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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Anekdoten & Geschichten rund ums Pferd
forsthof-antaris Offline

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Beiträge: 1.351

18.06.2009 13:21
Sambuco -Rede an einen König und weitere Geschichten Zitat · Antworten

Ich habe an dieser Stelle noch ein paar Seiten aus meinem Pferdegeschichtenbuch eingestellt, die Euch einen Einblick erlauben, in das was mich seit längerem beschäftigt. Das Buch beginnt in der Silvesternacht bzw. am Neujahrsmorgen 2009 kurz nach Mitternacht und endet am Neujahrsmorgen 2009, irgendwann morgens um drei.

Sambuco – Rede an einen König

So vieles würde ich ihm gerne noch sagen und so vieles was ich ihm sagte, bereue ich und wünsche mir, ich hätte geschwiegen.
Doch wenn ich heute zu ihm sprechen dürfte, dann nur um ihn um Verzeihung zu bitten:
Vielleicht war es nicht immer die ganz große Liebe, die uns verband, denn Du warst so unerreichbar weit weg von mir – fast schien es ein Frevel zu sein Dich, den Stolzen, den unnahbaren Helden nicht zu huldigen, wie es so viele taten für die Du noch immer ein Mythos bist und der ungekrönte König der Scheckenzucht.
Mag sein, dass ich nicht bereit war in dem Chor zu singen, in dem nur Lobeshymnen für Dich erklangen.
Mag sein, dass ein anderer König meines Herzens war und ich nicht akzeptieren konnte, dass man Dich mit Lorbeer kränzte und nicht ihn, den der ihn Deinem Schatten immer nur verblassen konnte, doch glaube mir, dass ich mich schäme, dass ich so oft mit Missgunst Deinen Ruhm in Frage stellte und Deinen Glorienschein, der Dich umgab nicht zu polieren bereit war, sondern seinem goldenen Schimmern und seinem Glanz den Wert absprach.
Doch glaube mir ... ich habe Dich geliebt, auch wenn ich es Dir nicht zeigen, nie beweisen wollte oder konnte, aber wenn Du mich nun hörst, dann lass mich hoffen, dass Du mir vergibst.
Und dass ich in der Stunde Deines Todes nicht bei Dir war – Sambuco, bitte glaube mir, war die größte Strafe, die ich erfahren habe, denn als ich Dich besuchte und fühlte, dass es das letzte Mal sein sollte, dass ich Dich sah, da war mir, als schlüge ein Schwert mein Herz entzwei und ich wusste, dass wenn mir noch einmal die Zeit mit Dir geschenkt worden wäre, ich sie klüger zu nutzen gewusst hätte, als mich gegen unsere Freundschaft zu wehren.
Und so hoffe ich, dass Du mich hörst, dass es nicht zu spät ist und ich Dich nun meinen Freund nennen darf.
Und wie einen Freund, einem Gefährten, mit dem man die Vergangenheit und die Erinnerung daran teilen darf, möchte ich Dich fragen: „Weißt Du noch, weißt Du noch Sambuco, wie viele schöne Momente Dir und uns das Leben schenkte?
Erinnerst Du Dich noch, als wir Dir das erste Mal begegneten im September des Jahres 1996 ... na ja, ich gebe zu, da hatte ich mein Herz gerade an Deinen Boxennachbarn Charming Irco verschenkt, aber Micha überzeugtest Du sofort, wie Du Dein ganzes Leben lang immer alle Menschen im Sturm erobert hast und so zögerte er auch nicht eine Sekunde, Dich zu kaufen, als das Angebot kam.
Dabei trugst Du nicht unbedingt einen bedeutenden Namen, der darauf hätte schließen lassen, dass aus Dir einmal der Cor de la Bryere der Scheckenzucht werden würde, als Du am 08.06.1987 bei Deinem Züchter, Herrn Jonkers in Boyl in den Niederlanden geboren wurdest, denn dort ist es üblich, dass bei der Namensgebung der Fohlen der Buchstabe, welcher in jedem Jahr vorgegeben wird, und welcher durch das fortlaufende Alphabet bestimmt ist, für die Benennung des Pferdekindes maßgeblich ist und da 1987 das F angesagt war, taufte man Dich erst einmal auf den wenig klangvollen Namen Frits.
Dein Vater war der Jahrhundertschecke Samber v. Pericles xx, den Du vielleicht noch übertreffen konntest. Deine Mutter Solinde war Ster und Pref-Stute. Ihr Vater, der Vollblüter Le Faquin xx erhielt sogar die Auszeichnung Keur, die meines Wissens in den Niederlanden nur aufgrund herausragender Nachzucht vergeben wird. Überhaupt war Deine gesamte Verwandtschaft von herausragender Qualität – in Deinem Papier versammelte sich quasi das „who is who“ der Zucht, denn es waren ausschließlich Ster, Pref und Keur-Pferde, die sich darin tummelten und so war Dir, dem damals noch kleinen Halbblut-Schecken von Deinen Halbblut-Eltern das beste Rüstzeug mitgegeben worden, um einmal ein ganz "Großer" zu werden.
Drei Jahre nach Deiner Geburt, im Jahr 1990 feiertest Du dann auch Dein Debüt als gekörter Hengst und der Verband bayrischer Pferdezüchter zeichnete Dich zusätzlich zum positiven Körurteil mit einem Prämientitel aus.
Allerdings schien zu einem so hoch dekorierten Hengst nun der Name Frits eher albern zu sein und so erhieltest Du, dem Anfangsbuchstaben Deines Vaters Samber folgend den Namen Sambuco und ob die Tatsache, dass man Deinen Namenspaten Sambuca, den italienischen Schnaps mit einer Kaffeebohne und vorab flambiert trinkt dazu beigetragen haben mag, dass Du ein feuriger Knabe wurdest und Dich die Müdigkeit nie schwächeln ließ, wenn es darum ging, einen guten Eindruck bei den Züchtern zu hinterlassen, deren Stuten Du dann auch alle bekamst, oder ob Du schon vorher so warst, wie ich Dich kennen lernte, das habe ich nie herausgefunden, aber dass ich, nachdem wir Dich gekauft hatten, eine Vorliebe für Sambuca entwickelte, daran warst ganz sicher Du schuld.
Das B, welches Du als Suffix am Ende Deines Namens trugst, verleitete mich oft zu einem kleinen Schwindel, denn ich behauptete zu gern, dass es die Abkürzung für unseren Nachnamen, Bröckel, steht und hoffe, dass mir Dein damaliger Besitzer, Herr Bachl aus Postmünster diese, meine Verbreitung der Unwahrheit nachsieht.
Dass Du direkt nach der Körung verkauft wurdest und fortan in Niedersachsen Dein Domizil fandest, mag unser Glück oder Dein und mein Pech gewesen sein – unser Glück darum, weil wir uns sonst nie kennen lernen hätten dürfen, Dein und mein Pech, weil ich nicht weiß, ob Du dann noch leben würdest, wenn wir uns nicht auf dem Forsthof begegnet wären und weil ich dann nie um Dich hätte trauern müssen.
Ganz sicher war es aber eine wichtige Sprosse, die Dir als Möglichkeit geboten wurde, nach ganz oben auf der Karriereleiter zu klettern, denn nun gehörtest Du einem ehrgeizigen Vielseitigkeitsreiter und als zukünftiger Stern, der am Military-Himmel aufzugehen schien, reichte es Deinem neuen Besitzer auch nicht, dass Du „nur“ die Mindestleistungsprüfung in München-Riem erfolgreich abgelegt hattest und darum schickte er Dich 1992 nach Redefin zum 100-Tage-Test, der Hengstleistungsprüfung, welche Dir die Tür zur „seriösen“ Warmblutzucht und den Landesverbänden öffnete, die der Scheckenzucht bis zu diesem Zeitpunkt sehr kritisch gegenüber standen, denn Pintohengste gab es damals genügend, aber einen, dem es gelang, sich mit der Elite der Deutschen Sportpferdezucht zu messen und dabei sogar einige der Jungs hinter sich lassen konnte, das war schon etwas Außergewöhnliches ... aber dass Du besonders bist, daran hatte ja auch keiner gezweifelt.
Zu Deinem Suffix bekamst Du nun auch noch den „Vornamen“ „Forsthofs“ und damit auch die Verantwortung übertragen, Deinem Stall keine Schande zu machen ... Du hast aber immer nur Ruhm und Ehr durchs Hoftor getragen und wer vom Forsthof sprach, der tat es eigentlich immer ehrfürchtig und ausschließlich nur im Zusammenhang mit Dir.
Wen also hätte es nun gewundert, wenn sich noch irgendeiner Deinem Siegeszug verschlossen hätte?
Und so tragen heute Deine zahlreichen Töchter und Söhne auch die Brände von Westfalen, Rheinland, Oldenburg und den Verbänden des Ostens. In Griechenland, den vereinigten Emiraten, Frankreich, Luxemburg, der Schweiz, den Niederlanden und auf Teneriffa wurden Deine Nachkommen geboren und in den ersten Jahren standen die Damen Schlange vor Deiner Tür ... nun, Du hast keine abgewiesen und brachtest es auf weit mehr als 100 Bedeckungen pro Saison.
So als Vererber ausgelastet, wurde Deine eigene Sportkarriere nicht angestrebt, zumal Du – entschuldige wenn ich das anmerken muss, aber ich denke, so ehrlich müssen wir sein - auch eine ganz eigene Einstellung zur Arbeit unter dem Sattel hattest. Dabei fehlte es Dir nicht an Vermögen, denn Du warst bis in die höchste Dressurklasse ausgebildet und sprangst mit außergewöhnlich viel Technik und Vermögen.
Wer das Glück hatte, Dich reiten zu dürfen, wenn Du ihm bereit warst, den Reiterhimmel zu schenken, schwärmte noch Jahre später von dem Erlebnis und brachte seine Begeisterung bei jeder passenden Gelegenheit zum Ausdruck - wer das Pech hatte, nicht auf Deiner Werteskala ganz oben zu stehen, ging besser zu Fuß.
Vielleicht ist das aber auch gut so, denn als ich einmal gefragt wurde, warum ich mit Dir nicht unterwegs bin, um Serienerfolge auf den Turnierplätzen zu sammeln, da konnte ich nur antworten, dass Du es nicht verdient hättest, von einem anderen geschlagen und auf den zweiten Platz verdrängt zu werden, weil Du ein Sieger bist.
Aber Du hättest es auch nie nötig gehabt, für Dich und Deine Vererberqualität Werbung zu laufen, denn das taten Deine vielen erfolgreichen Kinder, denen Du Ehrgeiz und Talent mitgabst.
Könntest Du das Jahrbuch Zucht lesen, Sambuco, Du würdest so stolz sein, denn im Jahr 2007, dem Jahr, in dem Du Deinen 20. Geburtstag hättest feiern dürfen, verzeichnete man für Dich eine Nachkommenslebensgewinnsumme von 53.311 Euro bei 138 Nachkommen, die von der FN als Turnierpferd registriert sind.
Ich schätze, das wäre ein Grund gewesen, die Korken knallen zu lassen, aber ohne Dich ...
Da war uns war auch eher zum Heulen, als zum feiern zumute, obwohl es uns ein sehr tröstlicher Gedanke ist, dass Du der Zucht mehr als 60 eingetragene Stuten und 12 gekörte Hengste hinterlassen durftest und Dich damit unsterblich gemacht hast.
Vielleicht hat dieses Wort „Unsterblichkeit“ sogar noch eine ganz besondere Bedeutung, wenn man weiß, dass vier Tage nachdem Du auf die ewigen Weiden abberufen worden bist, mit Deinem seinem letzten Samen noch ein Fohlen gezeugt werden konnte: Spirit M wurde im Jahr 2002 geboren und in Kreuth 2004 gekört.
Vielleicht bist Du ja auch für Wunder gut.
Besonders stolz waren wir natürlich darauf, dass Du noch lange nach Deinem Tod, Deine Bedeutung nie verloren hast und darauf, dass Dein Name noch immer in den Pedigrees von erfolgreichen Auktionspferden, Zuchtstuten und Köraspiranten zu finden ist.
Welch glanzvoller Moment war es zum Beispiel, als Dein Sohn Strahlemann und Dein Enkel Skooby-Doo zum Siegerhengst ihrer Körung berufen wurden oder Dein Sohn Sidney es zusammen mit Dir schaffte, als erste bunte Hengste den Körsegen auch vom Oldenburger Verband zu erhalten.
Keinen der Dich kannte verwunderte, dass gleich aus Deinem ersten Jahrgang Sinclair B die Zuchtzulassung erhielt und Steven T. kurz darauf die Siegerschärpe tragen durfte.
Die Liste der Erfolge Deiner Söhne ist lang und jeder von ihnen - auch Sahin, Samba-pa-ti, Smooth Opperator, Showtime und Sambuti - tragen Dein Erbe, das Erbe ihres wunderbaren Vaters in sich und stellen es der gescheckten Zucht zur Verfügung.
Und Deine Töchter müssen sich heute auch nicht mehr schämen, wenn sie Deine bunte Jacke tragen, denn ich kann Dir berichten, dass Deine Enkelin an der Elitefohlenauktion in Vechta mit 36.000 Euro das teuerste Stutfohlen wurde und das trotz, oder vielleicht gerade wegen der Flecken in ihrem Fell.
Hättest Du das geglaubt, damals, als wir mit Dir das Ziel anstrebten, dass Deine Kinder das gekrönte O tragen dürfen, dass Du dort nicht nur als Exot geduldet, sondern irgendwann sogar die Anerkennung und Würdigung als der Grandseigneur der bunten Pferde erfahren würdest, von der wir doch weit vor den hohen Herren der Kommission überzeugt waren, dass sie Dir zusteht?
