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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 2.362 mal aufgerufen
 Anekdoten & Geschichten zur Zucht
forsthof-antaris Offline

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Beiträge: 1.351

18.03.2010 14:42
Das Glück, das kann man nicht kaufen, aber manchmal bekommt man es geschenkt Zitat · antworten

Aus gegebenem Anlass, nachdem in einem anderen Thema die Frage nach der Versorgung eines Waisenfohlens gestellt wurde und ich von Zauberglück berichtete, die ihre Mutter am zweiten lebenstag verlor, möchte ich ihre Geschichte erzählen:

Das Glück, das kann man nicht kaufen, aber manchmal bekommt man es geschenkt

Einen Fuchs hatte ich aber auch nicht erwartet, als die Tochter des schwarzbraunen Assistenten und der lackschwarzen Zaubernacht geboren wurde, im Gegenteil, ich hatte fest damit gerechnet, dass ein Räpplein zur Welt kommt und war dementsprechend sehr schwer gefrustet, als ich unter Zaubernachts Schweif, den sie wie einen Schleier über ihr Kind gebreitet hatte, als würde sie sich schämen, mich so enttäuscht zu haben und würde das Kind nun lieber verstecken wollen, die fuchsige Tatsache entdeckte.
„Und wo ist mein schwarzes Fohlen?“ fragte ich darum auch nur noch mit der ersterbenden Hoffnung, dass man das Kind versehentlich vertauscht hatte und mein Fohlen, also der Rappe, sich bei der falschen Mama labte – das soll ja bei menschlichen Babys auf Säuglingsstationen auch immer wieder vorkommen, warum also nicht auch bei Pferdebabys?

Aber Geschenke des Himmels kann man ja nicht einfach zurückschicken oder umtauschen, wenn sie einem nicht so gut gefallen und darum fand ich mich eben mit der roten Raupe ab, die bei näherem Hinsehen eigentlich sehr gut geraten war und nachdem das Päckchen nun schon angekommen und auch angenommen worden war und ich auch nicht annahm, dass es möglich gewesen wäre, es noch mal in die Mama zu schieben und kräftig zu schütteln, um es dann als das noch mal herauszuziehen, als was es bestellt worden war, beschloss ich, das Beste draus zu machen und mich einfach trotzdem zu freuen.
Als mir das gerade ausnahmslos gut gelang, erreichte mich in den frühen Morgenstunden die Nachricht vom Tod Zaubernachts.

Ich besuchte zu dem Zeitpunkt gerade den zwei Monate dauernden Lehrgang für angehende Besamungswarte im Haupt- und Landgestüt Marbach und für Zaubernacht hatten wir, als wir sie kauften beschlossen, sie nicht in die Schweiz zu holen und sie dort abfohlen zu lassen, wenn ich dann, wenn es so weit sein würde, gar nicht dabei sein könnte und darum waren wir auch ganz froh über den Vorschlag von Zaubernachts Züchterin, dass die Stute auch gerne bei ihr bleiben könnte, bis das Fohlen auf der Welt und aus dem Gröbsten heraus ist, sodass man seiner Mutter und ihm die weite Reise vom Süden Deutschlands in den Norden der Nation recht gefahrlos zumuten würde können – oder doch zumindest mit geringerem Risiko für das Pferdekind, als wenn ich darauf bedungen hätte, dass die Stute bei uns zuhause fohlt, wo Micha dann mit ihr im entscheidenden Moment allein gewesen wäre, nachdem der errechnete Termin genau in der Mitte des Kurses lag und er in seinem Leben noch nie zuvor eine Stute entbinden musste.

Wie sicher wäre wohl das Leben des Fohlens in Michas Hand gewesen, wenn er vermutlich vor lauter Überforderung das Leben des Pferdebabys in Gefahr gebracht hätte?

So schien es mir doch das Beste für Mutter und Kind, sie nicht nur in den Händen ihrer erfahrenen Züchterin zu wissen, sondern damit sogar einen anstrengenden Umzug ersparen zu können.

Aber als morgens kurz vor fünf mein Handy klingelte, ahnte ich schon nichts Gutes.

Doch das Zaubernacht tot im Stall liegt, mit gerade mal neun Jahren, konnte ich zuerst gar nicht glauben und bat mehrfach, doch erst noch mal zu versuchen, ob sie nicht doch nur besonders fest schläft, denn ich hatte sie fünf Stunden zuvor noch mit einem Mitternachtsmöhrensnack überrascht, weil ich noch einmal bei Mutter und Tochter hineinschaute, bevor ich mich auf den Weg vom Gestüt zurück nach Marbach machte, nachdem wir mit der Züchterin zusammen unser erstes Fohlen so intensiv gefeiert hatten, dass es doch schon viel spät geworden war, als ich eigentlich vorgehabt hatte, mich zu verabschieden.

Und nun sollte die putzmuntere und gierig meine Vitaminspender verputzende Stute tot sein?

Innerhalb von nur fünf Stunden?

Doch es nutzte nichts, die Wahrheit nicht akzeptieren zu wollen.

