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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 1.677 mal aufgerufen
 Anekdoten & Geschichten rund ums Pferd
forsthof-antaris Offline

Forum-Verdienstkreuz Bronce


Beiträge: 1.351

06.12.2006 06:28
Der Unterschied zwischen Brrr und woahhhh Zitat · Antworten

Bevor hier der Überschrift wegen der gar nicht so abwegige Glaube geschürt wird, es handle sich hier bei dieser kleinen Geschichte um eine wissenschaftliche Abhandlung bezüglich der Unterschiede zwischen sogenannten Englisch – und Westernreiter, dann kann ich gleich vorausschicken: Weit gefehlt!

Dies soll lediglich die Betrachtung meinerseits sein, die sich – weil der Esel bekanntlich aufs Eis geht, wenn ihm zu wohl wird – einmal in den Westernsattel begab. Aber wir wollen das Pferd nicht von hinten aufzäumen und darum beginnen wir mit dem Anfang ...

... und der begann mit der Erkenntnis, dass diese Schinderei im Dressursattel auf Dauer wohl für Vaters Tochter doch nicht mit Olympiagold gekrönt sein würde und es auf lange Sicht doch wohl eher enervierend sein könnte, wenn man seit über dreißig Jahren übt, ohne dass man das Gefühl hätte, dass man´s irgendwann mal kann.

Ein kleiner Lichtblick war einst die Dressurstunde, in der mir die Koordination zwischen dem am Pferdebauch treibenden Unterschenkel und dem Knieschluß wieder einmal unmöglich schien und mein taktvoller Reitlehrer mein desolates Selbstbewusstsein mit der Bemerkung: „ Vielleichts liegts ja auch am Sattel“, aufzubauen versuchte.

Der Sattler, den ich kurz darauf hoffnungsfroh aufsuchte, damit er mir einen Sattel anpassen sollte, bei dem einerseits meine zu kurzen Unterschenkel nicht auf dem Sattelblatt wirkungslos herumliegen würden – ich bin das was man einen Sitzriesen nennt –und andererseits mein Knie alle die von mir, bzw. von mir oder noch genauer meinen von meinen Verwandten (die standen väterlicherseits alle gut im Futter) ererbten anatomischen Unzulänglichkeiten überwinden sollte, um an der Pausche zu liegen, ohne dass in der Folge der Unterschenkel wieder den Kontakt zum Pferdebauch verlor. Allerdings besaß der Sattler nicht im mindesten die taktvolle Zurückhaltung wie der Reitlehrer und meinte:“ Das liegt nicht am Sattel, sondern an Ihren kurzen, dicken Beinen“ ... aha.

So dermaßen demotiviert fuhr ich dann 10 Tage lang zur Western Horse Show, einer Messe, an der wir als Reitsportgeschäft einen Stand gemietet hatten und bei der sich alles ums Westernreiten drehte.

Nachdem wir direkt am Showring saßen – also sozusagen in der ersten Reihe – konnten wir das Geschehen beobachten, ohne dass wir uns vom Messestand entfernen mussten.

Zahlreiche Prüfungen standen auf dem Programm und von morgens bis abends konnte man die Sieger in den Pleasure-, Pole Bending-, Westernriding-, Reining-, Cutting- und Halterklassen strahlen sehen.

Und das interessante daran war – die wirkten vollkommen relaxt und waren weder hochrot im Gesicht vor Anstrengung, noch halb so außer Puste, wie ich, wenn ich mich der hohen Kunst des Reitsports widmete.

Am dritten Tag wusste ich – ich hab Cowsense! Ja waren nicht Little Joe, Hoss und Ben Cartright die Helden meiner Jugend? Von Bonanza und Rauchende Colts habe ich alle Folgen gesehen und meine erste große Liebe war John Wayne ... gut, das war er nicht lange, denn er wurde – nachdem ich Winnetou I-III, den Schatz im Silbersee und Unter Geiern gesehen hatte durch Pierre Price ersetzt. Nachdem er dann den Filmtod starb, habe ich dann den Bravo Starschnitt von der Wand genommen und meine glühende Leidenschaft für Old Shatterhand,– Lex Barker, entdeckt – man steht als Jugendliche ja nicht so auf die Looser, die sich totschießen lassen.