Oft überlege ich, ob es wahr ist, dass der Teufel sich stets die Besten holt und dann bin ich mir sicher, dass der Höllenfürst keinen guten Entscheid getroffen hätte, Dich zu sich zu holen, denn Du hättest selbst ihn seines Thrones verwiesen und Deinen Platz als die Nummer eins beansprucht.
Vielleicht aber musstest Du sterben, um unsterblich zu werden, denn alt zu werden und an Glanz zu verlieren, hätte nicht zu Dir gepasst und so bist Du auf dem Zenit Deiner beispielhaften Hengstkarriere und Deines züchterischen Wirkens am 04. Juli 2001 mitten aus Deinem glamourösen Leben gerissen worden.
Du wurdest nur 14 Jahre alt.
Die dunkle Ahnung, dass etwas Furchtbares passieren wird, trug ich in mir, als ich für ein paar Tage verreiste und ich nahm sie auch wieder mit nach Hause.
Dass es Du sein würdest, den wir am gleichen Tag, als ich ankam mit einer Kolik in die Klinik fahren würden, wusste ich erst, als ich in Deine Box schaute und Dich dort liegend fand.
Wie immer, wenn wir ein Pferd zur Behandlung aus unserer Verantwortung gaben und es für immer ging, mache ich mir auch bei Dir bis heute Vorwürfe, ob alles gut geworden wäre, wenn wir Dich nicht weggeschickt hätten, doch die Antwort wirst Du uns wohl noch eine Weile schuldig bleiben.
Trotzdem möchte ich, dass Du weißt, dass wir Dich nicht abschieben wollten, sondern den Veterinären der Klinik vertrauten, dass sie Dich retten werden und darum auch für alle Maßnahmen unser Einverständnis gaben, die sie für nötig und wichtig hielten.
Vielleicht haben wir Dich mit der Kolikoperation sinnlos gequält, aber auch wenn ich ahnte, dass es kein gutes Ende nimmt, starb mit Dir die Hoffnung doch zuletzt.
War es richtig, nicht gleich aufzugeben, als sich Deine Blutwerte nach der OP kontinuierlich verschlechterten?
Doch Du nährtest mit Deinem Lebenswillen und dem Kampf gegen den finstren Kameraden Tod unseren Glauben, dass wenn wir so stark sind wie Du, Deine Pein nicht sinnlos gewesen sein muss, aber als nach vier Tagen Dein Kreislauf kollabierte und Deine Nieren ihren Dienst versagten, schien alles mit einem Mal so aussichtslos zu sein.
Als sich der operativ entleerte Blinddarm wieder anfüllte und er auf die OP-Naht drückte, dass die Narbe begann durchzubrechen, war der Entscheid Dich, der Du drei Tage lang unter stärksten Medikamenten gegen die Schmerzen angegangen warst und stumm alles gelitten hast, zu erlösen keine Frage mehr sondern eine traurige Pflicht.
Dein Tod war und ist für alle die Dich kannten und schätzten unfassbar und er hinterließ eine große Lücke nicht nur bei uns, sondern bei allen Züchtern und Freunden der Zucht der bunten Pferde.
Du hättest Dich sicher gefreut, denn der große Bahnhof, den alle für Dich machten, wäre ganz nach Deinem Gusto gewesen, schließlich liebtest Du es immer im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu stehen – mit Dir wäre es wohl ein rauschendes Fest geworden.
So aber war es eine traurige Zeit, in der uns Beileidsschreiben, Faxe und Mails aus dem In- und Ausland, aus Europa und USA erreichten und uns Deine unwiederbringbare Einzigartigkeit schmerzlich bewusst machten, aber sie zeugten auch von Deiner Popularität, denn dass uns fremde Menschen uns schrieben, dass sie unsere Trauer mit uns teilen und uns ihr tiefes Mitgefühl aussprachen, hatte ich selten zuvor gehört ... außer vielleicht bei Pferdelegenden wie Halla, Meteor oder Deister. Deinen Namen nun mit den ihren in einem Atemzug zu nennen, fällt mir jetzt nicht mehr schwer, denn der amerikanische Verband gescheckter Pferde gab Dir sogar einen Platz in der Hall of Fame.
Ich bin fast sicher, dass Du Dir Deine Abschiedsfeier am 14. Juli 2001 die wir mit unserem Zuchtleiter, Herrn Britze, Deinen und unseren Züchtern und den Freunden im Rahmen unseres Brenntermins für Dich zelebrierten nicht entgehen lassen hast, denn ich fühlte Deinen Blick auf mich gerichtet, während ich die Laudatio auf Dich hielt, bei der sich keiner seiner Tränen um Dich schämte und ich glaube sie hätte Dir gefallen müssen.
An der Stelle Deiner Weide an der Du in Deiner allmorgendlichen Parade Deinen Stuten den Gruß abnahmst, wächst nun eine Lärche. Sie verkörpert Stärke und Kraft – das, was ich mit Dir verbinde. Wir haben sie Dir zum Gedenken gepflanzt.
Dein Halfter, Dein Namensschild und Dein Bild haben einen Ehrenplatz bei uns erhalten und vielleicht wird es Dich freuen zu hören, dass wir Dein Refugium bis heute an keinen Anderen vergeben haben.
Ja, es stimmt zwar, dass ich versuchte, Deine Box, die uns so leer erschien, mit neuem Leben zu füllen, weil es immer wieder neu schmerzte, hineinzuschauen, sodass ich sie zuerst schließen musste, um die Erinnerung an Dich dort hinein zu verbannen und zu verhindern, dass die Wunden, kaum dass sie sich zu schließen begannen, wieder von neuem brannten.
Doch Du weißt es - es stand keinem zu, Deinen Platz einzunehmen ...
Nicht Deinem Sohn Smooth Opperator, der nach kurzem Gastspiel in Deutschland nach Frankreich abberufen wurde.
Nicht Sambuti, der ohne Frage qualitätsvoll und bildschön ist – aber dem Erbe, das er antreten sollte, konnte er nicht gerecht werden, denn zu allgegenwärtig warst Du, ihr Vater und zu schmerzlich der Vergleich mit Dir.
Ich weiß, dass Dich das freut zu hören, dass uns dabei klar geworden ist, dass es nicht möglich war und nie sein wird, Deine Box an einen Deiner Söhne abzugeben und Dich zu ersetzten und vielleicht beruhigt es Dich zu wissen, dass wir es auch nicht mehr wollen, denn ich gebe zu, dass Du der Einzigartige bist und jeder der sich mit Dir vergleichen lassen müsste, kann nur blass aussehen neben Dir – also was soll’s ... Du hast gewonnen und mich überzeugt.
Aber ein wenig schmerzlich ist der Gedanke schon, außer Deinem Kumpel Irco kein buntes Pferd mehr im Stall zu haben, denn mit dem Verkauf Deiner letzten Töchter ist die Ära der Pintozucht bei uns zu Ende gegangen und vielleicht sollte ich Dir dafür Abbitte leisten, dass ich nicht Wort gehalten habe, weil ich Dir eigentlich nach Deinem Tod versprochen hatte, Dein Erbe für immer bei uns zu bewahren und es nun sieben Jahre danach schon breche.
Doch Du bist gegangen und keiner konnte Dir das Wasser reichen und hast Du nicht immer gewollt, dass ich keine anderen Könige neben Dir huldige?
Nun tue ich es, denn an Dich konnte ich glauben und mit Dir an die Geburt stets noch besserer Generationen, doch mit Dir starb mein Glaube an das bunte Pferd und ist es nicht der Tribut, den ich nun an die Liebe zu Dir bezahlen sollte, Dich unvergleichlich zu machen?
Woher sollten wir nun den Mut nehmen, da weiterzumachen, wo Du nicht mehr warst und doch bis heute so allgegenwärtig bist?
Natürlich gab es Menschen – Züchterfreunde, bei denen wir Trost und Hilfe fanden und denen wir dafür dankbar sind, dass sie uns die Kraft gaben, Dein Andenken zu bewahren und lebendig zu halten, da wo Du gewirkt hattest - auf dem Forsthof, aber Du und der Forsthof gehörtet zusammen, wart mehr als ein Jahrzehnt miteinander verbunden wie ein altes Ehepaar und nun sah es so aus, als könnte der eine nicht ohne den anderen existieren.
Vielleicht war es nicht nur die Scheckenära, die mit Deinem Verlust zu Ende ging, sondern auch die Deiner Heimat, die für das Besondere stand, das Du wie kein anderer verkörperte.
Nichts ist mehr wie es war und nie mehr wird es so werden.
Deine Verdienste um die Scheckenzucht wurden vielfach gewürdigt, so ehrte man Dich 1998 anlässlich der Bonte-Paarde-Stichting-Auction in Tolbert/NL in einem bewegenden Schaubild.
Wie immer hast Du uns auch dort gezeigt, dass Du Dich in keine Schublade schieben lässt und Dir auf unsere Ideen, die wir Dir aufzuoktroyieren versuchten, ein Liedchen pfeifst.
Dabei hatte man Dir die Fürstensuite eingerichtet in dem Stall, in dem Du bis zu Deinem Auftritt untergebracht wurdest und eigentlich hättest Du wirklich keinen Grund gehabt, Dich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit mit Deinem Boxennachbarn anzulegen, kaum dass ich mich nach dem Babyöl umgedreht hatte, um Dein nobles Gesicht noch mehr zu betonen und Akzente an Augen und Nüstern zu setzen.
Wie Du es geschafft hattest, die Box zu verlassen, obwohl ich Dich darin angebunden hatte, das wird mir wohl ein ewiges Rätsel bleiben, aber vielleicht war ich auch einfach zu unvorsichtig, obwohl ich wusste, was für ein Entfesselungskünstler Du sein konntest.
Es war mir natürlich sehr peinlich, das wir so nett und gastfreundlich aufgenommen wurden und Du, unser selbsternannter Superstar, als erstes die Fronten mit den Hausherren zu klären versuchtest, anstatt Dich bescheiden, wie ein honetter Gast zu benehmen.
Ich glaube, ich war für den Rest des Tages schon bedient, als ich Dich in die Box zurückbugsiert hatte, denn natürlich sahst Du gar nicht ein, dass diese Fehde nun unentschieden enden sollte, nur weil ich Dich an weiteren Rüpeleien hinderte.
Jedenfalls hattest Du den Kerl neben Dir auf dem Zettel und nachdem Du so richtig in der Laune warst, nun jemanden zu vermöbeln, musste der nächste Hengst eben leiden, der uns auf dem Weg zur großen Schauhalle begegnete.
Zu Deiner Verteidigung sei gesagt, dass es in den Gängen zuging wie auf dem Jahrmarkt und offenbar keiner der Aussteller der anderen Pferde in Sorge zu sein schien, dass zwei sich begegnete Pferdekerle eventuell nicht so grün sein könnten – jedenfalls hielt im Gedränge niemand, also weder Hengsthalter noch Zuschauer und Auktionsbesucher, nur eine Spur von Sicherheitsabstand, was der Vorführer Deines erklärten Opfers kurze Zeit später bereute, denn lange gefackelt hast Du noch nie, wenn es darum ging, die Straßenverkehrsordnung und im speziellen die Definition des Vorfahrtsrechtes zu Deinen Gunsten zu interpretieren und das auch durchzusetzen.
Mag erschwerend hinzukommen, dass ich kein Wort holländisch sprach und die Niederländer, die dort deutlich in der Überzahl waren, kein Wort von dem deutschen Warnhinweis verstanden, den ich in die Runde schickte, als Micha Dich Richtung Halle führte.
Wobei es vielleicht auch kein Deutscher begriffen hätte, warum ich: „Vorsicht heiß und fettig“, rief, aber auf: „Achtung! Mal weg da, der versteht keinen Spaß und haut“, reagierte ja auch keiner entsprechend vorsichtig und so hoffte ich, dass im Ursprungsland der Pommes Frites die Begriffe „heiß“ und „fettig“ auch Assoziationen zur Gefahr weckten und die entsprechende Reaktion des Zurücktretens hervorzurufen imstande waren.
Um es kurz zu machen: Es ging schief, denn keiner ging zur Seite und keiner verstand Deine warnend angelegten Ohren und die zornig hochgezogenen Nüstern – auch der Kumpel nicht und sein Besitzer, die versuchten, sich an Dir vorbeizudrängeln und weil Du keine halben Sachen machtest, zieltest Du perfekt und tratst dem dicken Oranje-Pferdchen solide Deine zum Glück unbeschlagenen Hinterhufe in die Rippen und das legte sich prompt platt auf die Seite.
Nicht dass Du Dich darum kümmern wolltest, dass es den Hengst von den Füßen geholt hatte, als Du trafst, aber zumindest Deinen „Monarchenblick“ musstest Du ihm noch enden, nachdem Du ihn flach auf die Bretter geschickt hattest und Du damit einen Sieg durch K.O. in der ersten Runde errangst, denn wer dem König den Weg versperrt, der ist ein Frevler und musste selbstverständlich auf der Stelle abgemahnt werden.
Vielleicht hätte ich mir auch die wortreichen Entschuldigungen sparen können, weil mich sowieso keiner verstand, aber nachdem Dein Opfer wohlbehalten wieder auf allen vier Hufen stand und offensichtlich keinen Schaden davongetragen hatte, zog ich es auch vor, mich erst mal unsichtbar zu machen und nicht unbedingt mit Dir in Verbindung gebracht zu werden.