Zaubernacht war für immer über die Regenbogenbrücke galoppiert, aber sie hatte uns die Erbin ihres Vermächtnisses anvertraut zu hüten und diesen Nachlass galt es schleunigst anzutreten.

Das Waisenkind hatte zum Glück das Euter der Mutter noch ganz ausgesogen und nahm auch die Flaschenmahlzeit gut an, aber es zu einer anderen Stute im Stall zu stellen, war nicht möglich, weil die entweder noch hochtragend oder güst waren und somit auch keine der „Tanten“ hätte die wichtige Milch spenden können.


Das Fohlen wusste ich wohlversorgt und gut betreut in der Obhut der Züchterin und so übernahm ich die Pflicht, den Großteil des nun folgenden Tages alle Fohlennotdienste und Ammenstutenzentralkarteien abzutelefonieren und überall meine Rufnummer zu hinterlassen, falls irgendwo plötzlich eine Ammenstute zur Verfügung stehen sollte oder man eine Chance sah, unser Waisenkind mit unter eine Stute zu schieben, die auch zwei Fohlen satt bekommen könnte.

Die Aussicht war nicht besonders groß und Hoffnung hatte mir keiner meiner Gesprächspartner wirklich machen wollen, denn es war Anfang Februar und die ersten Fohlen wurden in den meisten Züchterställen erst im März erwartet.

Abends besuchte ich noch einmal unser Füchschen, dass so verloren in der großen Box lag, als hätte es jemand versehentlich dort vergessen.


Als ich mich zu ihr setzte und mit ihr Abschied nahm von ihrer Mutter, die uns verlassen hatte, wusste ich, dass Zaubernacht hatte hier bleiben wollen.
Sie glaubte nicht an das Glück an der ihr fremden Krippe, aber sie ahnte wohl, dass der Abschied nah war und sie nicht länger bleiben durfte.
Wenn ich hier nicht sein darf, will ich es auch nirgendwo anders sein, dachte sie sich wohl, gebar ihr letztes Kind und reiste dahin, wo sie für immer Zuhause bleiben durfte.
„Wir haben Glück, meine Kleine“, sprach ich zu meinem roten Pferdekind „sie ist allein gegangen und ließ Dich uns hier und weil Du einen Zaubernamen tragen sollst, taufe ich Dich heute Zauberglück. Möge uns das Glück nicht wieder verlassen, dass wir in Dir finden durften und der Zauber Deiner Ahnen nun rasch Wirkung tun, damit wir für Dich – Simsalabim – ganz schnell eine neue Mutti finden.“

Vielleicht war es eine ganz besondere Nacht, in der die Magie ihre Wirkung tun durfte und vielleicht hat meine Bitte an die Vorfahren ein übriges dazu geleistet, weil all die Zauberpferde auf den ewigen Weiden ihrem jüngsten Spross Fortuna schickten, die aus ihrem Füllhorn tatsächlich eine Ammenstute – Simsalabim – für Zauberglück zog.

Als exakt 24 Stunden nach der letzten Hiobsbotschaft nun wieder morgens um fünf mein Handy klingelte, war ich kurz davor, den Anruf gar nicht erst anzunehmen, denn meine größte Sorge war, dann nun auch noch Zauberglück der Mutter auf die ewigen Weiden gefolgt war.

Doch die Nummer auf dem Display kannte ich nicht und so drückte ich die Symboltaste mit dem grünen Telefonhörer, die das Telefonat annahm.

Ich meldete mich.
„Sind sie die Dame mit dem Waisenfohlen?“, klang es etwas unsicher und in sehr schwäbisch verfärbtem Hochdeutsch aus dem Hörer.
„Ja“, antwortete ich erst mal, ohne gleich zu jubilieren, denn was die Anruferin mir zu sagen hatte, konnte ich zwar ahnen, aber im schlimmsten Fall hätte es trotzdem jemand sein können, der gebeten worden war, mich über das Ableben meines Waisenfohlens zu informieren.
„Mein Fohlen ist vor einer halben Stunde tot geboren worden.“
„Das ist ja wunderbar!“ rief ich begeistert aus, um im nächsten Moment entsetzt über meinen Satz zu verstummen, denn was ich da von mir gegeben hatte, war wohl doch etwas pietätlos, denn die Anruferin meinte nun in bestem Schwäbisch: „Ha jetzat! So wunderbar findet mir des jetzat au net, dass des Hengschtle vo meinere Stut net mehr glebt hat, wias auf d Welt kommet ischt.“
„Natürlich nicht“, entschuldigte ich mich darum auch gleich betreten, „es tut mir natürlich sehr leid für Sie, aber vielleicht ... na ja ... wir haben so gehofft ... natürlich nicht dass ihr Fohlen stirbt ... aber ... na ja, dass Zauberglück vielleicht doch wieder eine Mami bekommt.
„Heio, des verschtande i scho und wenn d´ Milch von dr Stut jetzt scho lauft, dann solls jo liaba ihrm Fohli nutza, wia dasses alls ins Stroh goht“