Als kommunikativer Mensch knüpfte ich schon in den ersten Stunden auch die ersten zarten Messebande in die Cowboyszene und ließ mir erklären, was da in den Show- und Prüfungsringen so passierte, wobei mir als erstes auffiel, dass die Westernreiter offenbar nichts vom konzentrierten Abreiten ihrer Pferde zu halten schienen, denn auf dem Abreiteviereck da standen die meisten Pferde überwiegend gelangweilt herum. Ihre Reiter stützten den Ellbogen aufs Sattelhorn und relaxten oder rauchten ... oder unterhielten sich mit anderen Cowboys und –Girls, die auch alle relaxten oder rauchten.

Ich kann also mit Stolz behaupten, dass ich sehr rasch den Sinn des Sattelknaufs entdeckt hatte, denn er dient ganz offensichtlich dem Reiter als Ellbogenstütze!

Leben kam in Reiter und Pferde eigentlich nur dann, wenn um 12 Uhr Mittag – dem „Highnoon“ die Qualifikationsläufe zum Barrelracefinale liefen – aber hallo, dann ging aber die Post ab. Die kleinen Pferdchen fetzten um die Fässer und erreichten eine Kurvenlage, dass der Fuß des Reiters, der nicht im Steigbügel sondern im Fence steckte, den Boden berührte. Dazu johlte und tobte das Publikum und ich dachte im Stillen, was das doch für ein fröhliches Völkchen ist, diese Westernreiter, denn dazu ist ja im Vergleich eine Dressurprüfung eher wie eine Beerdigung und es herrscht Totenstille, weil die durch das Rechteck tanzenden Rösser keinen Lärm mögen, der ihre ohnehin schon angespannten Nerven ... – oder waren das die des Reiters? – egal, jedenfalls schätzt man es im Dressursport nicht so sehr, wenn das Zuschauervolk bunte Fähnchen schwenkt und eine Laolawelle über die Tribüne laufen lässt, wenn einem eine Pirouette besonders gut gelungen scheint.

Beim Reining war ich dann ebenfalls schwer beeindruckt, denn in der Zeit, in der die Dressuris eine eben erwähnte Galopppirouette drehen, sind die Westernreiter im Spin gleich dreimal ganz rum. Dass manchen dabei ein bisschen schwindelig wurde und sie dadurch nicht mehr zählen konnten, wie oft sie gekreiselt hatten, dafür hatte ich dann auch vollstes Verständnis und empfand es als sehr hart vom Richter, das als „out of pattern – also Programmfehler – zu ahnden.

Zu den Roll Backs und Sliding Stops kann ich leider nicht so viel sagen, weil mir die Staubentwicklung bei diesen Lektionen kolossal die Sicht raubte und, als ich mich dann etwas weiter ans Geschehen heranpirschte, um doch noch was zu sehen, hatte ich die nächsten 10 Minuten genug damit zu tun den von den Pferdehufen gegen mein Gesicht geschleuderten Sand wieder aus den Augen zu reiben, ohne dass meine Wimperntusche so zerläuft, dass ich ausgesehen hätte wie Willi Waschbär.

Rechtzeitig zum Cutting hatte ich aber wieder am Showring eingefunden und ob ich nun die Szene beeindruckender fand, wie der Viehtransporter in die Halle fuhr und 10 Rinder die Verladerampe heruntergetrieben wurden, wobei sich die Treiber vermutlich fühlten wie spanische Torreros, als das Fleckvieh den Spieß umdrehte und die Jungs vor sich her trieb, oder ob dann das Absondern einer Kuh von der Herde durch den Cowboy und das mit dem Lasso einfangen der Tiere und niederwerfen derselben als spannender empfand, das will ich nicht unbedingt bewerten. Allerdings schied diese Disziplin des Westernreitsportes sowieso für mich aus, weil ich selbst keine Kühe habe und annehmen musste, dass es meinen Nachbarn wenig beglücken würde, wenn ich auf einem Bronco mit Westernsattel und Lasso in flottem Galopp durch seine Rindlein sprengen würde um sie ein wenig zu Boden zu werfen.