Im Schauring hast Du dann natürlich brilliert, denn so ein mal eben gewonnener Boxkampf auf der Stallgasse, poliert das eigene Selbstbewusstsein ja ungemein, besonders Deins wuchs gewaltig und die schmächtigen Vorführer, welche Dich versuchten daran zu hindern, mal richtig Gas zu geben, die hast Du einfach ignoriert und sie, als es passte, an der Bande abgestreift, um dann noch mal so richtig loszulegen und dem Publikum zu zeigen, wie viel Musik da noch in den Tanzbeinen steckt.
Du hattest die Lacher auf Deiner Seite und für Deine Show erntetest Du auch noch stehende Ovationen und frenetischen Beifall.
An der Hand Deines geliebten Herrn hingegen warst Du stets ein sehr wohlerzogener Junge und so wurde Dir im Jahr 2000 nicht nur als erste Schecke den Elitetitel anlässlich einer Schau verliehen, sondern Dein stolzer Vorführer Micha bekam auch noch die Auszeichnung als bester Vorführer, wobei er selbst wohl am wenigsten nachvollziehen konnte, wie er denn zu der Ehre kam, denn eigentlich hatte er ja nur versucht, mit Dir Schritt zu halten und Du warst so gnädig und hast es ihm nicht allzu schwer gemacht.
Es war etwas Magisches zwischen Euch, ein Zauber, der jedem auffiel, der Euch zusammen sah und vielleicht war ich manchmal ein wenig eifersüchtig, weil Du bei mir jede Möglichkeit auskostetest, mir zu zeigen, dass Du keinesfalls bereit gewesen wärest, kadavergehorsam wie Irco meine Wünsche zu erfüllen oder Deine Kooperationsbereitschaft wie die von Donni mit Leckereien käuflich gewesen wäre.
Du stelltest mich auf die Probe, führtest mich vor und – ganz ehrlich, Du hast es mir manchmal schon schwer gemacht, Dir Deine Überheblichkeit nicht übel zu nehmen, mit der Du prinzipiell nicht das bereit warst zu tun, was ich gerade von Dir verlangte.
Dabei waren meine Erwartungen ja auch nicht eben übermäßig hoch, denn dass Dir das Mützchen danach geständen hätte, Dich zu meinem Knecht zu machen, war absolut fern jeder meiner Hoffnungen, aber die Illusion, dass Du es wenigstens in Erwägung ziehst, darüber nachzudenken, dass Du mir zumindest den einen oder anderen Gefallen tust, weil ich Dir dafür Dein Dolce Vita sicherte, hättest Du mir nicht auch noch permanent rauben müssen, oder?
Sicher, Du machtest Deinen Job auf dem Phantom ... wenn eine passende Braut als Animiermädchen Dich zu stimulieren vermochte, doch auch da hattest Du Vorlieben und Abneigungen, denn wie fast alle Jungs mochtest Du die Damen mit den blonden Mähnen und den dicken Hintern und Micha hätte Dir vermutlich den Wunsch nach einer eigenen Haflingerin auch noch erfüllt, wenn ich nicht dagegen interveniert hätte.
Aber in Ermangelung der Wunschkandidatin durfte es durchaus auch mal eine jungfräulich weiße Schimmeline sein oder ein kesses Scheckenmädchen, wobei auch hier die Weißmähnen, die Blondinen der Pferdewelt, von Dir bevorzugt wurden.
Irgendwie haben wir uns dann auch mit den Jahren arrangiert und erledigten unsere Arbeit mit professioneller Routine – Du den Deinen und ich den meinen – und solange ich nicht auf die Idee kam, Dir darüber hinausgehende Aktivitäten aufzubürden, waren wir gar kein schlechtes Team.
Vielleicht musste man auch wissen, dass Du durchaus in der Lage warst zu zählen, was bedeutete, dass dadurch Deine ökonomische Einstellung zur Arbeit hilfreiche Unterstützung darin fand, dass bei sonntäglichen Hausbesuchen von Deckinteressenten und Stutenbesitzern Du immer erst mit einem fachmännisch abschätzenden Blick Richtung Zuschauer prüftest, wie viel Aufwand sich überhaupt lohnt. Standen da etwa höchstens zwei oder drei zukünftige Kunden, botst Du maximal das abgespeckte Programm, was im besten Fall hieß, dass Du die Hindernisreihe zweimal übersprangst und spätestens beim dritten Erhöhen der Stangen die Beine derart baumeln ließest, dass nun die bunten Hindernisse zu Boden fielen.
Jedem anderen hätte man eine Lektion in Sachen „nun pass doch aber mal auf!“ erteilt, aber nicht Dir, denn mit Dir zu streiten oder gar Grundsatzdiskussionen auszufechten endete immer darin, dass man zähneknirschend den kürzeren zog, denn schließlich wollte man ja vor den Besuchern noch den Hauch eines einigermaßen guten Eindrucks hinterlassen und wenn Du erst mal so richtig in Fahrt warst und ich auch ... na ja wir waren halt beide echte Sturköpfe, schließlich teilten wir uns ja auch das Sternzeichen des Zwillings.
So minimalistisch Du sein konntest, wenn das Publikum Dir nicht für das komplette Showprogramm reichte, so beeindruckend war Deine Präsentation, wenn Du genügend Zuschauer dafür fandest.
Dann spieltest Du mit den Höhen der Oxer und Steilsprünge und schwebtest mit bodenverachtenden Tritten durch die Diagonale, dass die Leute aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen. Allerdings wolltest Du auch dann Dein Programm vorführen und nicht etwa den Eindruck entstehen lassen, dass Du es nötig hast zu tun, was ich Dir sage.
Ich glaube Deinen größten inneren Reichsparteitag feiertest Du, als wir mit Dir eine Kür am langen Zügel einstudiert hatten, der an unserer Weihnachtfeier, die gleichzeitig auch Hengstschau des Forthofs war, gezeigt werden sollte.
Selbstverständlich sollte die Choreographie entsprechend Deinem hohen Ausbildungsgrad auch anspruchsvoll sein und so baute ich Piaffen, Passagen, Traversalen und fliegende Galoppwechsel ein und Du warst auch während aller Proben ungewöhnlich kooperativ, so dass ich schon ahnte, dass Du etwas im Schilde führst.
Selbstverständlich war mir auch gleichzeitig klar, dass Du die Überraschungsbombe auch erst dann platzen lässt, wenn genügend öffentliches Interesse an Deinem spektakulären Auftritt gesichert sein würde und so blieb ich misstrauisch, was die zuversichtlichen Prognosen derer anbetraf, die den Proben beigewohnt hatten und überzeugt waren, dass wir das absolute Highlight der Veranstaltung bilden würden.
Ganz unrecht hatten sie ja nicht, denn wir erhielten wirklich mit Abstand den meisten Applaus, wobei er nur Dir zustand, denn Du ignoriertest mich komplett und warfst damit meine gesamte Kür über den Haufen.
Beim Eintritt in die festlich geschmückte Halle strahlte ich noch vor Stolz und während Beethovens Sinfonien – nichts anderes hätte Deine Herrlichkeit so passend unterstrichen – uns begleiteten und wir auf dem Mittelpunkt der Bahn Aufstellung zum Gruß nahmen, drehtest Du Dich zu mir um und Dein Blick sagte: „So, jetzt bist Du fällig!“.
Können Pferde hämisch grinsen? Oh ja, Du konntest es!
Dass Du das Kommando von da an übernahmst fiel vermutlich keinem wirklich auf, höchstens denen, die das Programm kannten und merkten, dass Du mich wie einen recht netten, aber nur der Dekoration dienenden Statisten durch die Lohe scheuchtest, wobei ich versuchte, mit Dir Schritt zu halten und nicht hinter Dir herzustolpern, was ziemlich schwierig war, weil Du erstens ziemlich flott unterwegs warst und zweitens ich nie wusste, in welche Richtung Du als nächstes abzubiegen vorhattest und mich entsprechend auch auf keine einstellen konnte.
Kann man lächeln und gleichzeitig fluchen? Ja man kann! Allerdings war meins eher ein eingefrorenes, grenzdebiles Zähneblecken, weil ich zwischen meinen Beißerchen hindurch diverse Verwünschungen in Deine Richtung schickte, während Du die perfekte Aufführung abspultest mit allen Lektionen, aber eben in einer Reihenfolge, die Du bestimmtest und die weit, weit von meiner Version entfernt war.
Man kann sich ungefähr also vorstellen, dass es ein wenig was von Slapstickkomik hatte, dass Du zum Beispiel aus dem Galopp plötzlich zum Halt bremstest und ich mir fast den Unterkiefer an Deiner Schweifrübe ausrenkte, auf die ich aufprallte, weil ich den Schwung nicht so schnell aus meinen Beinen nehmen konnte wie Du – Kunststück! Du warst ja auch vorbereitet und ich nicht!
Ich glaube, ich habe Dir beim Austritt aus der Halle, noch vom tosenden Beifall verfolgt angedroht, dass wenn Dich nicht sofort einer aus meinen Fängen rettet, ich Dich zu Gulasch verarbeitet, in Dosen verpackt und auf Palette geschichtet mit dem Gabelstapler in die Box schiebe.
Wie immer hattest Du aber Deinen Herrn auf Deiner Seite, der sich ausschütten wollte vor Lachen über Dein Husarenstückchen und mich versuchte zu trösten indem er meinte: „Ist doch egal, ob es Deine Kür war oder ob er seinen Weg langmarschierte – die Leute waren jedenfalls begeistert“.
„Pah“, konnte ich dem in dem Moment gar nicht mehr unbedingt besten Ehemann von allen entgegenschleudern, „Dass Du ihn wieder in Schutz nimmst, das war ja klar und darum ist der ja auch so kotzarrogant und frech, weil er weiß, dass er in Dir immer einen findet, der ihm Rückendeckung gibt, wenn’s brenzlig für ihn wird!“.
„Ach mein Butterkekschen“ – ich hasse es wenn er mich so nennt – „Du magst doch selbstbewusste Pferde und diejenigen, die immer für eine Überraschung gut sind, die ziehst Du doch den langweiligen Reitmulis vor. Was also stört Dich nun daran, dass Sambuco den Auftritt mit seiner eigenen Kreativität gewürzt hat? Den Leuten hat es doch gefallen und Du hast gar nicht mal soooo schlecht dabei ausgesehen.“
Ich glaube, ich überlegte mir in dem Moment, ob ich nicht den Herrn und sein stures Ross zusammen eindosen sollte ... mir so was von in den Rücken zu fallen!
„Ich mag Kreativität, wenn sie auf Leinwand gepinselt wird oder zwischen zwei Buchdeckeln in Form von vielen spannengeschriebenen Seiten gebunden ist, aber von meinen Pferden erwarte ich in erster Linie Gehorsam und keine konspirativen eigenen Ideen, mit denen sie meine wochenlang in mühsamer Arbeit geplante Kür platzen lassen und ich mag selbstbewusste Pferde, solange sie nicht selbstbewusster sind als ich!“
Darauf sollte er erst mal eine Antwort finden.
„Von Halla spricht eine ganze Nation noch heute als Wunderstute, weil sie ihren verletzten Reiter auch ohne dass er sie mit seinen Hilfen führen konnte über den Olympiaparcours trug und sich den richtigen Weg selbst suchte und Sambuco wirfst Du vor, dass er das gleiche tat...“
„War ich verletzt?! Oder habe ich ihn um seine Eigenmächtigkeiten gebeten?!“
Doch Dein Herr hielt zu Dir und führte Dich stolz grinsend in Deine Box, wo er Dir zur „Feier des Tages und weil Du Deine Sache so gut gemacht hattest“ auch gleich den Trog mit Möhren füllte ... von mir hättest Du nicht eine bekommen!
Ach Sambuco, nun bin ich ja schon wieder mit Dir gram, dabei hatte ich Dich eben noch um Verzeihung gebeten, weil ich oft Dinge zu Dir sagte, die mir heute so leid tun.
Wie kann ich Dir im nachhinein noch Deine geliebten Möhren missgönnen, wo ich doch froh wäre, wenn ich sie Dir heute noch einmal servieren dürfte und noch einmal sehen könnte, wie Du schmaust und Dich freust, weil Du ja zählen kannst und ganz genau weißt, dass Micha, Dein Fürsprecher und Lieblingszweibeiner Dir eine mehr zugesteckt hat, als all den anderen.
Ich kann es nicht ungeschehen machen – nicht dass ich nicht immer nett war zu Dir und auch nicht, dass Du uns für immer verlassen hast, aber als der Tierarzt anrief und die schwerste Entscheidung von uns verlangte, nein erwartete, weil es keine Rettung mehr gab, nur noch die Erlösung, wurde mir erst bewusst, dass ich Dich nicht weniger liebte, als Micha es je tat, nur dass ich es Dir nie zeigen konnte, solange Du lebtest, denn als der letzte Hauch des Atems Dich verließ, kam er zu mir und weckte all meine verborgenen Gefühle, die Dir zu schenken es doch zu spät war.
Ich weiß, dass es gut war, Dich gehen zu lassen, schenkte Dir der Tod doch das Ende von Qual und vom Leid, doch Du fehlst uns noch immer so sehr ...