Ich atmete erst mal auf, dass sie mir meinen Lapsus nicht krumm genommen hatte und bat sie, die Züchterin anzurufen, bei der Zauberglück untergebracht war, um mit ihr abzusprechen, wie das Fohlen am besten zur Stute chauffiert werden sollte, denn eine Verlagerung der Stute zum Fohlen schloss die hilfsbereite Schwabenfrau dann doch aus und bestand darauf, dass das Fohlen reist und nicht die Stute.
Zum Schluss fragte sie mich dann noch: „Brauchet ihr die Koloschdralmilch au, weil die habet mir extra abgmolge.“

Ich versicherte ihr, sie nicht zu brauchen, nachdem unser Waisenmädchen ja schon mehr als 50 Stunden alt ist und dann bereitete jeder vor, was nun für den großen Moment des Kennenlernens von Stute und Fohlen wichtig zu sein schien.

Zauberglück trat ihre erste große Fahrt in einem Minivan an, aus dessen hinterem Fahrzeugteil die Sitze herausgenommen worden waren und dessen Boden zum Schutz der Teppiche und zur Vorsorge mit alten Decken und Lappen ausgelegt wurde, falls Zauberglück ein unhaltbares Malheur passiert. Sicherheitshalber fuhr aber auch eine Schüssel mit.


Dass Fohlenaugen durchs Fenster die Blicke der Menschen spiegelten, die zufällig beim Überholen oder Vorbeifahren aus ihren Fahrzeugen hinüberschauten, verdutzte doch manch wackeren Autofahrer, der wohl zuerst angenommen haben mag, dass der Restalkohol vom Vorabend oder sein Gehirn ihm einen üblen Streich spielt, aber auch auf den zweiten Blick hielt unsere kleine Fata Morgana der Prüfung aus zusammengekniffenen und wild zwinkernden Augen stand.

Für Zauberglück war das ein Ausflug nach ihrem Geschmack, denn pünktlich im Rhythmus von 30 Minuten erhielt die zunächst ihr Fläschchen aus der Thermoskanne gerichtet und verabreicht. Erst ungefähr eine Stunde vor Erreichen ihrer neuen Heimat ließen wir sie etwas schmachten, denn schließlich sollte sie nicht satt und mäkelig sein, wenn sie auf ihre Ammenmutti trifft.

Trotzdem war ihr die Reise wohl ein sehr spannendes Vergnügen und so entstieg damals dem Minibus eine höchst zufriedene kleine Weltenbummlerin, deren Vorliebe für Transporte sich bis heute eisern hielt, denn noch immer klettert sie sofort in alles, was sich auf vier Rädern fortbewegen kann.

Im Stall erwarteten uns Zauberglücks zukünftige Hüter, die herzensguten Menschenpferdeeltern, denen ich nun mein Waisenkind anvertrauen durfte und Watussi, eine große und kalibrige Hannoveraner Fuchsstute die, als sie Zauberglück sah, freudiges Erkennen signalisierte, denn offensichtlich nahm sie an, dass ihr Fohlen, das morgens um vier, kurz nach der Geburt plötzlich verschwunden war, nun endlich zu ihr zurückkehrte.

Die Nachgeburt des Sternenfohlens überm Rücken und zusätzlich eingerieben mit dem Mist der Stute – was mir persönlich ja nicht so sehr gefiel, nachdem ich mein Pferdekind ausgehfein den neugierigen Blicken der Stallgemeinschaft zu präsentieren gehofft hatte, aber nun stand ein ziemlich streng duftendes rotes Fohlen mit einem „Sattel“ aus Plazenta und Eihäuten, dem man genau ansah, dass es die ungewohnte Last noch versuchte einzusortieren und das sich auch entsprechend steif und wie ein Holzpferdchen von uns sanft nach vorn geschubst durch die Stallgasse auf seine Ammenmutti zu bewegte.

Ihr hatte man vorsichtshalber ein Halfter angelegt um sie im Notfall sofort einfangen zu können, wenn es doch zu unvorhergesehenen Problemen kommen sollte.

Nun war es soweit: Zauberglück hatte die Box von Watussi erreicht.
Meine lieben schwäbischen Fohlenhüter schoben die Boxentür einen Spalt zurück, soviel, dass die Stute ihre Nüstern in Richtung Pferdekind strecken konnte, aber nicht genug, als dass sie das Waisenkind hätte gefährlich verletzen können.

Doch die große Fuchsstute machte kein böses Abwehrgesicht und sie legte auch die Ohren nicht an. Nur ein leises Quietschen entfuhr ihr, als Zauberglück ihr nun auch ihre Fohlennase zur Überprüfung hinhielt, doch alle Anwesenden waren sich einig: Wir schieben das Fohlen zur Stute hinein, halten Watussi aber noch fest, bis Zauberglück das erste Mal getrunken hat.