Ziemlich gemütlich war das Pleasurereiten hingegen und wer das noch nie gesehen hat, der kann es sich im Prinzip wie eine Jugendreiterprüfung für Erwachsene vorstellen, nur eben mit Cowboyhut statt Casco-drei-Punkt-Sicherheitsreithelm und statt unpraktischer, weil stets eine unmögliche Figur machender Reithosen, in der noch unpraktischeren, weil nur in schnell verschmutzender Farbe weiß erhältlichen „Turnierreithose“ trägt der Cowboy Jeans über die Lederchaps gezogen werden. Die sind aber nur um die Beine drumrum und darum braucht das dann auch die Jeanshose für untendrunter, denn ohne die würde man die Popos der Reitersleute doch sehen – was mit Sicherheit auch im einen oder anderen Fall einen durchaus erotischen Nebeneffekt der Westernreiterei hätte ... aber Stiefel, die tragen auch die Cowboys- und Girls, nur dass die nicht röhreneng am Schaft sind, wo sie Blutstaus und gefühllose Zehen verursachen, sondern spitz in der Stiefelspitze – darum heißt die dann ja auch Stiefelspitze, weil sie eben spitz ist -, damit sie gleich zur Sache kommen und die Zehen direkt angreifen, ohne erst den langen Weg über die abgeschnürte Blutzufuhr zu machen.

An diesen Stiefeln sind nun keine dezenten kleinen Sporen mit Ballrad angebracht, sondern wahre Marterinstrumente, mit denen man zur Not auch noch die Pizza in mundgerechte Stücke zerlegen könnte, wenn man kein Schweizer Messer zur Hand hat. Böse Zungen behaupteten ja, dass die im Westernriding nur getragen werden, dass man den Träger derselben, wenn der sturzbetrunken aus dem Saloon entfernt werden muss, nicht hinausgetragen werden muss, sondern herausgefahren werden kann – praktisch als lebende Sackkarre ...

Jedenfalls ist natürlich auch das Pferd etwas rustikaler gekleidet, als das Dressurpferd und da das Westernpferd in der Regel auch noch kleiner ist, sieht man auch nicht mehr so arg viel davon, wenn es den Westernsattel trägt, weil der nahezu vom Widerrist bis zur Kruppe alles bedeckt. Im Maul trägt das Tier dann auch keine Trense, sondern ein Snafflebit, das möglichst aus Eisen und verrostet sein soll, weil das Westernpferd das gut findet. Vielleicht fänden das die Dressurpferde ja auch gut, aber die fragt vermutlich niemand und außerdem hinterläßt das einen doch eher asozialen Eindruck, wenn anstatt der in güldenen Aurigan gehaltenen, eine rostige Kandare strotzt, denn schließlich bilden die Dressurreiter eher die High Society des Reitsports – zumindest halten sie sich selbst dafür.

Und beim Westernpferd handelt es sich in der Regel um ein Quarterhorse, das in verschiedenen Farben erhältlich ist, wobei es dann Painthorse heißt, wenn es mehrfarbig angeboten wird – also so wie das Tier vom Little Joe.

Wünscht man hingegen ein getupftes Fell, handelt es sich dabei dann nicht um ein Zebra zu Fasching und auch nicht um einen Vertreter der Knabstupper, sondern um einen Appaloosa. Der Unterschied ist für den Laien nicht immer sofort ersichtlich, aber letzterem würde man gerne ein Schweiftoupet empfehlen, weil er unterhalb der Schweifrübe meist aussieht, wie Tante Gerdas Mann, der sich die letzten Strähnen links lang wachsen ließ, um sie dann nach rechts über den ansonsten kahlen Schädel zu kämmen und zwecks Befestigung wurde kräftig Pommade verwendet. Immer einen hohen Spaßfaktor für mich– als ich noch klein war (ja, ich war sogar mal noch kleiner), - aber der Onkel fands wohl nicht so lustig - wenn ein Windstoß kam und die klebrige Strähne, anstatt an der Glatze zu kleben, wo sie hingehörte, senkrecht nach oben stand.