In Memoriam Sambuco B 08. Juni 1987 – 04. Juli 2001

An einen einzigartigen Freund

Wie still es scheint-
Jetzt da niemals mehr dein Wiehern Fanfaren gleich
laut und fordernd wird erklingen
und niemals mehr
deine Hufe Trommelwirbel auf die staubige Erde schlagen

Wie leer es scheint –
Jetzt da niemals mehr dein Blick dem meinen wird begegnen
aus deinem dunklen großen Auge
und niemals mehr deine Lippen zart meine Hand erforschen
wohl wissend: es wartet ein Geschenk an dich darin

Wie sinnlos es scheint-
Jetzt da du
der sieggewohnte Kämpfer verloren hast
und dich der Macht des Todes beugen musstest
der dir Erlösung schenkte von Qual und Schmerz

Wie dunkel es scheint-
Jetzt da dein Lebenslicht erloschen ist

Für einen kleinen Augenblick fühle ich mich nach meinem stummen Monolog, den ich mit Sambuco führte leer und einsam und ich muss den Kloß, der da in meiner Kehle sitzt tapfer hinunterschlucken, dass nicht die Traurigkeit mich übermannt, doch dann schaue ich in die Unendlichkeit des Firmaments über mir, dorthin richte ich meinen Blick, wo ich ihn und all die anderen vermute und hinter den Wolken, ganz weit weg, wo ich keinen Horizont mehr erkennen kann, weil alles im Meer des Nachthimmels verschwimmt, da kann ich sie sehen.
Ich kann sie spüren.
Noch sind sie in der Ferne – kaum erkennbar mit bloßem Auge, doch sie kommen näher und näher.
Jetzt sind sie bei mir.
Sambuco, Herba, Anuschka, Burgfee, Zauberlehrling und Nachtwind
Sie ziehen mit wehenden Mähnen und Schweifen vor meinem geistigen Auge vorbei.
Halten inne, blicken mich an. Nah sind sie jetzt, ganz nah. Ich möchte ihre seidig schimmernden Hälse berühren, meine Hände auf die geblähten Nüstern legen, ihren Atem spüren, mich in ihren dunkel glänzenden Augen spiegeln.
Ich flüstere ihre Namen, aber sie hören mich nicht mehr.
Sie sind zurückgaloppiert, dahin, wo es keine Weidezäune gibt und keine Boxentüren. Keinen Sporen der sie dahin treibt, wo sie nicht hin wollten, keinen Zügel, der ihren Lauf bremst. Dafür immergrünes Gras.
Es nützt nichts, dass ich mir so fest vornahm, im neuen Jahr nicht wieder die Toten zu beweinen, denn ich weiß doch, dass ich ihnen damit die Federn nicht gebe, die ihre Flügel kräftig machen und sie in den Himmel fliegen lassen und ich wollte doch stark sein und ihnen gute Gedanken schicken, damit sie sich jeder von ihnen in eine Feder verwandelt und sie mit ihnen wie Pegasus sich frei von jeder Erdenschwere in die Lüfte aufschwingen; vom Wind emporgehoben und getragen Gott erreichen, damit sie sich dort ausruhen und ein neues Kleid anziehen können, um dann zu uns zurückzukehren.
Statt dessen kullern mir nun doch die Tränen über die Wangen, weil es mit Herba, Anuschka, Nachtwind, Zauberlehrling, Burgfee, Zaubernacht, Sambuco und Glückis Fohlen, das nicht hat die Süße des Lebens schmecken durfte, nie mehr ein neues Jahr und auch keine Zukunft mehr geben kann.
Doch vielleicht sind sie ja zurückgekehrt ...
Vielleicht tragen sie nur ein anderes Gewand ...
Vielleicht habe ich sie aber auch nicht erkannt, als sie zurückkehrten und sie fortgeschickt ...