Ich weiß nicht, ob unser rotes Waisenmädchen eine genaue Erinnerung an ihre Mutti hatte, die sie viel zu früh verließ, oder ob sie wusste, dass Zaubernacht ein Rappe war und vor ihr nun ein Fuchs stand, aber wenn ja, dann fand sie sich erstaunlich schnell mit dem Ersatz ab und tröstete sich sehr gut mit Watussis fürsorglicher Liebe, mit der die das Fohlen förmlich überschüttete, über den erlittenen Verlust hinweg, denn Zaubernacht war noch keine vierzig Stunden aus Zauberglücks kleinem Leben gewichen, da schien sie schon vor ihrem geistigen Auge zu verblassen.

Natürlich hätte ich mich nun freuen sollen, weil alles so reibungslos glatt und unkompliziert verlief, denn kaum hatten meine schwäbischen Ersatzfohleneltern ihre Stute etwas zurückgeschoben, da schlüpfte das rote Pferdekind auch schon ganz selbstverständlich zu ihr hinein – sie betritt auch heute noch auch jede noch so fremde Box, als wäre es ihr gewohntes Zuhause und fremd fühlt sie sich nie irgendwo.

Aber konnte sie denn nicht etwas Pietät wahren, anstatt keinen Gedanken mehr an die Mutter zu verschwenden, deren Körper kaum kalt geworden war?

Man sah mir wohl meinen inneren Zwist an, denn jemand nahm meine Hand und flüsterte mir zu: „Sie vergisst sie nicht ... aber es nutzt ihr nichts, die Toten zu beweinen, wenn sie der Mutter nicht folgen will. Sie will leben und weil sie sich für das Leben entschied, kann sie bei Dir bleiben ... wäre es denn nicht viel schlimmer, wenn Du bangen müsstest, nun beide zu verlieren? Sie hadert nicht, weil sie allein zurückblieb, aber sie hat auch keine Zeit, zu warten, ob sie doch noch einmal zu ihr zurückkehrt, sondern sie weiß, dass wenn sie nach vorne blickt, in eine Zukunft, in das Leben, dass sie dann auch nicht auf das Vielleicht hoffen darf, sondern dass sie, ohne zu fragen, ob es die Mutter oder eine Amme ist, aus dem Euter trinken muss, dass ihr die Milch spendet, die ihr das Überleben sichert und damit hat sie ihren Frieden mit dem Leben gemacht. Sie hat von der Mutter Abschied genommen und nur darum ist der Schatten des Todes von ihr gewichen.“
Die fremde Hand drückte meine noch einmal fest und ich nickte.

Nein, ich durfte dem Fohlen gewiss nicht vorwerfen, dass es nicht erst die drei Tage Totenwache abwartet, bis es an sich denkt, denn das Morgen gehört den Lebenden. Mag das Gestern Zaubernacht einen besonders schönen Platz im Leben ihrer kleinen Tochter geben, wo das Fohlen den Trost der Mutter findet und ihre Nähe, wenn sie sie braucht, aber der neue Tag hat ohne sie begonnen und er wird ohne sie enden, darum ist darin auch kein Raum mehr und kein Ort für sie vorgesehen.

„Du hast recht, kleine Zauberglück,“ flüstere ich, „dass Du die Mutter nicht mehr im Morgen versuchst zu finden, denn wenn das so wäre, fändest Du Deine Zukunft bei ihr im Schattenreich. Suche sie also im Gestern und finde sie dort und das Morgen nimm Dir ... es ist Deins! Du wurdest uns zweimal geschenkt und erst jetzt weiß ich wie wertvoll das Himmelspaket ist, dass der liebe Gott uns mit Dir vor die Tür gestellt hat. Ich habe Dich Zauberglück genannt und mit Dir klopfte das Glück zweimal bei uns an. Beim ersten Mal war ich noch nicht sicher, ob ich Dich so lieben würde können, wie der Himmlische Dich uns überreichte und so musste er mich vor die Wahl stellen, ob ich Dich zurückgeben will.

Du hast Dich entschieden kleine Zauberglück für das Leben und die Zukunft und ich habe mich auch entschieden und darum möchte ich Dich, mein wunderbares, zauberhaftes Glücksgeschenk genau so haben, wie er Dich uns sandte und ich möchte, dass Du in unserem gemeinsamen Leben, in unserer gemeinsamen Zukunft und in unserem gemeinsamen Morgen Deinen Platz findest.“

Zauberglück schien mir zuzublinzeln. Sie war wohl einverstanden als großes, zweimal geschenktes Glück unser Leben fortan zu teilen, denn sie marschierte nun forsch an der Stute vorbei, die ihr mit dem Maul sanft schubsend die Richtung wies.

Noch einmal quietschte die Stute kurz. Das Euter war sehr stramm geworden, obwohl man sie zwischendurch schon etwas angemolken hatte, um den Milchfluss in Gang zu halten und den Druck zu mildern, aber Watussi schlug auch nicht nach Zauberglück, als man ihr ansehen konnte, das die doch resoluten Nasenpuffer, mit der das nun doch sehr hungrige Fohlen, sein Recht auf das Labsal im Innern forderte, nicht ganz schmerzlos zu sein schienen und als sie ihr ins munter zuckende Schweiflein kniff, damit sie nun mal mit der Alberei aufhört und endlich zur Sache kommt, da keilte die freche Ziehtochter doch tatsächlich nach ihr aus.