Natürlich haben nicht alle Westernpferde so wenig Frisur und weil ein herumwedelnder Stert sich schnell mal in den Kakteen der Prärie verfangen kann, wird das am knackigen Popo ansetzende Langhaar zu einem Zopf geflochten. Manche binden zusätzlich noch eine Tüte drüber, die den Schweif dann auch noch vor ichweißnichtwas schützt. Bevor aber nun gänzlich der Eindruck entsteht, dass Westernreiten was für Harz 4 Empfänger ist, weil der Wedel in eine Alditüte gepackt wird, muss ich gleich wieder mit solchen Vorurteilen aufräumen, denn das Equipment, was da so am Pferd hängt ist sogar ziemlich teuer. Die Tüte für den Schweif ist nämlich nicht von Aldi und der Nylonkragen, der das Pferd zur Schweißbildung am Hals animieren soll, damit der eine schöne Form bekommt, der entstammt auch nicht Omas Schublade, in der sie die Stützstrümpfe aufbewahrt, sondern der ist als Sweatneck im Fachhandel zu erwerben.

Überhaupt trägt so ein Westernpferd vorwiegend Ganzkörperverhüllung und während für ein Dressurpferd schon eine Decke mit Halsteil die absolute Luxusausgabe der Hippologischen Modewelt ist, wird beim Kollegen aus der Westernreitszene neben dem Hals auch noch der Kopf verhüllt, was für den Betrachter so ein wenig den Eindruck hinterlässt, als trüge das Tier eine Gasmaske, aber vielleicht ist uns da der Westernreitsport auch schon weit voraus und hat eine Variante gefunden, wie man das Pferd trotz Tiefstreu vor dem schädlichen Einfluss von Ammoniak schützt.

Aber weil man als Westernpferd weder unnötige Winterbehaarung noch Bart trägt, braucht man natürlich auch ein warmes Gesicht und last but not least legt man natürlich auch Wert auf blanke Ohrmuscheln – Mäuseöhrchen mit herauswachsenden Haarpuscheln ist da ungefähr genauso verpönt, wie in der Menschenwelt die Nasenbehaarung. Na und die trimmt Mann doch auch, oder? Also warum soll dann nicht auch beim Pferd der Rasierer angelegt werden, wo Tasthaare nun wirklich kein Zierrat sind und überdies vermutlich auch noch unnötig ...

Gipfeln tut der Schönheitskult dann aber bei den Halterklassen, wo man dann „Yearlings at Halter“ sieht, die so ein bisschen an meiner Oma Finchens Mops erinnern, der die Statur einer Presswurst hatte und eigentlich vor Gewicht kaum noch seine kurzen Beinchen bewegen konnte.

Ob nun bei eben dieser Schönheitskonkurrenz der Jährlinge nach Kilos Lebendgewicht abgerechnet und bewertet wird, habe ich nicht herausfinden können, aber ich nehme an, dass man zur Bekämpfung der Darmparasiten bei den teilnehmenden Youngsters mit einer XXL-Wurmkur zur Sache gehen musste.

Schwer beeindruckt hat mich persönlich aber die Klasse der dreijährigen Hengste „at Halter“, also am Halfter. Wer nun glaubt, dass man die vierbeinigen Herren am Nylonhalfter der Sorte 4.50 Euro neben sich herführte, der irrt – ein Westernhorse trägt kein Halfter, sondern ein Halter und das ist meist aus punziertem Leder gefertigt und mit Silberbeschlägen verziert. Bei manchem dieser Teile habe ich mir schon überlegt, wer nun wohl wertvoller wäre – das Pferd oder das Halter. Man hätte es vermutlich dann gemerkt, wenn nur eins von beiden geklaut worden wäre und der Billigere stehen bleiben hätte dürfen.