Amarulas Kampf

Die Angst legt sich wie Ketten um meine Brust und ich spüre wie die eiskalte Hand der Verzweiflung mein Herz umfasst und es zu zerspringen droht bei dem Gedanken, dass ich sie vielleicht nie, nie wiedersehe.
War es ein Zeichen, dass sich mein wunderbarer, rabenflügelschwarzer Pferdesohn Amarula so verzweifelt wehrte, als er uns verlassen sollte?
Vor meinem geistigen Auge wiederholt sich die Szene, die sich mir in meine Gedanken brannte, weil ich spürte, dass sich das was ich damals tat, falsch anfühlte und trotzdem schien es der einzige richtige, der einzig vernünftige Weg zu sein, den es gab ... doch ist die Vernunft immer ein guter Ratgeber? Sagt nicht der kleine Prinz, dass man nur mit dem Herzen gut sieht? Warum hörte ich dann auf meinen Kopf?
Ich kann nicht mehr vergessen, wie er mich anschaute ... damals, beim Abschied. Sein Blick ruhte auf mir und aus ihm war die Verzweiflung gewichen, mit der er sich wehrte, bis sein Widerstand dann doch erlosch und er aufgab, sich in sein Schicksal fügte, als er begriff, dass ich ihn verraten und verkauft hatte und wie Blutgeld schien mir in diesem Moment der Lohn, der mich zum Judas machte ... ein Opfer war er, das ich dem Gott Mammon damit brachte, dass ich des Vertrauens meines Pferdes als nicht würdig erwies und es missbrauchte und ihm den Glauben nahm ... und ich sah tief in seine Seele in diesem Augenblick und wusste, dass ich ihm sein großes, mutiges Herz gebrochen hatte, das er mir am ersten Tag seines Lebens schenkte, als Wertvollstes was er zu geben vermochte.
Er hatte gekämpft, weil er sicher war, dass ich an seiner Seite als treue, wahre Freundin nicht zulassen werde, dass man ihn fortholt. Zornig hatte er sich auf die Hinterhand erhoben, um die Widersacher, die ihn über die Rampe zwingen wollten zu besiegen, indem er mit seinen Vorderhufen nach ihnen schlug. Den brennenden Schmerz des Gertenschlages, der ihm ins glänzende schweißbedeckte Fell schnitt, schien er nicht zu fühlen und auch die Kette, die über den Nüstern ihm die Luft zum Atmen nahm, ignorierte er in seiner Wut, die ihn zu berauschen schien und alle Vorsicht und Regeln vergessen ließ.
Nie war er bislang zögerlich gewesen, wenn man ihn auf den Transporter führte. Nie hatte er den Wunsch der Menschen in Frage gestellt, die gut zu ihm waren und die er liebte, und immer war er bemüht, uns zu gefallen und gelobt zu werden, aber an diesem Tag schien er zu wissen, dass wenn er einsteigen würde, es ein Abschied für immer wäre und so hatte er sich entschieden, das erste Mal in seinem Leben nicht zu tun, was man von ihm verlangte.
Vielleicht ließ ihn der Mut der Verzweiflung sich aufbäumen, vielleicht auch die Hoffnung, dass ich es nicht zulassen werde dass man ihn von uns reißt, aber ich war zu schwach, ihm zu helfen, wie er es erwartet hatte.
Natürlich rief es in jeder Faser meines Seins, es nicht zuzulassen, dass sie ihn mitnehmen, aber als ich anbot, zur Bank zu fahren, um ihnen den Kaufpreis zurückzugeben und unseren schwarzen Freund zu behalten, da haben mich ihre Argumente viel zu schnell überzeugt.
Nein Amarula, ich hatte nicht das Rückgrad wie Du, der lieber dem Tod ins Auge blicken wollte, als dem endgültigen Abschied auf diesem Weg und obwohl ich wusste, dass Du kein Risiko mehr scheutest und bereit gewesen wärest, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen, habe ich Deinen flehentlichen Blick, Deinen Hilferuf und Deinen Appell an unsere Freundschaft ignoriert und mich abgewandt, um Dir nicht ins Auge schauen zu müssen, denn ich habe mich geschämt.
Du wusstest, das es vorbei ist und dass es nicht mehr lohnt sich aufzulehnen und Du bist nicht über die Rampe geschritten, wie sonst, sondern jeder Huf, den Du vor den anderen setztest und der Dich weiter weg von Deinem Zuhause führte, schien so schwer wie Blei zu wiegen. Du hattest verloren und gabst Dich geschlagen und in Dir war das Feuer der Leidenschaft erloschen
Als ich den Strick zu einem Knoten band, ahntest Du, dass ich es war, die Dich verriet, aber nicht Vorwurf war es, sondern Resignation, die sich mir offenbarte, als Du mich ein letztes Mal anschautest mit Deinen dunklen Augen, in denen ich mich selbst sah und es war, als hieltest Du mir einen Spiegel vor, in dem ich Deine Traurigkeit und Enttäuschung fand, aber auch mich, die falsche Freundin.
Ich kann nicht vergessen, was mir Dein letzter Blick zu sagen schien und auch wenn ich mit Briefen und Fotos dokumentiert an Deinem Leben weiterhin teilhaben darf und weiß, dass da wo Du nun Dein neues Zuhause gefunden hast, von Deinen Menschen geliebt wirst und es Dir an nichts fehlt, so quält mich doch die Gewissheit, dass ich Dich nicht hätte fortschicken dürfen.
Vielleicht bist Du eine Seele, die zurückkehrte zu mir, weil ich Dich so oft gerufen hatte in meinen Gedanken und vielleicht hätte ich Dich kennen müssen und wissen, dass es meine Liebe war, die Dich zu mir führte ... wenn es so ist, dann bete ich, dass der Herr uns eine zweite Chance geben möge ... und dass Du mir verzeihen kannst.
Vielleicht tun sie gut daran, diejenigen, die uns vorausgegangen sind, wenn sie dort bleiben auf den ewigen Weiden, auf denen sie ohne Zäune, die ihren Lauf bremsen, das immer grüne Gras unter den Hufen fühlen, damit sie nicht verloren gehen, wenn sie zurückkehren und ich sie wie einen Fremden behandle, weil ich das Wahre in meinem Kopf anstatt in meinem Herzen suche.
Dabei hast Du mir Deins geschenkt, das ich brach und es wegwarf, anstatt es zu hüten als den kostbarsten Schatz, den Du mir überreichtest, als ich Dich das erste Mal sah.
Natürlich hatte ich Deine Ankunft prompt verpasst, obwohl ich in der ersten Stunde des neu anbrechenden Tages noch einmal nach Deiner Mutter geschaut hatte und als sie zufrieden ihr Heu kaute und vollkommen entspannt wirkte, nahm ich an, dass ich mir diese Nacht wieder einmal umsonst um die Ohren schlagen würde, nachdem Zauberglück uns bislang mächtig auf Trab gehalten hatte und ich in den vergangenen Tagen mehr als einmal vor der Box ausharrte, weil sie sich auffällig benahm, nur um dann beim Frühstück festzustellen, dass sie die Geburt doch lieber noch einmal vertagt hatte.
Als ich schon fast resigniert ins Haus zurückkam, war Micha noch wach und bot mir an, dass er die Fohlenwache bis vier Uhr morgens zu übernehmen bereit wäre, weil ich schon fast schon im Stehen einschlief und wir am frühen Morgen um acht Uhr einen Termin in Osnabrück wahrnehmen mussten, bei dem er befürchtete, dass ich ihn nur in einem Delirium zwischen wach und Traum mitbekommen könnte und im schlimmsten Fall auch noch zu schnarchen begänne – das tue ich aber nur wenn ich wirklich sehr, sehr übermüdet bin.
Darum war ich wirklich ausgesprochen dankbar und die Aussicht auf fast drei Stunden Schlaf ließ mich heiter beschwingt in mein Bett krabbeln, wo ich mich sofort in die Kissen kuschelte und einschlief, schließlich war ich sicher, dass es kein Grund geben würde, dass Micha mich vorzeitig weckt.
Aber wie immer wenn man glaubt, dass etwas nach Plan A verläuft, sollte man Plan B besser nicht gleich entsorgen, weil man ihn dann doch meistens braucht.
Ich jedenfalls war gerade ganz tief in wunderbare Träume versunken, als Micha mich auch schon wieder aus ihnen herausriss, um mir mitzuteilen, dass Du angekommen bist.
Ich schwöre Dir, ich habe mich über Deine Ankunft sehr gefreut, aber Du magst es mir vielleicht nachsehen, dass ich mich in genau diesem Augenblick vermutlich genauso sehr gefreut hätte, wenn Deine Mutter die Geburt wenigstens noch eine Stunde verschoben hätte, denn es war noch nicht mal ganz mal viertel vor drei Uhr in der Früh und mein Mützchen Schlaf war längst noch nicht wohlgefüllt, um bereits wieder putzmunter zu sein.
Auf dem Weg in den Stall erzählte mir Micha, dass er kurz nach halb Zwei auch annahm, dass in der nächsten Stunde sicher nichts Spannendes in Zauberglücks Box passiert, weshalb er auch auf den sonst üblichen halbstündigen Rhythmus verzichtete, in dem wir in der Regel während der Zeit, in denen wir die Fohlen erwarten, Richtung Stutenstall marschieren, um über die jeweilige Boxentür zu spinzeln, ob unsere Hilfe nötig ist oder nicht – wobei wir dabei meistens nur einen ungnädigen Blick von der werdenden Mama ernten, weil die sich durch unser Taschenlampengefunzel in der Nachtruhe gestört fühlt.
Interessanterweise finden hingegen die Kolleginnen, die noch nicht oder überhaupt nicht dran sind, es immer wieder ausgesprochen unterhaltsam, wenn wir Zweibeiner, in der Bemühung, möglichst wenig Lärm zu machen und unter Ausnutzung einer einzigen batterieschwachen und dementsprechend schwächelnden Lichtquelle, die uns durch das unwegsame Geläuf bis zu den Ställen führt, an den Boxen vorbeischleichen – zumindest fühlen wir uns stets freudvoll erwartet, wenn uns der vielstimmige Stutenchor empfängt.
Natürlich brennt ein Notlicht, aber wie es sein Name schon andeutet, reicht sein nur mäßig effektives Leuchten gerade mal dafür, dass man sich die Knie nicht unbedingt blau haut, beziehungsweise dass man die Hindernisse rechtzeitig erkennt, die wie ein Geschicklichkeitsparcours in der Stallgasse für schmerzliche Überraschungen sorgen können, wenn man sie nicht vorher erahnt oder ertastet.
In den Boxen ist der Faktor der Helligkeit aber trotzdem variierend zwischen zappenduster und so schummerig-dämmerig, dass man die Pferde nur als Schemen darin erkennen kann.
Ein klitzekleines bisschen heller ist es in den Abfohlboxen, die direkt neben dem „Notlicht“ liegen, aber wenn man wirklich sicher gehen will, dass man nichts übersieht, dann braucht man eben schon eine zusätzliche Möglichkeit, die einem hilft, die gesamte Box auszuleuchten und da jeder, der schon einmal einen Krimi sah, weiß, dass der Kommissar das Geständnis mit Vorliebe aus dem Verdächtigen kitzelt, indem er die Schreibtischlampe auf dessen Gesicht richtet und ihn so blendet, durchaus Verständnis dafür hat, dass es ziemlich unangenehm ist, wenn ein Lichtstahl auf einen zielt, versuche ich ja schon, möglichtst das Pferd nur indirekt zu „erleuchten“, aber weil Pferde eben sehr schreckhafte Tiere sind, halten sie den durch die Einstreu tanzenden Lichtkegel für eine ziemlich gefährliche Sache und reagieren darauf dann auch entsprechend mit einer von viel Gepruste begleiteter Hals über Kopf-Flucht auf das Gespenst.
Gut – weit kommen sie meistens dabei nicht, denn spätestens vor einer der vier Wände ist es ratsam die Bremse zu ziehen, wobei es leider auch solche gibt, die überzeugt sind, dass eine solide gemauerte Boxenwand mit genügend Schwung kein wirkliches Hindernis darstellt und dann beginnt für mich das Schmieren und Salben, um die Blessuren und Schwellungen wieder wegzuzaubern.
Ich bin also nicht nur schon mehrfach geläutert, sondern auch entsprechend vorsichtig im Umgang mit der Taschenlampe.
Jetzt aber, wo wir den Stall erreicht haben, in dem das Wunder der Geburt schon geschah, ist der Zeitpunkt gekommen, die Festbeleuchtung zu entzünden, denn schließlich gibt es dann was zu feiern.
Wann genau Du so klammheimlich auf die Welt gerutscht warst, wussten wir nun leider nicht, aber nachdem Micha kurz nach halb zwei noch einmal geschaut hatte und nichts darauf hindeutete, dass Du es sehr eilig hättest, geboren zu werden und er Dich beim Kontrollgang um halb drei schon pitschnass im Stroh fand, konntest Du noch nicht allzu lange da gelegen haben, zumal in dem Moment, als ich nun gespannt und voller Neugier über die Boxentür schaute, gerade die Nachgeburt aus Deiner Mama flutschte.
So komplikationslos wie Deine Geburt, bei der Du Deine Mutter nicht mal ins Schwitzen brachtest, sollten auch Deine ersten Lebensmonate verlaufen, aber das wussten wir natürlich noch nicht, als wir nun erst mal in stummes Staunen versunken vor Dir standen.
Es mögen mehr als 50 Fohlen gewesen sein, bei deren Geburt wir zugegen waren und ein paar wenige, bei denen wir zu spät kamen oder gar schon das staubtrockene und fröhlich an der Milchbar schmatzende Pferdekind neben der Stute stehend fanden, aber trotzdem ist es immer wieder ein ganz besonderer Moment, wenn so ein feuchtes Bündel Leben sich anschickt, die viel zu langen Beine zu sortieren und sein erstes Wiehern die frohe Kunde auch zu den „Tanten“ trägt, die ja schon genau wissen, dass der liebe Gott gerade eben wieder ein kleines Wunder vollbracht hat.
Rührung, Glück und die bange Frage, ob das Pferdekind auch gesund ist, es das Euter der Mutter rechtzeitig finden wird, um genügend von der so wertvollen ersten gelb rahmigen Kolostralmilch zu trinken, mit der es die Schluckimpfung erhält, die sein Immunsystem stärkt, ergeben ein Wechselbad der Gefühle und dass dabei eigentlich immer noch ein paar Freudentränchen kullern, sei mir verziehen – ich bin eben ein sehr emotionaler Mensch und trage mein Innerstes auch viel zu oft ungeschminkt nach draußen.
Der erste Moment gehört natürlich Mutter und Kind, denn es ist der immer wieder von einem Zauber der mütterlichen Zärtlichkeit begleitete Augenblick, wenn sie das Fohlen blubbernd ruft, es liebevoll beleckt und sich so seinen Geruch einprägt, an dem sie es unter Tausenden wiedererkennen würde.
Innigste Mutterliebe fließt zu dem noch filigranen Pferdekind und wer würde sich nicht herzlich willkommen geheißen fühlen, wenn er so freudvoll begrüßt wird?
Wenn das Band zwischen Stute und Fohlen fest geknüpft ist, kann ich endlich hinein zu ihnen, um meine Neugier zu befriedigen, ob es ein Hengstchen ist oder ein Stutchen, das uns soeben geschenkt wurde.
Eigentlich hätte ich mir die Frage bei Dir, Amarula, gar nicht stellen müssen, denn auch wenn Dein Fohlenstimmchen noch zart anfragend, wie ein Glöckchen klingelte, als Du es voller Faszination über das vielstimmige Echo, das es hervorrief, immer wieder ausprobiertest, war schon eine Koloratur des Fordernden darin, das kein bisschen mädchenhaft schüchtern wirkte, sondern bereits die Klangfarbe des zukünftigen Hengstes erahnen ließ, wenn er die Stuten ruft.
Übtest Du schon, weil Du bereits ahntest, dass Du in diesem Jahr der Hahn im Korb bleiben würdest?
Doch was für Dich ein Segen war, brachte mir schlaflose Nächte, denn eigentlich wollte ich Dich, als Du das erste Mal auf Deinen vier wunderbar korrekten Beinen standest und mir Deine ganze Schönheit offenbartest, auf jeden Fall behalten – doch dazu hätte uns der liebe Gott noch ein Hengstfohlen bewilligen müssen, was er aber nicht tat, denn er schickte Dir zuerst einen Harem von drei gleichaltrigen Mädchen und dann musste ich den schweren Entscheid treffen, Dich zu verkaufen.
Solch schwermütige Gedanken waren aber ganz weit weg von uns, als Du neugierig uns, die Zweibeiner mustertest und vorsichtig gegen meine Hände stupstest, um dann über den eigenen Mut zu erschrecken, der Dir den Schneid abkaufte und Dich entsetzt zurückweichen ließest, sodass Du gleich die Füße verlorst und von vorne beginnen musstest, die endlos langen Stelzen zu sortieren, die Dir noch nicht so recht gehorchen wollten.
Aber als Du es geschafft hattest, wieder sicher zu stehen, da warst Du sichtlich stolz über Deinen Erfolg und marschiertest wie ein Zinnsoldat mit steifen Holzpferdchenbeinen wacker über die Berge von Stroh und Heu, die Dir kleinem Zwerg eigentlich unüberwindbar hoch erschienen sein müssen, doch nachdem Du tapfer die ersten Hürden des Lebens meistern konntest, hattest Du diesen Planeten endgültig zu Deinem erklärt und so fiel es Dir auch nicht mehr schwer, ganz zielsicher die Quelle des mütterlichen Labsals anzusteuern.
Ob Du der Meinung warst, dass Du nun ausreichend genug der Herausforderungen gemeistert hattest oder ob Dir der Spaß nun langsam zu verleiden begann, nachdem Du mit Deinen zarten Fohlennnüstern mehrfach die Orientierung verloren hattest, weiß ich nicht, aber als Du ganz kurz davor warst zu resignieren, eilte ich Dir zur Hilfe, denn soviel ist sicher: die meisten der kleinen Paschas der Pferdewelt erwarten stets, dass die köstlich süße Milch ihnen ohne große Anstrengung ins Mäulchen fließt und wenn das nicht gleich klappt, dann reagieren sie auch wie ein Kerl, der nicht sofort bekommt, was ihm zusteht und geben auf. Die Stütchen hingegen haben da schon deutlich mehr Energie und sie sind es auch meist, die viel schneller zum Ziel kommen als die teilweise etwas phlegmatischen Jungs.
Du, Amarula, machtest da leider auch keine Ausnahme, obwohl ich ungern an Deiner ansonsten so makellosen Erscheinung kratzen möchte, denn ein wenig Überzeugungskraft meinerseits war schon notwendig, damit Du ein Einsehen hattest, dass sich der Lebenswille und der Kampf ums Euter durchaus lohnen kann und Du einen zweiten Versuch wagtest.
Nachdem Du aber an der richtigen Stelle angedockt hattest, fand man Dich quasi nur noch unter der Mutter stehend und trinkend. Dabei lief Dir der Überfluss oft über die Nase, aber während die Stütchen dann meistens empört niesen, weil sie sich ja ungern schmutzig machen wollen, störte es Dich nie, wenn Dein Ziegenbärten am Kinn komplett verklebt war.
Von Anfang an fielst Du nach einer Mahlzeit nicht einfach satt ins Stroh oder ins weiche Gras, um Dich erst einmal auszuruhen, sondern musstest erst noch ein paar flotte Runden um deine Mutter drehen, bis Dir die Milch wie der Schaum auf dem Cappuccino vor den Lippen stand ... wer Sahne will, muss eben nicht Kühe, sondern Fohlen schütteln.
Allerdings war das auch so ziemlich alles, was Du uns in den ersten Wochen an Aktivitäten zeigtest und ich konnte nicht umhin, Dich einen „drömeligen Emil“ zu nennen.
Und so war es mir auch manchmal etwas peinlich, wenn die Besucher kamen, um unser herrliches Fohlen zu bewundern und nachdem sie Deine schöne Oberlinie, Deine muskulöse Hinterhand, die wunderbar schräge Schulter, die grandios geschwungene Halsung mit dem kräftigen Hengstnacken und Dein zauberhaftes Gesicht ausgiebig gelobt hatte fragten, ob „der“ denn auch was kann, denn „der“ war in der Hauptsache eben leider nur schön ... und außerdem schön schnell, aber von locker federnden Trabtritten und weit ausgreifenden Hufen zeigtest Du uns erst einmal nichts.
Trotzdem glaubte ich an Dich und freute mich auch an Deinem rabenflügelfarbenen Glanz, ohne dass Du die Sterne vom Himmel treten musstest.
Meiner Liebe zu Dir tat es auch keinen Abbruch, dass die Neider in Dir eine Mogelpackung vermuteten und Du tatest gut daran, ihnen aus dem Weg zu gehen, wenn sie Dich versuchten anzufassen, denn Heuchler erkanntest Du, mein sensibler Pferdejunge, sofort.
Dafür wuchsen wir immer stärker zusammen und ich war mir durchaus bewusst, dass ich für Dich einen hohen Stellenwert einnahm, denn bei mir legtest Du die Dir sonst eigene Scheu und Schüchternheit ab und wurdest auch mal zwischendurch ein Lausbub, der frech nach meinem Ärmel zu knapsen versuchte, wenn Dir mal wieder alles zu langsam ging und Du vor Ungeduld nicht wusstest, wohin Du Deine Energie steuern darfst. Natürlich war es streng verboten die Fohlenzähne in den Stoff meiner Jacke zu vergraben, aber weil Du das wusstest, reichte ein Anranzer, um sich wieder an einem ganz schuldbewusst schauenden und geläuterten und damit auch wieder sehr anhänglichen und braven Pferdesohn freuen zu dürfen.
Draußen hast Du natürlich die Einzigartigkeit seines Geschlechts unter all den Weibern jeden Tag neu genossen, als deren König Du Dich fühltest und darum warst Du auch nicht bange, ab und zu einmal unter die Bäuche der anderen Stuten zu schauen, wenn der Weg zur Mama Dir zu weit schien oder sie Dir gerade mal wieder den Hosenboden stramm gezogen hatte und Du Dir lieber eine nette Tante suchen wolltest, bei der Du Dir nicht nur ein wenig Trost, sondern vielleicht sogar ein warmes Schlückchen Milch abzuholen gedachtest.
Obwohl ich oft den Atem anhielt, wenn ich Zeuge eines solchen Ausflugs in die fremden Gefilde war, erstaunte es mich, dass Du nie wirklich massiv vertrieben wurdest oder dass sich glücklicherweise nie meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten, dass irgendwann einmal ein abwehrender Hufschlag Deine noch so feien Röhrbeinchen brechen könnte.
Fleure Belle, die unangefochtene Herdenchefin, die wir nur Flora rufen, legte in der Regel die Ohren an und machte ein Gesicht wie Fräulein Rottenmeier, was aber erstens ihrem Status als Gouvernante für alle Pferdekinder unserer kleinen Herde entsprach und zweitens für mindestens eine Stunde reichte, um sich Dich von der Pelle zu halten. Hirtenglück, die jeder nur als Happy kennt, verlegte sich auf die Schocktherapie und quiekte so laut, dass Du Dich so erschrecktest, dass es Dir vermutlich ging, wie einem Kind das sich einen Gruselfilm anschaut: Der erste Schreck lässt es sich unter einer Decke verstecken, aber kucken muss man halt doch, wenn der Adrenalinspiegel sich wieder normalisiert hat.
Bei Cherie, unserer bunten Panzerpaula hatte ich sogar den Verdacht, dass Du da ab und zu zum Zuge kamst, denn ihre Tochter Flammenherz wurde nicht nur Deine beste Freundin, sondern auch eine Art kleines Schwesterchen, der es vermutlich auch nichts ausmachte, ihre Tankstelle mit Dir zu teilen.
Große Sorgen machte mir aber, als Du auch bei der damals ganz neu dazugekommenen Mahé nach dem Euter suchtest, denn erstens kannten wir die Stute nicht und wussten nicht wie heftig ihre Abwehr sein könnte und zweitens hatte sie ja gar keine Milch – ich schreibe es noch heute Deinem Charme zu, dem sie vermutlich sofort erlag, dass sie Dich trotzdem nicht erschlug, aber Mahé nahm es mit stoischer Gelassenheit und machte der Lutscherei an der leeren Milchquelle ein Ende, indem sie das Hinterbein, das im Vorwärtsgehen durch Deinen Kopf behindert war ganz vorsichtig hoch hob, wie ein Rüde der an einen Baum pieschert über Deinen Kopf hinwegführte, um es dann hinter Dir wieder abzusetzen und einfach weiter zu gehen.
So egal Dir auf der Weide und auf dem Paddock Deiner Mutter Zauberglück war, so schnell vermisstest Du sie, wenn Du versehentlich mal vor ihr in der gemeinsamen Box landetest, was für ein Pferdekind ja ganz normal ist, aber nachdem Du auch mit stolzen acht Monaten, als Du ja eigentlich schon ein großer Junge warst, immer noch schier verzweifeltest wenn die Mutter nicht bei Dir in der gemeinsamen Unterkunft stand, kamen mir ernsthafte Bedenken, denn schließlich konntest Du als Hengst nicht ewig bei ihr bleiben.
Doch es half nichts – wenn Zauberglück abends nicht bei Dir war, schmeckte Dir auch das Essen nicht mehr, das Du sonst wie ein kleiner Staubsauger einatmetest und Dein verzweifelt hohes Chorknabenwiehern klagte all die garstigen Menschen an, die Dich von Deiner Mutter trennten.
Aber war Deine Welt in Ordnung und alles so, wie Du es Dir wünschtest, dann galt Dein größtes Interesse einer Extraportion Möhren oder einer erbettelten handvoll Fohlenfutter, die man Dir gar nicht verweigern konnte, wenn Du schmachtend beobachtetest, wie das Futter in die Eimer gefüllt wird und voller Verlangen schüchtern gegen die Boxentür klopftest.
Es war nie das fordernde Scharren von Cora,

