter beide Seiten zu kennen.

Zur Samenbeurteilung kann ich nun sagen, dass es nicht alleine am fehlenden Verdünner – der Nährlösung – liegt, dass das sogenannte Nativsperma – also das unverdünnte Ejakulat - sich nicht lange hält, sondern der entscheidende Punkt das Seminalsekret ist, welches über die akzessorischen Geschlechtsdrüsen (Samenleiterampulle, Samenblasendrüse, Vorsteherdrüse (Prostata) und Harnröhrenzwiebeldrüse) des Hengstes in den Samen kommt und einerseits den Samen ernährt und ihn aber anderseits auch zerstört wenn er nicht benötigt wird. Das macht durchaus Sinn, denn auch wenn sich die Samenproduktion dem Bedarf des Hengstes anpasst, so wird sie doch bei einem Hengst, der nie decken durfte nicht vollkommen eingestellt und wenn immerzu produziert wird, was man nicht braucht, dann käme dem Knaben die Plörre entweder aus den Ohren geschossen oder es würden ihm die Hoden platzen ... was aber dank Seminalsekret nicht passiert, denn der nicht gebrauchte Samen wird zerstört und vom Körper resorbiert.

Wenn wir nun das Nativsperma 1:1 mit Nährlösung verdünnen, dann wird es zwar damit gut gefüttert und hält auch noch einen Moment länger als wenn es sich nur vom Seminalsekret ernähren muss, aber die zerstörerische Wirkung des Sekretes ist trotzdem noch sehr aktiv und setzt recht schnell nach der Abnahme des Samens ein.

Aus diesem Grund wird das 1:1 verdünnte Ejakulat zentrifugiert, damit ein hoher Anteil des Seminalsekretes als Überstand vom Pellet mit den Samenfäden, der nach dem Zentrifugieren am Boden des Reagenzglases klebt, abgezogen und entsorgt werden kann. Da wie bereits erwähnt das Seminalsekret auch eine ernährende und samenerhaltende Funktion hat, wird noch einmal Nährflüssigkeit zugegeben, nachdem das Seminalsekret abgezogen wurde. Das ganze wird im Rüttler noch einmal miteinander verschüttelt, damit der Pellet sich vom Glasboden wieder löst und die Samenzellen wieder herumschwimmen können.

Natürlich fordert die Zentrifuge auch Opfer und so gehen rund 30% der ursprünglichen Gesamtsamenzellen dabei verloren. Bei einem Hengst der durchschnittlich 16 Mrd. Samenzellen in 70 ml Ejakulat steckt und eine Vorwärtsbeweglichkeit von durchschnittlich 70% aufweist, ist aber der Verlust von 30% zu verschmerzen und der Rest kann durchaus noch 8 – 10 Stuten tragend machen.

Dazu ist nun aber die Voraussetzung, dass der aufbereitete Samen auf ca. 5 Grad herabgekühlt und damit in eine Art „Winterschlaf“ versetzt wird, damit er nicht zuviel Energie verschwendet, wenn er im Röhrchen herumflitzt, denn die soll er ja für den Moment behalten, wo er auf die 38 Grad in der Stute trifft.

Das ist übrigens auch so ein Problem mit den Tierärzten, die den Samen aus dem Kühlcontainer unters Mikroskop legen und feststellen „Da tut sich nicht viel!“ – denn natürlich muss der Glasträger mit dem Samentropfen erst einmal auf Körpertemperatur erwärmt werden, denn wie gesagt, dass der Samen nicht bei niedrigen Temperaturen seine Kraft verpowert, das ist gewollt – beurteilen kann man ihn aber nur, wenn er eine „Betriebstemperatur“ von 38 Grad erreicht hat. Nur mag es die anspruchsvolle Flüssigkeit nun auch nicht in dem gleißenden Licht der Mikroskoplampe für längere Zeit zu liegen, bis sich der Mikroskoptisch erwärmt hat, denn eigentlich kommt der Samen niemals mit Licht zusammen – im Hengst ist es dunkel und in der Stute brennt auch kein Nachtischlämpchen, das den Samen den Weg weist.