Jedenfalls war schon der erste Muskelprotz der ganz Kerl den Ring betrat ein atemberaubend schönes Pferd. Sein fuchsfarbenes Fell war von einer Farbe wie flüssige Lava und glänzte metallisch. Später habe ich aber dann gesehen, warum das so war, denn Westernpferde haben immer ihr Beautycase dabei und das enthält mindestens genauso viel Tiegelchen und Tübchen wie das einer Filmdiva. Neben einer Glitterflüssigkeit, die ins Fell gesprayt wird, verschönt man die Hufe mit schwarzen Lack und dass die Nüstern und die Augenregion hier selbstverständlich nicht so profan mit Babyöl zum plastischen Hervorbringen eingeschmiert werden, wie das bei unseren Englischgerittenen Pferden üblich ist, das war mir eh klar – dazu gibt es eine Creme in allen Fellfarben – mit und ohne Glitzereffekt erhältlich ... und ich hielt schon künstlichen Schnee auf dem Christbaum für dekadent.

Jedenfalls betrat dieser Fuchs den Showring mit einer Präsenz und Ausstrahlung, dass ich spätestens in dem Moment beschloss, dass ich unbedingt Western reiten muss und sei es nur, weil ich ein so traumhaft schönes Barbiepferd besitzen wollte.

Fuchsi schien so kurz vor Beginn der Decksaison ein wenig Samenstau zu haben, denn als nun der zweite Bewerber um den Titel „Best of Show“ das Rund betrat, schachtete der Fuchs aus und versuchte den Konkurrenten zu bespringen. Sein Vorführer geriet ganz schön ins schwitzen und als der dritte Hengst hereingeführt wurde, da glomm in des Fuchsens Auge ein zorniger Funke und er ließ einen markigen Hengstschrei hören. Während dessen standen die beiden weiteren Teilnehmer offensichtlich dösend in der Bahn und ich überlegte mir, ob es wohl nun nicht angebracht sei, dass hier ein Peitschenführer versuchen würde, den schon apathisch wirkenden Pferden etwas Leben einzuhauchen, damit sie nicht wertvolle Punkte verlören. Wobei für mich natürlich der Fuchshengst längst als Sieger feststand. Bei so viel geballter Männlichkeit!

Aber zu meinem Entsetzten disqualifizierte die Jury meinen Beau und erkor einen der Schlafmützen zum Sieger! Ich wollte gerade laut Buuuuhh rufen, als mir beschwichtigend eine Hand auf meine Schulter gelegt wurde und man mir erklärte, dass es sich beim Quarterhorse um eine Arbeitspferderasse handelt und man sich kadavergehorsame Pferde wünscht, die egal ob Männlein oder Weiblein, keine Spirenzchen machen dürften, sondern eben, auch wenn als Hengst geboren, diesen nicht zu erkennen geben erlaubt bekämen – zumindest nicht bei der Arbeit. Na ja ist eigentlich schon auch klar, dass so ein Wyatt Earp für Arme es ziemlich lästig finden würde, wenn sein Reittier, anstatt im gelassenen Jog die Herde nach Laramy zu treiben, lustig um sie herumhopsen würde, bis diese entnervt im Stampede schon mal vorgaloppieren würde, nur um den bekloppten Gaul loszuwerden. Oder wenn der Cowboy in voller Konzentration das Lasso nach dem Kalb wirft, sein Hengst aber lieber mit der netten Mustangstute auf der anderen Seite des Canyons flirten möchte ... gut, das macht dann ja doch Sinn, dass das Pferdchen bis zum Feierabend wartet, um für Nachwuchs bei den Wildpferden zu sorgen. Und mal ganz ehrlich, die Marlbororomantik am Lagerfeuer würde doch empfindlich gestört, wenn das Westernpferd, als wäre es ein hypersensibles Dressurpferd, immer im Bild herumflitzen würde und dabei den Kessel in dem der Kaffee über dem offenen Feuer kocht ungeschickter Weise umstoßen würde, anstatt cool – wie man das im Westen zu sein hat, egal ob man als Mensch oder Pferd unterwegs ist – herumzustehen und gelangweilt auf der Westernkandare mit den exorbitanten Anzügen, die Shanks heißen, herumzukauen, (als Mensch kaut man natürlich nicht auf der Kandare, sondern auf der Marlboro) während der Zügel nur an einen Ast gehängt wird.