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Geh Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterläßt und nicht nur Staub
Antoine De Saint-Exupéry

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18.06.2009 13:37
#2 RE: Sambuco -Rede an einen König und weitere Geschichten Zitat · Antworten

Amarulas Kampf

Die Angst legt sich wie Ketten um meine Brust und ich spüre wie die eiskalte Hand der Verzweiflung mein Herz umfasst und es zu zerspringen droht bei dem Gedanken, dass ich sie vielleicht nie, nie wiedersehe.
War es ein Zeichen, dass sich mein wunderbarer, rabenflügelschwarzer Pferdesohn Amarula so verzweifelt wehrte, als er uns verlassen sollte?
Vor meinem geistigen Auge wiederholt sich die Szene, die sich mir in meine Gedanken brannte, weil ich spürte, dass sich das was ich damals tat, falsch anfühlte und trotzdem schien es der einzige richtige, der einzig vernünftige Weg zu sein, den es gab ... doch ist die Vernunft immer ein guter Ratgeber? Sagt nicht der kleine Prinz, dass man nur mit dem Herzen gut sieht? Warum hörte ich dann auf meinen Kopf?
Ich kann nicht mehr vergessen, wie er mich anschaute ... damals, beim Abschied. Sein Blick ruhte auf mir und aus ihm war die Verzweiflung gewichen, mit der er sich wehrte, bis sein Widerstand dann doch erlosch und er aufgab, sich in sein Schicksal fügte, als er begriff, dass ich ihn verraten und verkauft hatte und wie Blutgeld schien mir in diesem Moment der Lohn, der mich zum Judas machte ... ein Opfer war er, das ich dem Gott Mammon damit brachte, dass ich des Vertrauens meines Pferdes als nicht würdig erwies und es missbrauchte und ihm den Glauben nahm ... und ich sah tief in seine Seele in diesem Augenblick und wusste, dass ich ihm sein großes, mutiges Herz gebrochen hatte, das er mir am ersten Tag seines Lebens schenkte, als Wertvollstes was er zu geben vermochte.
Er hatte gekämpft, weil er sicher war, dass ich an seiner Seite als treue, wahre Freundin nicht zulassen werde, dass man ihn fortholt. Zornig hatte er sich auf die Hinterhand erhoben, um die Widersacher, die ihn über die Rampe zwingen wollten zu besiegen, indem er mit seinen Vorderhufen nach ihnen schlug. Den brennenden Schmerz des Gertenschlages, der ihm ins glänzende schweißbedeckte Fell schnitt, schien er nicht zu fühlen und auch die Kette, die über den Nüstern ihm die Luft zum Atmen nahm, ignorierte er in seiner Wut, die ihn zu berauschen schien und alle Vorsicht und Regeln vergessen ließ.
Nie war er bislang zögerlich gewesen, wenn man ihn auf den Transporter führte. Nie hatte er den Wunsch der Menschen in Frage gestellt, die gut zu ihm waren und die er liebte, und immer war er bemüht, uns zu gefallen und gelobt zu werden, aber an diesem Tag schien er zu wissen, dass wenn er einsteigen würde, es ein Abschied für immer wäre und so hatte er sich entschieden, das erste Mal in seinem Leben nicht zu tun, was man von ihm verlangte.
Vielleicht ließ ihn der Mut der Verzweiflung sich aufbäumen, vielleicht auch die Hoffnung, dass ich es nicht zulassen werde dass man ihn von uns reißt, aber ich war zu schwach, ihm zu helfen, wie er es erwartet hatte.
Natürlich rief es in jeder Faser meines Seins, es nicht zuzulassen, dass sie ihn mitnehmen, aber als ich anbot, zur Bank zu fahren, um ihnen den Kaufpreis zurückzugeben und unseren schwarzen Freund zu behalten, da haben mich ihre Argumente viel zu schnell überzeugt.
Nein Amarula, ich hatte nicht das Rückgrad wie Du, der lieber dem Tod ins Auge blicken wollte, als dem endgültigen Abschied auf diesem Weg und obwohl ich wusste, dass Du kein Risiko mehr scheutest und bereit gewesen wärest, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen, habe ich Deinen flehentlichen Blick, Deinen Hilferuf und Deinen Appell an unsere Freundschaft ignoriert und mich abgewandt, um Dir nicht ins Auge schauen zu müssen, denn ich habe mich geschämt.
Du wusstest, das es vorbei ist und dass es nicht mehr lohnt sich aufzulehnen und Du bist nicht über die Rampe geschritten, wie sonst, sondern jeder Huf, den Du vor den anderen setztest und der Dich weiter weg von Deinem Zuhause führte, schien so schwer wie Blei zu wiegen. Du hattest verloren und gabst Dich geschlagen und in Dir war das Feuer der Leidenschaft erloschen
Als ich den Strick zu einem Knoten band, ahntest Du, dass ich es war, die Dich verriet, aber nicht Vorwurf war es, sondern Resignation, die sich mir offenbarte, als Du mich ein letztes Mal anschautest mit Deinen dunklen Augen, in denen ich mich selbst sah und es war, als hieltest Du mir einen Spiegel vor, in dem ich Deine Traurigkeit und Enttäuschung fand, aber auch mich, die falsche Freundin.
Ich kann nicht vergessen, was mir Dein letzter Blick zu sagen schien und auch wenn ich mit Briefen und Fotos dokumentiert an Deinem Leben weiterhin teilhaben darf und weiß, dass da wo Du nun Dein neues Zuhause gefunden hast, von Deinen Menschen geliebt wirst und es Dir an nichts fehlt, so quält mich doch die Gewissheit, dass ich Dich nicht hätte fortschicken dürfen.
Vielleicht bist Du eine Seele, die zurückkehrte zu mir, weil ich Dich so oft gerufen hatte in meinen Gedanken und vielleicht hätte ich Dich kennen müssen und wissen, dass es meine Liebe war, die Dich zu mir führte ... wenn es so ist, dann bete ich, dass der Herr uns eine zweite Chance geben möge ... und dass Du mir verzeihen kannst.
Vielleicht tun sie gut daran, diejenigen, die uns vorausgegangen sind, wenn sie dort bleiben auf den ewigen Weiden, auf denen sie ohne Zäune, die ihren Lauf bremsen, das immer grüne Gras unter den Hufen fühlen, damit sie nicht verloren gehen, wenn sie zurückkehren und ich sie wie einen Fremden behandle, weil ich das Wahre in meinem Kopf anstatt in meinem Herzen suche.
Dabei hast Du mir Deins geschenkt, das ich brach und es wegwarf, anstatt es zu hüten als den kostbarsten Schatz, den Du mir überreichtest, als ich Dich das erste Mal sah.
Natürlich hatte ich Deine Ankunft prompt verpasst, obwohl ich in der ersten Stunde des neu anbrechenden Tages noch einmal nach Deiner Mutter geschaut hatte und als sie zufrieden ihr Heu kaute und vollkommen entspannt wirkte, nahm ich an, dass ich mir diese Nacht wieder einmal umsonst um die Ohren schlagen würde, nachdem Zauberglück uns bislang mächtig auf Trab gehalten hatte und ich in den vergangenen Tagen mehr als einmal vor der Box ausharrte, weil sie sich auffällig benahm, nur um dann beim Frühstück festzustellen, dass sie die Geburt doch lieber noch einmal vertagt hatte.
Als ich schon fast resigniert ins Haus zurückkam, war Micha noch wach und bot mir an, dass er die Fohlenwache bis vier Uhr morgens zu übernehmen bereit wäre, weil ich schon fast schon im Stehen einschlief und wir am frühen Morgen um acht Uhr einen Termin in Osnabrück wahrnehmen mussten, bei dem er befürchtete, dass ich ihn nur in einem Delirium zwischen wach und Traum mitbekommen könnte und im schlimmsten Fall auch noch zu schnarchen begänne – das tue ich aber nur wenn ich wirklich sehr, sehr übermüdet bin.
Darum war ich wirklich ausgesprochen dankbar und die Aussicht auf fast drei Stunden Schlaf ließ mich heiter beschwingt in mein Bett krabbeln, wo ich mich sofort in die Kissen kuschelte und einschlief, schließlich war ich sicher, dass es kein Grund geben würde, dass Micha mich vorzeitig weckt.
Aber wie immer wenn man glaubt, dass etwas nach Plan A verläuft, sollte man Plan B besser nicht gleich entsorgen, weil man ihn dann doch meistens braucht.
Ich jedenfalls war gerade ganz tief in wunderbare Träume versunken, als Micha mich auch schon wieder aus ihnen herausriss, um mir mitzuteilen, dass Du angekommen bist.
Ich schwöre Dir, ich habe mich über Deine Ankunft sehr gefreut, aber Du magst es mir vielleicht nachsehen, dass ich mich in genau diesem Augenblick vermutlich genauso sehr gefreut hätte, wenn Deine Mutter die Geburt wenigstens noch eine Stunde verschoben hätte, denn es war noch nicht mal ganz mal viertel vor drei Uhr in der Früh und mein Mützchen Schlaf war längst noch nicht wohlgefüllt, um bereits wieder putzmunter zu sein.
Auf dem Weg in den Stall erzählte mir Micha, dass er kurz nach halb Zwei auch annahm, dass in der nächsten Stunde sicher nichts Spannendes in Zauberglücks Box passiert, weshalb er auch auf den sonst üblichen halbstündigen Rhythmus verzichtete, in dem wir in der Regel während der Zeit, in denen wir die Fohlen erwarten, Richtung Stutenstall marschieren, um über die jeweilige Boxentür zu spinzeln, ob unsere Hilfe nötig ist oder nicht – wobei wir dabei meistens nur einen ungnädigen Blick von der werdenden Mama ernten, weil die sich durch unser Taschenlampengefunzel in der Nachtruhe gestört fühlt.
Interessanterweise finden hingegen die Kolleginnen, die noch nicht oder überhaupt nicht dran sind, es immer wieder ausgesprochen unterhaltsam, wenn wir Zweibeiner, in der Bemühung, möglichst wenig Lärm zu machen und unter Ausnutzung einer einzigen batterieschwachen und dementsprechend schwächelnden Lichtquelle, die uns durch das unwegsame Geläuf bis zu den Ställen führt, an den Boxen vorbeischleichen – zumindest fühlen wir uns stets freudvoll erwartet, wenn uns der vielstimmige Stutenchor empfängt.
Natürlich brennt ein Notlicht, aber wie es sein Name schon andeutet, reicht sein nur mäßig effektives Leuchten gerade mal dafür, dass man sich die Knie nicht unbedingt blau haut, beziehungsweise dass man die Hindernisse rechtzeitig erkennt, die wie ein Geschicklichkeitsparcours in der Stallgasse für schmerzliche Überraschungen sorgen können, wenn man sie nicht vorher erahnt oder ertastet.
In den Boxen ist der Faktor der Helligkeit aber trotzdem variierend zwischen zappenduster und so schummerig-dämmerig, dass man die Pferde nur als Schemen darin erkennen kann.
Ein klitzekleines bisschen heller ist es in den Abfohlboxen, die direkt neben dem „Notlicht“ liegen, aber wenn man wirklich sicher gehen will, dass man nichts übersieht, dann braucht man eben schon eine zusätzliche Möglichkeit, die einem hilft, die gesamte Box auszuleuchten und da jeder, der schon einmal einen Krimi sah, weiß, dass der Kommissar das Geständnis mit Vorliebe aus dem Verdächtigen kitzelt, indem er die Schreibtischlampe auf dessen Gesicht richtet und ihn so blendet, durchaus Verständnis dafür hat, dass es ziemlich unangenehm ist, wenn ein Lichtstahl auf einen zielt, versuche ich ja schon, möglichtst das Pferd nur indirekt zu „erleuchten“, aber weil Pferde eben sehr schreckhafte Tiere sind, halten sie den durch die Einstreu tanzenden Lichtkegel für eine ziemlich gefährliche Sache und reagieren darauf dann auch entsprechend mit einer von viel Gepruste begleiteter Hals über Kopf-Flucht auf das Gespenst.
Gut – weit kommen sie meistens dabei nicht, denn spätestens vor einer der vier Wände ist es ratsam die Bremse zu ziehen, wobei es leider auch solche gibt, die überzeugt sind, dass eine solide gemauerte Boxenwand mit genügend Schwung kein wirkliches Hindernis darstellt und dann beginnt für mich das Schmieren und Salben, um die Blessuren und Schwellungen wieder wegzuzaubern.
Ich bin also nicht nur schon mehrfach geläutert, sondern auch entsprechend vorsichtig im Umgang mit der Taschenlampe.
Jetzt aber, wo wir den Stall erreicht haben, in dem das Wunder der Geburt schon geschah, ist der Zeitpunkt gekommen, die Festbeleuchtung zu entzünden, denn schließlich gibt es dann was zu feiern.
Wann genau Du so klammheimlich auf die Welt gerutscht warst, wussten wir nun leider nicht, aber nachdem Micha kurz nach halb zwei noch einmal geschaut hatte und nichts darauf hindeutete, dass Du es sehr eilig hättest, geboren zu werden und er Dich beim Kontrollgang um halb drei schon pitschnass im Stroh fand, konntest Du noch nicht allzu lange da gelegen haben, zumal in dem Moment, als ich nun gespannt und voller Neugier über die Boxentür schaute, gerade die Nachgeburt aus Deiner Mama flutschte.
So komplikationslos wie Deine Geburt, bei der Du Deine Mutter nicht mal ins Schwitzen brachtest, sollten auch Deine ersten Lebensmonate verlaufen, aber das wussten wir natürlich noch nicht, als wir nun erst mal in stummes Staunen versunken vor Dir standen.
Es mögen mehr als 50 Fohlen gewesen sein, bei deren Geburt wir zugegen waren und ein paar wenige, bei denen wir zu spät kamen oder gar schon das staubtrockene und fröhlich an der Milchbar schmatzende Pferdekind neben der Stute stehend fanden, aber trotzdem ist es immer wieder ein ganz besonderer Moment, wenn so ein feuchtes Bündel Leben sich anschickt, die viel zu langen Beine zu sortieren und sein erstes Wiehern die frohe Kunde auch zu den „Tanten“ trägt, die ja schon genau wissen, dass der liebe Gott gerade eben wieder ein kleines Wunder vollbracht hat.
Rührung, Glück und die bange Frage, ob das Pferdekind auch gesund ist, es das Euter der Mutter rechtzeitig finden wird, um genügend von der so wertvollen ersten gelb rahmigen Kolostralmilch zu trinken, mit der es die Schluckimpfung erhält, die sein Immunsystem stärkt, ergeben ein Wechselbad der Gefühle und dass dabei eigentlich immer noch ein paar Freudentränchen kullern, sei mir verziehen – ich bin eben ein sehr emotionaler Mensch und trage mein Innerstes auch viel zu oft ungeschminkt nach draußen.
Der erste Moment gehört natürlich Mutter und Kind, denn es ist der immer wieder von einem Zauber der mütterlichen Zärtlichkeit begleitete Augenblick, wenn sie das Fohlen blubbernd ruft, es liebevoll beleckt und sich so seinen Geruch einprägt, an dem sie es unter Tausenden wiedererkennen würde.