Um den Samen also objektiv zu beurteilen ist es sinnvoll, das Röhrchen vor Licht zu schützen, indem man es mit einem Tuch umwickelt und – so es gleich inseminiert werden soll – langsam erwärmt, um dann den Tropfen auf den Träger zu geben und sofort zu begutachten. Wer eine Wärmeplatte hat, der kann diese vorheizen und das Trägergläschen gleich mit. Wird dann der kalte Tropfen auf das Glas gegeben, erwärmt er sich sehr rasch und kann nun unter der Mikroskoplampe betrachtet werden, ohne dass lange Lichteinwirkung das Ergebnis verfälscht. Der Vorteil ist, dass man nicht die ganze Portion erwärmt, und die Samen munter macht, falls diese erst später in die Stute gegeben werden soll.

Und sinnvoll ist es auch 3 Tropfen zu machen und das Gesamtbild zu betrachten, denn manchmal ist an einer Ecke nicht so viel los und woanders wuselt es. Drei Tropfen schaffen da objektive Klarheit.

Und nun zum Inhalt der Röhrchen, bei dem sich jedoch die 500 Mio in einer Portion nur auf die Vorwärtsbeweglichen beziehen müssen, denn die Ortsbeweglichen nutzen der Fruchtbarkeit nichts und es braucht nun einmal 300 - 500 Mio vorwärtsbewegliche Samenzellen, die das Enzym Hyaluronidase freisetzten, um den die Eizelle umgebende Zellmantel aufzuweichen, was das Eindringen der Samenzellel in die Eizelle ermöglicht.

... oder wie unser Dr. Kienzler in Marbach zu sagen pflegte:“ 300 Mio. tapfere Ritter müssen die Burg entern, damit der Prinz das Burgfräulein küssen kann.“

Nun gibt es aber Kopfkappen, die beschädigt sind und beim Kontakt mit dem Zellmantel der Eizelle keine Hyaluronidase freisetzen können und damit auch nutzlos sind - man erkennt sie nur durch eine Eosineinfärbung, weil die rote Farbe dann in den defekten Samenkopf eindringt und ihn als solchen sichtbar macht.

Auf defekte Kopfkappen hat der Hengsthalter keinen Einfluss, aber der Samen kann durch eine artgerechte Haltung und ausgesuchte Fütterung des Hengstes schon bei der Produktion verbessert werden. Auch der Sprungrythmus der hier mehrfach angesprochen wurde ist entscheidend und so hatten wir das Problem bei Linné, der nur dann brauchbaren Samen produziert, wenn er alle zwei Tage abgesamt wird.

Aber dem steht nun der wirtschaftliche Faktor etwas im Wege, denn jeder, dem wirtschaftliches Denken nicht fremd ist, wird nun überlegen, ob der Kostenaufwand, den Hengst über 7 Monate der Decksaison 3-4 mal in der Woche abzusamen und das Ejakulat in die Spüle zu gießen, weil keine Stute es benötigt sich noch lohnen kann, denn auch Linné ist kein Vieldecker.

Ein weiteres Problem der Wirtschaftlichkeit einer Besamungsstation sind die Kosten für den sogenannten Verdünner, denn vom profanen Magermilchverdünner bis zum hochwertigsten Eigelbverdünner, der dann schon mal rund 15 Euro pro 100 ml kosten kann, wobei bei den meisten Hengsten mit 120 ml Ejakulat zum 1:1 hoch verdünnen vor der Zentrifuge ein zweites Fläschchen gebraucht wird, welches man dann auch nicht mehr am nächsten Tag verwenden kann, wenn dann ein Rest übrigbleibt – es handelt sich schließlich um Eigelb, bei dem schnell Salmonellen einziehen.

Und wenn dann auch 8 Portionen von einem Sprung gewonnen werden könnten - was nutzt das, wenn nur eine Stute den Samen gerade an dem Tag benötigt?