Und deshalb sind Quarterhorses eben die idealen Westernpferde, die im übrigen nicht Quarter heißen weil sie so quadratisch, praktisch, gut gebaut sind, wie eine Tafel Ritter Sport Schokolade der Sorte Vollmilch-Nuss, sondern weil es die schnellsten Pferde sind beim Rennen über eine Viertelmeile – also a quarter of a mile. Da versteht man dann auch, dass man sich da schon absoluten Gehorsam erbittet von seinem Reittier, wenn man so ein Cowboy ist, denn wenn so ein Quarter in der Weite der Prärie durchgeht – wer weiß wo man da landet – im schlimmsten Fall im Kochtopf eines Indianers. Abgesehen davon, ist da keine Reithallenbande weit und breit, die den schnellen Lauf des Pferdchens bremsen würde und derart der Geschwindigkeit ausgeliefert zu sein – das fände ich auch sehr bedenklich.

Obwohl man natürlich auch nicht unbedingt den Ferrari unter den Cowboypferden reiten muss, denn schließlich gibt es da noch zahlreiche gemütlichere Varianten, wie z.B. den Haflinger, im Fachjargon auch Alpenquarter genannt.

So einem blondes Gebirgspferdchen ist es vermutlich dann auch noch egal, ob Galopp oder Lope von ihm verlangt wird und zwischen Schritt und Walk macht es ihm höchstwahrscheinlich auch keinen Unterschied. Da das westerngerittene Pferd vorwiegend im Jog dahinzottelt, könnte ich mir sogar vorstellen, dass man einem Haffi damit einen echten Gefallen erweist. Zumindest hatte es der Haflinger, der zu unserer Familie gehörte, grundsätzlich nicht so eilig und bevorzugte die weniger schweißtreibenden Gangarten um von A nach B zu gelangen, also in der Regel war auch A das Wasser oder sein Heu und B das Kraftfutter. Sonstige körperliche Anstrengungen, insbesondere unter dem Sattel und mit Reiter versuchte er zu vermeiden oder zu umgehen und da er wusste, dass man nur nah genug an Bäumen und in der Halle an der Bande entlang schleichen musste, um den Reiter dazu zu bewegen sein Knie hochzunehmen, damit man dann vom kurzfristig gestörten Knieschluss des Reiters profitieren kann, indem er dann einen eleganten Schlenker machte, der, weil der Reiter damit nicht rechnete, in den meisten Fällen zum Erfolg führte – in diesem Fall dem Verlust des unbequemen Menschen im Sattel – war er als Reittier auch nicht sonderlich beliebt und genoss folglich das dolce far niente auf der Weide. In Härtefällen, also wenn sich die Person nicht so einfach abstreifen ließ, griff er dann auch schon mal zu der Taktik einfach auf einen Baum zuzusteuern und davor stehen zu bleiben. Jeder Versuch, ihn dann wieder in Gang zu setzen oder vorbeizulenken, wurde mit einem Blick unter dem blonden Schopf hervor quittiert, der wohl sagte:“ Du wirst doch nicht ernsthaft wollen, dass ich jetzt weitergehe und mir den Kopf anstoße?“ Besonders als Handpferd war er von mir gefürchtet, denn nachdem er, während ich auf mein sich schon in Bewegung setzendes Trakehnerpferd aufsitzen wollte, einfach stehen blieb und es mich so übel auf den Rücken hagelte, dass ich sekundenlang nach Luft rang und dachte, ich müsste mitten auf dem Weg liegend nun mein Lebenslichtlein ausblasen – wobei mir auch hierzu die Puste gefehlt hätte – weigerte ich mich, ihn unberitten ins Gelände mitzunehmen.