Doch selbst dass verzieh ihr die gutmütige Fuchsstute, war sie doch Kinder und Kummer reichlich gewohnt und außerdem froh, ihr Fohlen zurückerhalten zu haben, um dass sie sich schon so gegrämt hatte.
Mit hungrigen Saugbewegungen kam ihr Mäulchen noch ein oder zweimal aus der perfekten Richtung, aber dann durften ihre Lippen endlich die pralle Zitze umschließen, aus dem sie die Seligkeit des Himmels zu direkt zu empfangen schien – zumindest stellt man sich wohl das Paradies oder war es doch nur das Schlaraffenland? Egal, so oder so ähnlich stellt man es sich jedenfalls vor, als dass einem Milch und Honig direkt in den Mund fließen.

Bei Zauberglück floss die gute Flüssigkeit nicht nur in den Mund, sondern auch wieder aus ihm heraus, als sie gar nicht soviel schlucken konnte, wie die Stute ihr zu geben vermochte.
Und sie floss über die gekräuselten Nüstern, sodass sie nun niesen musste, aber ich bin sicher, nichts sonst hätte sie dazu bewegen können, ansonsten freiwillig die geschmeidige Zitze, aus der das Labsal so üppig lief, loszulassen, vor lauter Angst, dass man ihr die Tankstelle wieder fortnehmen könnte.

Das trinkende Fohlen, die glückliche Stute – welch ein Bild der Eintracht und des Friedens sich uns staunenden Betrachtern da bot.

Keiner sprach, denn niemand wollte den Zauber des stummen Glücks mit Worten zerstören, die sowieso nicht nötig waren.

Manchmal muss man vielleicht um das Glück bangen, damit man weiß, wie wertvoll es ist, und dass nicht seine äußere Form, seine Farbe oder Machart, die wir uns wünschen wichtig ist, sondern dass wir anzunehmen bereit sind, was er, der Herr uns schenkt, das habe ich wohl gelernt und auch, dass es kostbar ist und vergänglich, aber auch, dass es manchmal zurückkommt, wenn wir es nicht als selbstverständlich betrachten, Anspruch darauf zu haben, sondern es voller Dank und Freude empfangen.

Zauberglück blieb sechs Monate in der liebevollen Obhut der schwäbischen Ersatzpferdeeltern und auch wenn ich ein kleines bisschen traurig war, dass ich bei den wichtigsten Schritten im Fohlenleben meines ersten Pferdekindes nicht dabei sein konnte, weil uns eine Distanz von 800 Kilometern trennte, freute ich mich doch, als ich einen dicken Brief mit der gesamten Dokumentation der Fohlenschau in Wort und vielen, vielen Bildern vom Postboten bekam ... Post von der fernen Pferdetochter zu erhalten, bedeutete ja auch, zu sehen wie sie gewachsen ist, wie sie sich verändert hat und wie sie zu eine bildschönen Jugendlichen reifte.

Ach Zauberglück, ich wäre gern dabei gewesen, aber ich war es ihn Gedanken, glaube mir.

Besonders schade fand ich im Nachhinein, dass ich den Spaß nicht persönlich miterleben durfte, wie die Trakehner Züchter an der Marbacher Fohlenschau, die herrliche „Trakehner Stute“ Watussi bewunderten, bis ihnen auffiel, dass sie den Hannoveranerbrand trägt – ich hätte wohl Tränen gelacht, als die sich wandten wie die Aale im Kescher, die „Großkopferten“, bei denen kein Pferd bestehen kann, wenn es den ihrer Meinung nach falschen Brand trägt und vielleicht hätte ich mich danach auch ein bisschen geschämt für meine Schadenfreude, aber ein Spaß wäre es gewesen, da bin ich mir ganz sicher.


Und in die Lauter wäre ich so gerne mit Dir hineingegangen, als Du das erste Mal in Deinem Leben das kühle, klare Nass Deine Hufe umspülen fühltest.

Kalt ist es, das Flüsschen, das ist wohl wahr, aber im Sommer, dem guten und warmen es ist eine wohltuende erfrischende Kühle, welche die Lebensgeister weckt und das Kribbeln über die Haut schickt, wenn man wieder hinaussteigt - wir beide, Du und ich, mein Glückchen, wir hätten das Erlebnis geteilt.
Hast Du der Lauter zugehört Glückchen? Hast Du dem geheimnisvollen Glucksen, dem munteren Plätschern und dem raunenden Murmeln gelauscht. Sie erzählt Dir Geschichten Glückchen, man muss ihr aber gut zuhören, denn es sind leise Geschichten vom kleinen Volk, den Elfen und Feen, den Faunen und Baumgeistern, den Zwergen und Heinzelmännchen und von den Dunklen aus Nebenan. Brauchst Dich aber nicht zu sorgen Glückchen, die können uns nichts tun, denn die Türen dahin sind verschlossen, der Schlüssel umgedreht, zweimal herum und bewacht werden sie von den Trollen und Gnomen. Da ist kein Durchkommen zu uns, mein Glückchen, da nicht.
Wir hätten also ruhig in der Lauter plantschen gehen können, wir beide, um dabei ihren Geschichten zu lauschen, ohne dass Du oder ich sich hätten fürchten müssen.