Innigste Mutterliebe fließt zu dem noch filigranen Pferdekind und wer würde sich nicht herzlich willkommen geheißen fühlen, wenn er so freudvoll begrüßt wird?
Wenn das Band zwischen Stute und Fohlen fest geknüpft ist, kann ich endlich hinein zu ihnen, um meine Neugier zu befriedigen, ob es ein Hengstchen ist oder ein Stutchen, das uns soeben geschenkt wurde.
Eigentlich hätte ich mir die Frage bei Dir, Amarula, gar nicht stellen müssen, denn auch wenn Dein Fohlenstimmchen noch zart anfragend, wie ein Glöckchen klingelte, als Du es voller Faszination über das vielstimmige Echo, das es hervorrief, immer wieder ausprobiertest, war schon eine Koloratur des Fordernden darin, das kein bisschen mädchenhaft schüchtern wirkte, sondern bereits die Klangfarbe des zukünftigen Hengstes erahnen ließ, wenn er die Stuten ruft.
Übtest Du schon, weil Du bereits ahntest, dass Du in diesem Jahr der Hahn im Korb bleiben würdest?
Doch was für Dich ein Segen war, brachte mir schlaflose Nächte, denn eigentlich wollte ich Dich, als Du das erste Mal auf Deinen vier wunderbar korrekten Beinen standest und mir Deine ganze Schönheit offenbartest, auf jeden Fall behalten – doch dazu hätte uns der liebe Gott noch ein Hengstfohlen bewilligen müssen, was er aber nicht tat, denn er schickte Dir zuerst einen Harem von drei gleichaltrigen Mädchen und dann musste ich den schweren Entscheid treffen, Dich zu verkaufen.
Solch schwermütige Gedanken waren aber ganz weit weg von uns, als Du neugierig uns, die Zweibeiner mustertest und vorsichtig gegen meine Hände stupstest, um dann über den eigenen Mut zu erschrecken, der Dir den Schneid abkaufte und Dich entsetzt zurückweichen ließest, sodass Du gleich die Füße verlorst und von vorne beginnen musstest, die endlos langen Stelzen zu sortieren, die Dir noch nicht so recht gehorchen wollten.
Aber als Du es geschafft hattest, wieder sicher zu stehen, da warst Du sichtlich stolz über Deinen Erfolg und marschiertest wie ein Zinnsoldat mit steifen Holzpferdchenbeinen wacker über die Berge von Stroh und Heu, die Dir kleinem Zwerg eigentlich unüberwindbar hoch erschienen sein müssen, doch nachdem Du tapfer die ersten Hürden des Lebens meistern konntest, hattest Du diesen Planeten endgültig zu Deinem erklärt und so fiel es Dir auch nicht mehr schwer, ganz zielsicher die Quelle des mütterlichen Labsals anzusteuern.
Ob Du der Meinung warst, dass Du nun ausreichend genug der Herausforderungen gemeistert hattest oder ob Dir der Spaß nun langsam zu verleiden begann, nachdem Du mit Deinen zarten Fohlennnüstern mehrfach die Orientierung verloren hattest, weiß ich nicht, aber als Du ganz kurz davor warst zu resignieren, eilte ich Dir zur Hilfe, denn soviel ist sicher: die meisten der kleinen Paschas der Pferdewelt erwarten stets, dass die köstlich süße Milch ihnen ohne große Anstrengung ins Mäulchen fließt und wenn das nicht gleich klappt, dann reagieren sie auch wie ein Kerl, der nicht sofort bekommt, was ihm zusteht und geben auf. Die Stütchen hingegen haben da schon deutlich mehr Energie und sie sind es auch meist, die viel schneller zum Ziel kommen als die teilweise etwas phlegmatischen Jungs.
Du, Amarula, machtest da leider auch keine Ausnahme, obwohl ich ungern an Deiner ansonsten so makellosen Erscheinung kratzen möchte, denn ein wenig Überzeugungskraft meinerseits war schon notwendig, damit Du ein Einsehen hattest, dass sich der Lebenswille und der Kampf ums Euter durchaus lohnen kann und Du einen zweiten Versuch wagtest.
Nachdem Du aber an der richtigen Stelle angedockt hattest, fand man Dich quasi nur noch unter der Mutter stehend und trinkend. Dabei lief Dir der Überfluss oft über die Nase, aber während die Stütchen dann meistens empört niesen, weil sie sich ja ungern schmutzig machen wollen, störte es Dich nie, wenn Dein Ziegenbärten am Kinn komplett verklebt war.
Von Anfang an fielst Du nach einer Mahlzeit nicht einfach satt ins Stroh oder ins weiche Gras, um Dich erst einmal auszuruhen, sondern musstest erst noch ein paar flotte Runden um deine Mutter drehen, bis Dir die Milch wie der Schaum auf dem Cappuccino vor den Lippen stand ... wer Sahne will, muss eben nicht Kühe, sondern Fohlen schütteln.
Allerdings war das auch so ziemlich alles, was Du uns in den ersten Wochen an Aktivitäten zeigtest und ich konnte nicht umhin, Dich einen „drömeligen Emil“ zu nennen.
Und so war es mir auch manchmal etwas peinlich, wenn die Besucher kamen, um unser herrliches Fohlen zu bewundern und nachdem sie Deine schöne Oberlinie, Deine muskulöse Hinterhand, die wunderbar schräge Schulter, die grandios geschwungene Halsung mit dem kräftigen Hengstnacken und Dein zauberhaftes Gesicht ausgiebig gelobt hatte fragten, ob „der“ denn auch was kann, denn „der“ war in der Hauptsache eben leider nur schön ... und außerdem schön schnell, aber von locker federnden Trabtritten und weit ausgreifenden Hufen zeigtest Du uns erst einmal nichts.
Trotzdem glaubte ich an Dich und freute mich auch an Deinem rabenflügelfarbenen Glanz, ohne dass Du die Sterne vom Himmel treten musstest.
Meiner Liebe zu Dir tat es auch keinen Abbruch, dass die Neider in Dir eine Mogelpackung vermuteten und Du tatest gut daran, ihnen aus dem Weg zu gehen, wenn sie Dich versuchten anzufassen, denn Heuchler erkanntest Du, mein sensibler Pferdejunge, sofort.
Dafür wuchsen wir immer stärker zusammen und ich war mir durchaus bewusst, dass ich für Dich einen hohen Stellenwert einnahm, denn bei mir legtest Du die Dir sonst eigene Scheu und Schüchternheit ab und wurdest auch mal zwischendurch ein Lausbub, der frech nach meinem Ärmel zu knapsen versuchte, wenn Dir mal wieder alles zu langsam ging und Du vor Ungeduld nicht wusstest, wohin Du Deine Energie steuern darfst. Natürlich war es streng verboten die Fohlenzähne in den Stoff meiner Jacke zu vergraben, aber weil Du das wusstest, reichte ein Anranzer, um sich wieder an einem ganz schuldbewusst schauenden und geläuterten und damit auch wieder sehr anhänglichen und braven Pferdesohn freuen zu dürfen.
Draußen hast Du natürlich die Einzigartigkeit seines Geschlechts unter all den Weibern jeden Tag neu genossen, als deren König Du Dich fühltest und darum warst Du auch nicht bange, ab und zu einmal unter die Bäuche der anderen Stuten zu schauen, wenn der Weg zur Mama Dir zu weit schien oder sie Dir gerade mal wieder den Hosenboden stramm gezogen hatte und Du Dir lieber eine nette Tante suchen wolltest, bei der Du Dir nicht nur ein wenig Trost, sondern vielleicht sogar ein warmes Schlückchen Milch abzuholen gedachtest.
Obwohl ich oft den Atem anhielt, wenn ich Zeuge eines solchen Ausflugs in die fremden Gefilde war, erstaunte es mich, dass Du nie wirklich massiv vertrieben wurdest oder dass sich glücklicherweise nie meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten, dass irgendwann einmal ein abwehrender Hufschlag Deine noch so feien Röhrbeinchen brechen könnte.
Fleure Belle, die unangefochtene Herdenchefin, die wir nur Flora rufen, legte in der Regel die Ohren an und machte ein Gesicht wie Fräulein Rottenmeier, was aber erstens ihrem Status als Gouvernante für alle Pferdekinder unserer kleinen Herde entsprach und zweitens für mindestens eine Stunde reichte, um sich Dich von der Pelle zu halten. Hirtenglück, die jeder nur als Happy kennt, verlegte sich auf die Schocktherapie und quiekte so laut, dass Du Dich so erschrecktest, dass es Dir vermutlich ging, wie einem Kind das sich einen Gruselfilm anschaut: Der erste Schreck lässt es sich unter einer Decke verstecken, aber kucken muss man halt doch, wenn der Adrenalinspiegel sich wieder normalisiert hat.
Bei Cherie, unserer bunten Panzerpaula hatte ich sogar den Verdacht, dass Du da ab und zu zum Zuge kamst, denn ihre Tochter Flammenherz wurde nicht nur Deine beste Freundin, sondern auch eine Art kleines Schwesterchen, der es vermutlich auch nichts ausmachte, ihre Tankstelle mit Dir zu teilen.
Große Sorgen machte mir aber, als Du auch bei der damals ganz neu dazugekommenen Mahé nach dem Euter suchtest, denn erstens kannten wir die Stute nicht und wussten nicht wie heftig ihre Abwehr sein könnte und zweitens hatte sie ja gar keine Milch – ich schreibe es noch heute Deinem Charme zu, dem sie vermutlich sofort erlag, dass sie Dich trotzdem nicht erschlug, aber Mahé nahm es mit stoischer Gelassenheit und machte der Lutscherei an der leeren Milchquelle ein Ende, indem sie das Hinterbein, das im Vorwärtsgehen durch Deinen Kopf behindert war ganz vorsichtig hoch hob, wie ein Rüde der an einen Baum pieschert über Deinen Kopf hinwegführte, um es dann hinter Dir wieder abzusetzen und einfach weiter zu gehen.
So egal Dir auf der Weide und auf dem Paddock Deiner Mutter Zauberglück war, so schnell vermisstest Du sie, wenn Du versehentlich mal vor ihr in der gemeinsamen Box landetest, was für ein Pferdekind ja ganz normal ist, aber nachdem Du auch mit stolzen acht Monaten, als Du ja eigentlich schon ein großer Junge warst, immer noch schier verzweifeltest wenn die Mutter nicht bei Dir in der gemeinsamen Unterkunft stand, kamen mir ernsthafte Bedenken, denn schließlich konntest Du als Hengst nicht ewig bei ihr bleiben.
Doch es half nichts – wenn Zauberglück abends nicht bei Dir war, schmeckte Dir auch das Essen nicht mehr, das Du sonst wie ein kleiner Staubsauger einatmetest und Dein verzweifelt hohes Chorknabenwiehern klagte all die garstigen Menschen an, die Dich von Deiner Mutter trennten.
Aber war Deine Welt in Ordnung und alles so, wie Du es Dir wünschtest, dann galt Dein größtes Interesse einer Extraportion Möhren oder einer erbettelten handvoll Fohlenfutter, die man Dir gar nicht verweigern konnte, wenn Du schmachtend beobachtetest, wie das Futter in die Eimer gefüllt wird und voller Verlangen schüchtern gegen die Boxentür klopftest.
Es war nie das fordernde Scharren von Cora, nicht das Trommeln der Hufe von Bambi und keinesfalls das Rappeln an der Tür, das Deine Mutter Zauberglück schon ihn jungen Jahren zur Kunst erhob, damit sie noch ein Leckerchen bekommt ... nein bei Dir, Amarula war es nur ein ganz sachtes Anklopfen und die schüchterne Frage:“ Darf ich jetzt vielleicht bitte auch noch ein bisschen von dem köstlichen Futter haben?“
Vielleicht stand Dein Status als heißersehnter Erstgeborener des Jahres 2007 für eine kurze Zeit im Schatten der erst in den ersten Juliwochen geborenen Stutfohlen, denn Flammenherz trug mit ihrem gleichmäßig gescheckten Fell ein so außergewöhnliches Äußeres zur Schau, dass sie schon allein darum in den Mittelpunkt trat, Hirtenherz, das Herzchen, war das mit so viel Spannung erwartete erstgeborene Kind von Linné bei uns, die mit ihrem Selbstbewusstsein selbst die Eintragungskommission des Verbandes überzeugte und Fleure de nuit, dem Bambi, flogen die Herzen zu, weil sie wie ein Rehlein so zart und zerbrechlich wirkte und man sie schon alleine darum lieb haben musste, weil sie so sehr niedlich war, wenngleich ich aber zugeben muss, dass ihr als Zweitausgabe ihrer so besonderen Schwester Fleure Coeur, von uns aber nur Cora genannt, und als letztes Fohlen einer Serie von drei im sechstägigen Rhythmus zur Welt gekommenen Pferdekindern meine Aufmerksamkeit vielleicht doch zu oft fehlte, denn sie musste einen Weg finden, sie auf sich zu lenken, den ich nicht gut heiße, weil sie koppt, kaum dass sie meiner ansichtig wird.
Als sie auf die Welt kamen, warst Du, Amarula aber auch schon zwei Monate alt und im Verhältnis zu den Mädchen gar kein Fohlen mehr und so war auch Dein Niedlichkeitsfaktor ungleich kleiner, als jener der spätgeborenen Stütchen.
Vielleicht warst Du auch noch immer das ein wenig verkannte Talent, dem man nicht so viel zutaute, wie den eleganten Dämchen, die sich immer in Szene zu setzten vermochten und darum verblüfftest Du uns umso mehr, als Du plötzlich aus dem Schattendasein heraustratest und uns und allen anderen Dein wahres Ich offenbartest, denn eigentlich waren wir damals mit sehr wenig Hoffnung zur Fohlenschau bei Paul Schockemöhle losgefahren und als wir die Konkurrenz sahen, gegen die es an dem Tag galt anzutreten und von ihr entsprechend beeindruckt waren, da hätten wir Dich, unseren kugeligen und fohlenbepelzten Pferdesohn am liebsten rasch versteckt.
Dass Du trotzdem zu punkten vermochtest und wie Phönix aus der Asche aufstiegst in die Liga der Prämienfohlen, machte Dich zu etwas ganz Besonderem für uns, denn mit Dir feierten wir den ersten großen Zuchterfolg in Oldenburg.
Dass Bambi zwei Monate später ebenfalls die Fohlenprämie erhielt, nahmen wir schon legerer zur Kenntnis – nicht dass die Freude nicht auch groß war, aber sie war zum einen eben nicht die Erste und zum anderen hatten wir von der kleinen Ballerina bei den Vorschußlorbeeren, mit denen ihre großen Geschwister Feuer und Flamme und Cora die Latte hoch gelegt hatten, eigentlich nichts anderes erwartet.
Aber Du warst der Überraschungserfolg und auch wenn wir nicht fassen konnten, dass Du die begehrte Prämie erhalten hattest, so hängt doch der Beweis in Form der Plakette noch heute im Stutenstall.
Doch vielleicht erlaubst Du mir, dass ich diese Geschichte noch einmal erzähle, wie ich sie immer und immer wieder erzählen musste, um sie selbst glauben zu können und wie sie vor meinem geistigen Auge wieder lebendig wird, wenn ich sie mir noch einmal in meine Gedanken zurückrufe ...