So wäre diese Variante Pferd für mich persönlich als Westernpferd auch nicht in Frage gekommen. Über einen Araber hätte ich vielleicht noch nachgedacht, aber ob ich nun mit einem durchgehenden Wüstenrenner ungebremst auf die A1 zusteuere oder mit einem Quarterhorse, das ändert dann vermutlich nichts am Ausgang der Geschichte.

Aber nachdem mir von jeder Seite der an der Messe anwesenden Westernreiter versichert wurde, dass so ein Quarterhorse schließlich eine Menge guter Gene in sich trägt und schon mit der Muttermilch die Gelassenheit eingeimpft bekommt, schien mir das Experiment, das mir nun angeboten wurde ziemlich ungefährlich – man wollte mich nämlich nach dem abendlichen Messeschluss, wenn alle Besucher die Hallen verlassen hatten, das Westernreiten testen lassen!

Vorausschicken muss ich vielleicht nun noch einmal, dass ich als Dressurreiter ja ziemliche Probleme hatte, Wade und Knie gleichzeitig ans Pferd zu bringen und als man mir nun gleich noch vor dem Aufsitzen nahe legte, die Wade nicht ans Pferd zu pressen, schien mir das demzufolge wohl das kleinste Kunststück zu sein.

Sorge bereitete mir eigentlich nur, dass das Pferd kein Gebiss im Maul hatte, sondern eine Art Halfter trug und auch die Erklärung, dass diese gebisslose Zäumung als Sidepull bezeichnet wird, erweckte in mir nicht unbedingt mehr Vertrauen zu diesem etwas windigen Kopfstück mit ohne Bremse in Form einer Trense, oder meinetwegen auch Snaffelbit in sweet iron – also rostig. Aber auf mein Misstrauen erklärte mir der stolze Quarterhorsebesitzer chon fast beleidigt, dass sein Pferd kein Eisen im Maul benötigt um zu bremsen und ein langgezogenes Woahhhhh vollkommen genügen würde, um einen Sliding Stop abzurufen.

Stop – sehr gut, das klang nun ganz beruhigend und außerdem bietet so ein Westernsattel ja von unten gesehen eigentlich eine Menge Sicherheit. Hinten der Efter, wie eine Stuhllehne und vorne das Horn, an das man sich klammern kann, wenn’s brenzlig wird. Hat man dann aber in dem Gerät Platz genommen, wird Frau erst einmal mit dem Schmerz konfrontiert, der durch das Zusammentreffen besagten Hornes mit dem Venushügel ausgelöst wird.

Das Kürzen der Bügel ist auch nicht so leicht zu bewerkstelligen, wie beim Englischsattel und ist ähnlich kompliziert wie das Angurten des Sattels mit einem Krawattenknoten. Als ob ich schon je mal eine Krawatte getragen hätte und wüsste, wie man sich die um den Hals knotet. Aber weil die Bügelriemen, in diesem Fall die Fender, doch um einiges zu lang waren, gab man mir den Ratschlag, einfach meine Füße dahinein zu stecken, wo der Bügel am Fender festgemacht ist. Unter meinen Füßen wackelten also die Fence aus Holz und Leder herum.

Ob es das war, was meinen Hesa Docs Winner – jaja, die heißen nicht einfach Don Dudeldü oder Rubin Rödel, sondern haben Namen aus denen Generationen von Ahnen grüßen lassen - irritierte oder mein nun doch automatisch angelegter Schenkel, das kann ich so genau nicht mehr sagen, aber dem lieben Quarterhorse schien nun doch plötzlich eingefallen zu sein, dass es ein Rennpferd ist – das Schnellste auf einer Viertelmeile.