Vielleicht hätte ich es ihr gar nicht zu sagen brauchen, dass sie keine Furcht zu haben muss, denn sie entwickelte sich von ganz alleine zu einem wahrlich furchtlosen roten Pferdedämchen und zu einer der Eckpfeiler unserer Drachenbrut.

Heute müsste ich ihr wohl nicht mehr von flüsternden Dyraden in knorrigen Eichen erzählen, von der zarten Schlüsselblumenkönigin mit den transparenten silbernen Flügeln und von ihrem filigranen Feenhofstaat, der aus so vielen der zarten und wundersamen Lichtwesen besteht.

Sie, die mir einst zeigte, wo sie wohnen, in ihrem Gräserschloss und die aufmerksam lauschte, wenn ich ihr erzählte, dass die Elfen und Feen wie mein Glückchen und ich des nachts schlafen gehen, nur dass sie sich nicht im Bett und im Stroh ausruhen, sondern ihre müden Köpfchen auf die Kissen der Blüten legen und sich mit ihren Blättern sanft zudecken lassen, bis die Morgensonne sie an der Nase kitzelt und sie aufweckt, ließ sie mich durch ihre Kinderaugen sehen, die liebreizenden Kindergesichter, die gar nicht unfreundlich schauen könnten.

Doch nun würde ich nicht mehr mit meinem Glückchen zusammen staunen, wie sie über biegsame Gräser und schlanke Halme schwirren, wie Sternenstaub so glitzernd, in ihren Kleidchen aus Lichttröpfchen und Wolkenwatte, aus Mondenschein und Sonnenstrahlen.

Wir würden nicht mehr zusammen beobachten, wie fleißig sie die kleinen nicht einmal stecknadelgroßen Nektartröpfchen sammeln, den sie mit den Bienen und Hummeln teilen, weil sie ein ganz bescheidenes kleines Volk sind, die Naturgeister, sie nicht viel brauchen zum Leben, denn ein Blumenkelch mit Nektar gefüllt genügt ihnen um eine ganze Woche davon satt zu werden und ihren Durst stillen sie an dem Morgentautröpfchen - wer will ihnen das neiden?

Damals hätte mein Glückchen ihnen das wohl wirklich gern gegönnt.

Doch aus meinem Glückchen ist eine Zauberglück geworden.

Bäte ich sie heute, die Hüfchen vorsichtig zu setzen, um sie nicht versehentlich zu treten –sie würde nicht mehr verstehen können, warum ich so ein Gewese um ein Nichts mache, dass ich noch nicht einmal wirklich sehen kann.

Ihr Interesse gilt nicht mehr den Dingen, die nur diejenigen wahrnehmen dürfen, welche die Gabe der inneren Schau besitzen, denn sie hat die reine, unschuldige Einfalt des Herzens verloren und freut sich nicht mehr an den Tänzen und Ringelreihen des kleinen Volkes mit dem emsigen Bienen, den trägen Hummeln, den gaukelnden Schmetterlingen und den Kapriolen der Grashüpfer.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“, sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen, „das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“.

Doch wer hat die Fähigkeit, das Wesentliche zu erkennen?
Wer hat sie, die reine Unschuld und Einfalt im Herzen?
Wer konnte sich in der eigenen Phantasie die Erinnerung an das Paradies bewahren?
Wer in seinen Träumen in die eigene fantastische Welt eintauchen?

Wir glauben, was wir zu sehen bereit sind und wir sehen, was wir zu glauben bereit sind.
Von C. G. Jung stammt der Satz: „An den Grenzen der Logik hört zwar die Wissenschaft auf, nicht aber die Natur, die auch dort blüht, wohin noch keine Theorie gedrungen ist.“

Wir setzen unserem Erkennen die Grenzen selbst, die uns unser Verstand diktiert und weil wir dem, der aus unserem Kopf laut und klar zu uns spricht, mehr Beachtung und Vertrauen schenken, als dem, der aus unserem Herzen flüstert, erlauben wir uns selbst nicht, all die kleinen Wunder, die wir durch Kinderaugen sehen dürften, auch zu bestaunen, wenn wir erwachsen geworden sind.

Wir haben bewusst verlernt, die Welt noch mit staunender Neugier und von Furcht und Misstrauen unbelasteter vorurteilsfreier Offenheit begegnen – nur das Gute erwartend und dem glühenden Funken der Hoffnung im Herzen, der in die dunkelsten Keller das Licht bringt.

Mit Glückchen, der Staunenden, Experimentierfreudigen ,Wundergläubigen, da durfte ich durch ihre Fohlenaugen als das Schöne sehen, das Gott uns schenkt.

Mit Zauberglück aber, der Machtstrebenden und Futterneidischen, wäre der Schlüsselblumenkönigin geraten, ihren Blütennektarkelch nicht in die Bahn von Zauberglücks trampelnden Hufen zu stellen, denn dass sie in ihrer Hast, zuerst das Futter zu erreichen, das Blütenkelchlein umstößt und der süße Nektar in Gras verschüttet wird, das halte ich für wahrscheinlicher, als dass sie sich daran erinnert, dass sie ihre Füßchen sorgsam ins Gras setzen sollte, um keinem, der darin wohnt, ein Leid zu tun.