Da liegt das Rechenbeispiel nah, dass man sich überlegt, dass wenn man pro Absamvorgang für Verdünner und Einwegmaterial 35 Euro ausgibt und nur eine Stute beliefert wird und das in der Rosse zweimal, man schon statt 500 Euro Decktaxe nur noch 430 Euro in die Tasche stecken kann.

Wird die Stute nun in dieser ersten Rosse nicht tragend, dann sind es noch einmal - wenn man Pech hat - 70 Euro, die man als Hengsthalter aufwenden für die Aufbereitung des Samens einkalkulieren muss und übrig bleiben nur noch 360 Euro von der Decktaxe von der übrigens das Finanzamt auch noch 16% MwSt sehen möchte - und zwar vom vollen Betrag und nicht davon, was übrig bleibt.

Wir sind also nun nur noch bei 290 Euro, die uns von der Decktaxe geblieben sind, wenn das Finanzamt seinen Teil abgegriffen hat. Wenn nun die Stute nochmal umrosst oder resorbiert und wir ein weiteres mal 70 Euro für zwei Samenlieferungen investieren, dann sind es nur noch 220 Euro, für die wir diese Stute versuchen tragend zu bekommen.

Hat man nun eine Problemstute, oder sehr unerfahrene Züchter oder Besamungstierärzte, die jeden 2. Tag auf "Gut Glück" Samen bestellen und die Stute vorsichtshalber unter Dauerbeschuß setzten, dann sind das vielleicht nicht nur zwei Samenlieferungen, sondern 3 in einer Rosse und von den 430 Euro, die uns das Finanzamt lässt, gehen dann schon 105 Euro pro Rosse in die Aufbereitung des Ejakulates.

In der 5. Rosse legt der Hengsthalter also schon Geld dazu. Wenn man nun noch großzügig Lebendfohlengarantie einräumt und der Züchter damit im nächsten Jahr noch einmal versuchen kann, ob die Stute vielleicht doch noch aufnimmt, finanziert man die Aktion mit dem Hengsthalterkonto.

Natürlich relativiert sich die Rechnung, wenn man günstigeren Verdünner verwendet - wobei hier aber das Risiko besteht, dass der Samen nicht so lange munter bleibt - oder man 10 Hengste hat, die jeweils 50 Stuten decken, denn damit besteht eine gute Chance, dass doch auch mal Samen für drei oder vier oder 15 Stuten gleichzeitig versendet werden kann und aus einem gwonnenen Ejakulat 8 - 10 Stuten bedient werden können.

Mir wurde einst erklärt, dass sich kein Besamungshengst der unter 50 Stuten deckt lohnen kann ... und ich merke, dass das stimmt, denn wenn von jeder eingenommenen Decktaxe schon nur die Hälfte übrigbleibt und man dann bei 10 Stuten 2.500 Euro in der Kasse hat (so keine Sonderdecktaxen für GP-Stuten oder Rabatte für Züchter mit mehreren Stuten vereinbart wurden, denn dann kann sich der Betrag des "Reingewinnes auch schnell noch mal auf 1.500 Euro minimieren), dann stehen den Einnahmen alleine Kosten für die alljährliche Prüfung des Serums und Samens der Besamungshengste vor der Decksaison mit bis zu 300 Euro pro Hengst entgegen. Dazu kommen die Kosten für die zweimal im Jahr stattfindenden Betriebsprüfungen durch die Landwirtschaftskammer, die Verbandskosten für die Mitgliedschaft, den Hengstverteilungsplan und den Hengst selbst mit rund 400 Euro (pro Verband versteht sich) und die Werbekosten für Deckanzeigen, ohne die auch 10 Stuten eine utopische Zahl sind.

Dass der Hengst auch noch Futter, eine saubere Box, entsprechenden Beritt, Tierarzt und Schmied braucht, das sollte im Prinzip auch noch in die Deckeinnahmen passen ... ach ja und was überbleiben, damit meine Arbeit bezahlt ist und ich davon leben kann - das wäre ja auch schön.