Jedenfalls galoppierte es gleich zügig mit mir los und zu meinem Entsetzen reagierte es auch nicht auf meine Zügelhilfen, als ich zu bremsen versuchte. Ich wurde zuerst etwas deutlicher in den Paraden, aber je schneller das Pferdchen galoppierte, desto ernsthafter dachte ich darüber nach, es mit einem Insterburger zum Stehen zu bringen, aber ein Insterburger setzt voraus, dass da ein Stück Metall ist, dass man dem Pferd mittels grober Handeinwirkung auf den Unterkiefer haut aber wo nichts ist, da kann man auch nichts auf den Unterkiefer hauen und somit schied diese – zugegebenermaßen nicht gerade Gentlemanride- Methode ein Pferd zu bremsen – sowieso aus. Von unten wurde mir nun die Instruktion erteilt, „Woahhhh“ zu sagen. Vermutlich war das ungefähr gleichbedeutend wie das Brrrr sagen, wenn ich mein Dressurpferd beruhigen will, aber leider war es auch exakt so wirkungslos, denn obwohl ich mittlerweile hysterisch Woaaaaaaaaaaaa kreischte, weil der Holzbügel jetzt schon über den Sand schlifferte, wenn wir durch die Ecken pfiffen und mir auch schon Horrorszenarien durch den Kopf gingen, wie das Tier unter mir endgültig in der Schräglage der Fliehkraft erliegt und ich aus dem verflixten Provisorium von Bügel nicht mehr herauskomme, was ich mir dann auch gar nicht weiter plastisch ausmalen wollte, preschte mein nun gar nicht so cooles Westernpferd nach wie vor in deutlich überhöhtem Tempo durch den Ring. Von unten rief man mir zu, dass ich das Bein nach vorne nehmen und woahhh sagen soll, aber so lebensmüde konnte ich gar nicht werden, dass ich nun auch noch meinen Knieschluss aufgegeben hätte. Also schrie ich den renngaloppierenden Zossen mit der Inbrunst der letzten Hoffnung an:“ Woaaaa hab ich gesagt Du Scheißquartertier!“, und das Wunder geschah, denn das Pferdchen bremste sogleich. Ob er wohl so geschockt war über meine üble Beschimpfung oder ob gerade sowieso die Mark alle war? Ich weiß es nicht und ich wollte es auch nicht mehr wirklich wissen, denn um nun pferdepsychologisch tiefschürfende Überlegungen anzustellen, wäre ich nicht mehr in der Lage gewesen.

Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, zitterten meine Knie dermaßen, dass ich dachte:“ Gleich haut es Dich von den Füssen“, aber nach einem Whiskey, den man mir zur Stärkung einflößte, hörte das Zittern langsam auf und nach dem dritten Whiskey hätte ich sicher auch nicht besser westernreiten können, aber zumindest hatte ich danach den breitbeinigen und leicht schwankenden Gang eines Wyatt Earp für Anfänger, auch wenn mir die Sporen fehlten, die in den Filmen immer bei jedem Schritt beim Kontakt mit dem Boden klirrten. Aber ich glaube, die muss man sich auch beim Westernreiten erst verdienen ...

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Geh Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterläßt
Antoine De Saint-Exupéry

G.S.Sharif Offline

Elite


Beiträge: 383

06.12.2006 11:42
#2 RE: Der Unterschied zwischen Brrr und woahhhh Zitat · Antworten

Deine Geschichten sind einfach die Besten!

Ich hab mich mal wieder kringellich gelacht.......

Bitte mehr davon!!!!!

Lieben Gruß Franziska
Fit to continue

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nike Offline

Eliteanwärter/in


Beiträge: 228

05.06.2008 23:29
#3 RE: Der Unterschied zwischen Brrr und woahhhh Zitat · Antworten

entschuldige die späte meldung- aber die story habe ih gerade erst gelesen und sie ist einfach geil! habe mich köstlich amüsiert!

[img]http://www.tinker-mooshof.de/Forum/smiliegoldzahn.gif[/img]

Stef Offline

Staatsprämie

Beiträge: 622

11.06.2008 13:13
#4 RE: Der Unterschied zwischen Brrr und woahhhh Zitat · Antworten

Deine Ausführungen sind genial und messerscharf beobachtet. Dafür hättest Du den Pulitzer -Preis verdient!

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