Doch nur wer ohne Schuld ist, sollte den ersten Stein werfen und da ich selbst auch ganz sicher ein paar unfeine Charakterzüge in mir berge, und darum auch das kleine Volk nur sehen kann, wenn mir ein Menschen- oder Tierkind sein reines Herzlein leiht und mich an dem Wunder, dass es sieht, teilhaben lässt, weil ich durch seine Augen blicken darf, steht es mir nicht an, Zauberglück Vorwürfe zu machten, viel zu unachtsam und ignorant, den Naturgeistern gegenüber geworden zu sein.

Ich finde mein zweimal geschenktes Geschenk auch schön und freue mich jeden Tag an ihm, obwohl es mir zugegebenermaßen immer noch nicht leicht fällt, mich im Sommer für ihre Fuchsfarbe erwärmen, wenn die Sonne das brandrote Fell ausbleichte und sie fahl und blass werden lässt, aber im Herbst, wenn sie die Farbe wechselt und aussieht, wie die Blätter des prächtig verfärbten Laubes oder gar im Winter, wenn ihr Fell schokoladenfarben wird, kaum dass die Tage kürzer werden und die Nächte länger, da finde ich unser „Zweimalgeschenk“ noch genauso wunderbar und zauberhaft, wie damals, als wir mit ihr im Minibus zu Watussi reisten – und auch sie grast heute nicht mehr auf irdischen Koppeln, sondern tauscht sich vermutlich längst mit Zaubernacht über das „gemeinsame Kind“ aus.

Sie mit einem für sie treffenden Adjektiv zu beschreiben fiele mir schwer, obwohl mir sonst eigentlich solcherlei Spiele mit Worten wenig Probleme bereiten und so wie albern zu Schimmi gehören müsste, grantelig zu Ali und kadavergehorsam zu Irco, fände ich für jedes unserer Pferde eine Eigenschaft, die es ganz speziell und nur es kennzeichnet und von den anderen unterscheidet, doch nicht bei Glücki, denn sie ist so facettenreich, wie sonst kein Pferd bei uns und so reicht der Bogen ihrer Eigenschaften von
A wie albern, wenn sie ihre aus Prinzip Dinge schrecklich findet, vor denen sie ich eigentlich gar nicht fürchtet
B wie behütend, wenn sie wie eine Löwin für ihr Fohlen kämpft
C wie chic, weil ihr edles Gesicht, ihr herrlich gewölbter Hals und ihr geschlossener Körper auf dem soliden und korrekten Fundament zu diesem Wort für ihr Gesamtbild berechtigen
D wie dusselig, wenn sie vor lauter Spaß am Bocken fast ihr Fohlen erschlägt
E wie eifersüchtig, wenn es mal nicht um sie geht
F wie futterneidisch, wenn sie das Gefühl hat, dass man ihr weniger gönnt
G wie geduldig, gemütlich, gelassen, gutmütig, wenn man sie in Ruhe lässt aber auch garstig und giftig, wenn man ihr auf die Nerven geht
H wie honett, wenn sie sich mal darauf besinnt, das zu tun, was sie soll
I wie intelligent, wenn sie Toröffnungen knackt, aber auch wie ignorant, wenn man ihr verbietet, das zu tun
J wie jovial, wenn es um ihre Fohlen geht, denen sie kaum Grenzen setzt
K wie kokett, wenn sie vor den Hengsten ganz besonders kräftig mit dem roten Hintern wackelt
L wie leistungsbereit, wenn sie erst mal in Fahrt ist
M wie mütterlich, wenn sie ein Fohlen hat - immer
N wie naiv, obwohl ich nicht weiß, ob Taktik dahintersteckt, neugierig, wenn es darum geht, die Leckerliverstecke zu finden, nett, wenn man nicht gerade Hibiska und Mahé fragt und nervenstark, was ja auch kein Wunder ist, wenn man weiß, dass sie schon im zarten Alter von zwei Tagen mehr erlebte, als andere Pferde in zwei Jahren.
O wie ordentlich, wenn man ihre Box macht, wird man mir recht geben müssen
P wie peinlich, wenn sie mich mal wieder bis auf die Socken blamiert und an Zuchtschauen lieber die Nüstern ins Gras senkt, als die Tanzbeine zu werfen und die Zuschauer und Bewertungskommissare zu beeindrucken.
Q wie querköpfig, wenn sie etwas nicht will
R wie rund und raupenhaft, weil sie eben gerne isst
S wie selbstbewusst, weil sie sich für ziemlich toll hält, sensibel, wenn es um sie selbst geht, sanftmütig, wenn man sie nicht ärgert aber auch schusselig, wenn sie einem zum dritten Mal an einem Tag über die Füße baselt und strubbeldumm, wenn sie einfach losprescht, ohne zu schauen, wer nun gerade im Weg stehen könnte
T wie treu, weil ich kein Pferd so oft verkaufen wollte, das trotzdem immer noch bei uns ist
U wie übellaunig, wenn jemand an ihr Futter will, denn da versteht sie keinen Spaß
V wie vertrauensvoll, weil sie vom Menschen wirklich nie etwas Negatives erwartet und jedem Zweibeiner ihren Vertrauensbonus schenkt
W wie waghalsig, wenn sie morgens um fünf auf den Bahngleisen steht und grast, weil ihr es auf der Weide bei den anderen zu langweilig war
bis hin zu Z wie zauberhaft, wenn sie mal wieder das Glückchen in sich entdeckt, zärtlich, wenn sie mit ihren Fohlen umgeht aber auch zickig, wenn ihr etwas absolut gegen den Strich geht.