Ihr seht, dass es auch ein Hengsthalter nicht leicht hat.

Trotzdem bin ich auch Züchter und darf mich darüber ärgern, wenn ich das Gefühl habe, dass ich von dem Hengsthalter zwar als zahlender Kunde gern gesehen bin, aber in der zweiten Rosse schon Rechenschaft ablegen muss, warum in Dreiherrgottwillen ich nun schoooooon wieder Samen bestellen will ... obs nicht vielleicht am Tierarzt liegt? - Liegts nicht, wir haben auf Ovulation besamt. - Vielleicht wäre eine neu Tupferprobe aufschlussreich? – Die Stute ist sauber! Wie lagert ihr denn den Samen? – Auf der Rollbank im Kühlschrank bei 5 Grad!

Ich stelle als Hengsthalter vermutlich auch die gleichen Fragen ... nach der fünften Rosse in der erfolglos besamt wurde. Aber wenn ich schon in der 2. Rosse als unbequem eingestuft werde, oder darum kämpfen muss „ nur noch ein Portiönchen“ zu bekommen, dann werde auch ich sauer – schließlich war die Decktaxe im Voraus fällig!

Und ob ich jetzt unbedingt die Befruchtungsraten meiner Hengste preisgeben möchte? ... das bedeutet für den Hengsthalter ja auch zugeben zu müssen, wenn ein Hengst nur zwei Stuten hatte, denn 100 % Trächtigkeit mit zwei Stuten oder mit 30 – das ist ein Unterschied, auch wenn es trotzdem 100 % sind.

Leider ist es aber sio, dass wenn ein Hengst nur 2 Stuten hatte und der Hengsthalter das verlauten lässt, jeder Züchter sich sagt:“ Wenn da keiner hingeht, dann wird das schon einen Grund haben ...“, und von da an besame ich dann nur noch meine eigenen Stuten.

LG
Sabine

_________________________________________________

Geh Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterläßt
Antoine De Saint-Exupéry

bunte Hubsi Offline

Moderatorin


Beiträge: 1.633

10.12.2006 11:00
#2 RE: Fruchtbarkeit Zitat · Antworten

Liebe Sabine,
in Deinem Bericht gehst Du davon aus, daß Tierärzte tatsächlich Sperma unterm Mikroskop angucken?
Bei uns im Ländle machen die das nur, wenn Du drängelst. Und zwar ALLE in der Gegend. Ich hab nämlich mal rumgefragt aus Interesse. Es kam das Gerücht auf, daß bei einem sehr beanspruchten Hengst, nicht immer Sperma im Röhrchen ist. Aber glaubt jetzt nicht, daß aufgrund dieses Gerüchtes etwa Sperma unter Mikroskope geschoben wurde - weit gefehlt!!!!- nein es wurde weiterbesamt, frei nach dem Motto: des sieht ma ja noch, obs a Fohla geit.
Viele Stuten nahmen von besagtem Hengst erst sehr spät auf. Man könnte schon denken, daß das Sperma vielleicht gegen Ende der Saison besser wurde, weil nicht mehr gestreckt? oder selektiert (wer kriegt Sperma, wer einen Leerschuß?) wurde.
Also selbst mein TA, mit dem ich sehr zufrieden bin, guckte das Sperma für unsere Stuten erst an, nachdem ich ihm von der Jagdflinte meines Großvaters erzählte. Es war top. Zitat des TA: Mir sind a paar onderm Mikroskop abghaua, dia rennet jetzt no in dr Praxis rum.
Also Sabine, unsere TA vertrauen den Hengsthaltern blind.
Ich bin sehr froh, daß es einige Hengsthalter wie Dich gibt, die dieses Vetrauen auch verdienen.
In diesem Sinne
Petra

«« Nock Out
 Sprung  



> Bilder hochladen,hier!!<