Ich gebe schuldbewusst die Augen niederschlagend zu, dass ich auch noch mehrfach darüber nachdachte, Zauberglück vielleicht doch zu verkaufen, denn zum einen sprachen wir ja immer wieder über den Abbau der Zuchtstuten und nachdem Zauberglück nicht nur die einzige reitbare Zuchtstute in unserem Stall ist und ungerittene Zuchtstuten überhaupt keinen Markt anzusprechen scheinen, ist damit ja eigentlich klar, wer immer wieder auf der Verkaufsliste stand, wenn über den Abbau der Zuchtstutenarmada gesprochen wurde.
Erschwerend kam dabei dann auch immer die Sache mit ihrem Zwei- bis Dreijahresrhythmus noch einmal aufs Tablett, denn ob es wirklich lukrativ sein kann, wenn ein Pferdemädchen alle drei Jahre nur schwanger gehen möchte und man das „Produkt der mit Vorlaufzeit von zwei Jahren dreijährigen Brutzeit“ dann für unter 5000 Euronen verkauft, mag dahingestellt sein und vielleicht ist es auch eine Sache des Stallmanagements, dass man für den Unterhalt einer Zuchtstute einfach nicht mehr als 100 Euro im Monat, inklusive Schmied, Tierarztkosten, Besamung, Decktaxen, Samenverstand ausgibt, aber ich schaffe das nicht und lege weiter munter drauf.

Aber Zauberglück sorgte schon dafür, dass wir uns irgendwann dann das Geld zur Anmeldung zu einer Verkaufsschau sparten, weil sie dort nur ein Ziel kannte: mich zu blamieren!

Auch die Verkaufsanzeigen, die wir zuerst noch recht regelmäßig in die Fachzeitschriften setzten, trauten wir uns irgendwann nicht mehr schalten, weil das Foto der roten Raupe einen immer höher werdenden Erkennungswert zu besitzen begann und sie damit auch irgendwo als „Ladenhüter“ abgestempelt wurde.

Dabei gab es auch durchaus Interessenten und selbst solche, die sie haben kaufen wollen, nur scheint Glücki einen siebten Sinn entwickelt zu haben, der ihr ganz genau sagt, wann Kaufinteressenten sich angesagt haben, denn immer genau einen Tag vorher, hält sie irgendeinem Mitglied der Drachenbrut eines ihrer Haxen zum draufhauen hin und hinkt natürlich dann auch, was bislang jeden potentiellen Käufer abschreckte.

Ein absolutes Highlight war auch, als sie beim Probereiten in einer fremden Halle mitten im einträchtigsten Dahintraben, ihre Reiterin schockierte, indem sie sich plötzlich unvermutet auf ein Pony stürzte, das zwei Runden zuvor reingeführt wurde und dem man auf der Mittellinie den Gurt noch einmal strammzog, woraufhin es die Ohren anlegte, was Zauberglück dann natürlich auf sich bezog und persönlich nahm und entsprechend ihrem zur Überreaktion neigenden Naturell, dem kleinen Giftzwerg versuchte, die Ohren abzubeißen, damit er sie nie mehr anlegen kann.

Nie zuvor und auch nie mehr danach, hat sie sich unterm Sattel oder in einer fremden Bahn so schlecht benommen, was mich annehmen lässt, dass sie bereit ist alle Register zu ziehen, wenn es darum geht Käufer abzuschrecken.

Also wird uns kein anderer Weg bleiben, als zu akzeptieren, dass es unfein ist und auch von Gott wohl eher nicht gern gesehen wird, seine Geschenke zu versilbern.

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Geh Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterläßt und nicht nur Staub
Antoine De Saint-Exupéry

Nawar Offline

Staatsprämienanwärter/in


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18.03.2010 16:27
#2 RE: Das Glück, das kann man nicht kaufen, aber manchmal bekommt man es geschenkt Zitat · antworten



Herzergreifend schön geschrieben und dann noch wahr dazu...
Hab nen Kloß im Hals...

Meine Stute wird demnächst auch fohlen, ob man sich vielleicht schon bei einer Fohlennothilfe melden sollte? Es könnte ja immer irgendwas mit Stute oder Fohlen passieren...
Es ist super toll, wenn man dann jemanden hat, der helfen kann, oder dass man selbst helfen könnte...

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