Der tanzt nur zur Musik

Eigentlich war die Idee kurzfristig zum Brenntermin zu fahren eine sehr, sehr spontane und dazu bewegt haben mag uns wohl unser langjähriger bester Freund Thomas, der gerade zu der Zeit bei uns zu Besuch war, als die beiden Fohlenschautage bei Schockemöhle im nahen Mühlen vom Oldenburger Verband terminiert waren.
So überlegten wir, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können, denn zum einen boten wir dem Gast ein Urlauberanimationsprogramm, das er von zuhause noch nicht kannte und zum anderen wissen wir ja, wie wichtig an solchen Events jede helfende Hand sein kann, denn die ungewohnte Umgebung, der fremde Platz, die flatternden Fahnen und die dekorativen weißen, meist nur zirka dreißig Zentimeter hohen Gatter, die als Abgrenzung des Schauringes dienen, aber für einen ausbruchssicheren Zaun einfach zu niedrig sind, sorgen schon allein für Nervenkitzel bei Mensch und Pferd.
Es ist eine angespannt knisternde Atmosphäre, die so eine Schau ausstrahlt und die durch die aufbrausende Musik, welche aus den Lautsprechern das ganze Areal beschallt noch gesteigert wird.
Selbst die selbst die schauerfahrendste Stute kann sich hierbei in eine tänzelnde, schnaubende und höchst erregbare Furie verwandeln.
Ganz zu schweigen von der Aufregung, die es für das Fohlen bedeutet, welches ja das erste Mal in seinem Leben verreist, was ja an sich schon spannend genug ist, aber wenn ein Pferdekind dann dabei gleich zu so einem Spektakel fahren muss, als das man ein Brenntermin durchaus definieren kann, dann ist es gut zu wissen, dass man genügend Helfer hat, die zur Not eingreifen können, wenn eine beruhigende Stimme, schnelle Beine, geschickte Finger oder und eine starke Hand benötigt werden.
Nun ist es ja eigentlich üblich, dass man sein Fohlen zum Brenntermin rechtzeitig anmeldet, aber nachdem der Nennungsschluss exakt vor dem Termin lag, den sich unser schwarzer Prinz ausgesucht hatte, um geboren zu werden, galten wir sowieso als Nachmeldung und insofern hatten wir weder eine Startnummer, mussten uns nicht nach einer Reihenfolge richten und es gab auch keine Vorgabe, an welchem Tag wir auftreten sollten – im Prinzip praktisch, könnte man denken und sich fragen, wozu man sein Fohlen dann überhaupt noch irgendwo und irgendwann zu einem festen Termin anmeldet, wo es doch nur von Vorteil zu sein scheint, wenn man einfach an dem Tag auftaucht, an dem einem das gut in den Kalender passt und sagt: „Hallo, hier bin ich!“.
Leider kann es einem dann aber passieren, dass dann gerade gar keine Brennreise des Verbandes stattfindet oder sie irgendwo, weit weg vom eigenen Standort ist oder – und das war nun unser Problem, man sich als unangemeldeter Teilnehmer eben hinten anstellen muss.
Wir wussten das aber und darum fuhr Micha eben schnell zum Ort des Geschehens, sondierte die Lage, indem er fragte, wie viele Fohlen zum Brennen heute noch erwartet würden und als man ihm zur Auskunft gab, dass wenn er in der nächsten halben Stunde aufzutauchen gedenken würde, wir ohne großes Warten an die Reihe kommen könnten, ging die Hektik los, dass wir innerhalb von dreißig Minuten antreten sollten, damit hatte keiner gerechnet.
Zauberglück hatte eine Frisur wie Bob Marley, also lauter Dreadlocks im vom Wind zerzausten Langhaar und diese Frisurkatastrophe zu ordentlichen Zöpfen zu flechten, hätte mindestens – vom Kürzen und auskämmen der Mähne abgesehen – eine halbe Stunde gedauert, bei dieser kühnen Rechnung war aber die Zeit noch gar nicht berücksichtigt, die es gedauert hätte, dem Fohlen ebenfalls einen schicken Turnierpferdlook zu verpassen und geputzt waren alle beide auch nicht.
Beherzt griff ich also erst mal zur Schere und schnitt alles, was unterhalb einer Handbreite vom Mähnenkamm hervorschaute radikal ab – somit wirkte zumindest die Stute schon mal etwas gepflegter, auch wenn ich nun nicht gerade einen Eid darauf hätte schwören mögen, dass die von mir als relativ gerade empfundene Schnittlinie auch einer Prüfung mit dem Lineal standgehalten haben würde, aber für Korinthenkackereien war nun sowieso die Zeit viel zu knapp.
Während ich also rasch die Stute überputzte, bot Thomas an, das Fohlen in einen Zustand zu versetzen, in dem es sich vermutlich kurz nach der Geburt das letzte Mal befunden hatte: also sauber, glatt und staubfrei.
Gut, überlegte ich, dann hat er was zu tun und steht nicht sinnlos im Weg rum und schon hatte ich für ihn noch eine Wurzelbürste, eine Kardätsche und einen Striegel geholt und präsentierte ihm stolz das Putzzeug, das ich immerhin ohne lange danach zu fahnden gefunden hatte, denn wer Ordnung hält ist zwar sicher auch zu faul zum Suchen, aber er spart auch enorm viele nervtötende Minuten, in denen er sich fragt, wo man den Sachen zum letzten Mal begegnet ist und wer zum Kuckuck sie dort weggeräumt hat – wobei man es dann doch meist selbst war.
Natürlich wusste er es gar nicht entsprechend zu würdigen, wie ordentlich ich meine Utensilien lagere und anstatt eines Lobes bekam ich schon wieder einen Verweis, weil ich seiner Meinung nach nicht genügend Bürsten und Kämme mitgebracht hatte. Und noch was fehlte: „... und welches Halfter soll ich für den Zwerg nehmen?“
„Halfter?!“ Das war nun eindeutig die falsche Frage und ich überlegte, ob ich eventuell nun den fifty-fifty Joker verwenden, jemanden anrufen oder die Frage an das Publikum weiterreichen sollte, aber es war leider keins da und so blieb mir nur die Variante, zuzugeben, dass es für Amarula bis dato noch kein Halfter gab.
„Wie? Es gibt kein Halfter? Wie bringt ihr den denn raus und rein?“
Es war mir nun natürlich peinlich zu erklären, dass wir wirklich noch keine Zeit gefunden hatten, unseren Minihengst halfterführig zu machen, aber dass Thomas das als Desaster ansah, konnte ich nun absolut nicht nachvollziehen: „Reg´ Dich nicht auf, das klappt trotzdem, denn Amarula läuft ja immer brav hinter der Mama her und ich bin überzeugt, wenn man einfach neben ihm zu bleiben versucht und nicht am Strick herumzuppelt, dann merkt der gar nicht, dass er ein Halfter trägt.
Thomas war zwar von meiner Theorie nicht ganz so überzeugt wie ich es nach außen hin gewesen bin, aber ich wollte ihn auch nicht unnötig verunsichern, indem ich ihm gesagt hätte, dass ich auch meine Bedenken hatte, aber was würde es auch genutzt haben – zu ändern war es nun ja auch nicht mehr.
Amarula fand die für ihn noch ungewohnte Körperhygiene ausgesprochen erheiternd und so ersparten wir es ihm und uns, ihn gleich zu vergrätzen, sondern nutzten seine gute Laune erst einmal zu unseren Gunsten aus, weil sie die Arbeit an ihm ungemein erleichterte.
Inzwischen hatte es zu regnen begonnen, was mich insofern ärgerte, weil ich mir die Putzerei dann ja auch hätte sehr gut ersparen können, wenn sie erstens in Kürze sowieso auf ganz natürlich Art geduscht und gesäubert worden wären und zweitens man im nassen Fell die ganze Bemühung überhaupt nicht sah, mit der ich in Zauberglücks rotes Fell einen schimmernden Glanz gebürstet hatte, nachdem es zwar noch immer glänzte, aber mehr nass als sauber.
Die Aktion mit dem Aufhalftern verschoben wir bis ganz zum Schluss, denn ich war der Meinung, dass wenn Micha die Stute rausführen würde, Amarula quasi mit seinem Kopf sowieso in das vorgehaltene Halfter laufen würde, aber wie so oft hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der in dem Fall Amarula hieß und gar nicht einsah, warum er in dieses Gewirr von Riemen und Schnallen schlüpfen sollte und so geschickt auswich, dass er es schaffte an der Mama vorbeizuschleichen, bevor ich verblüfft feststellen konnte, dass mein Trick nicht gerade erfolgreich gewesen war, sondern eher er mich ausgetrickst hatte, als ich ihn.
Micha merkte allerdings auch erst, dass unser rabenflügelschwarze Pferdesohn mit „nacktem“ Gesicht neben ihm stand, als er mit Zauberglück schon fast auf der Rampe des Anhängers stand.
War es schon nicht leicht gewesen, den Fohlenkopf ins Halfter zu bugsieren, als der Rest unseres Pferdchens noch ein ganzes Stück besser zu kontrollieren gewesen wäre, gab es in der Freiheit nun natürlich keine Chance, ihn zu erwischen.
Es half kein schmeicheln und kein Locken, Amarula hatte den Braten längst gerochen und ahnte, dass es mit diesem Teil, das ihm die Zweibeiner über die Nase hielten und über die Ohren zu ziehen versuchten nichts Gutes auf sich hatte und entsprechend dem, war er natürlich auf der Hut vor unseren flinken Versuchen.
Irgendwann schlug Micha vor, Zauberglück einfach aufzuladen und abzuwarten, ob ihr der freche Pferdesohn einfach folgen würde und weil ich auch keine bessere Idee hatte, versuchten wir es – und waren verblüfft, als das Fohlen tatsächlich nicht einen Moment zögerte, in den Pferdetransporter zu steigen.
Da er drin nicht mehr ganz so viel Platz hatte, um auszuweichen, ließ er sich das Halfter recht problemlos anziehen und als wir ihn dafür auch noch lobten und ihm sagten, wie fein er nun aussieht und dass er jetzt ein ganz großer Junge sei, war er so stolz, dass er das noch kurz zuvor verschmähte Ding trug, als handelte es sich dabei um kostbares Geschmeide.
Für gewöhnlich haben wir ja einen Satz Alltagsfohlenhalfter, die auch gerne schmutzig und ein bisschen ramponiert sein dürfen, weil sie in der Regel das halbe Jahr nur ganz selten und unversehrt überleben, in dem sie den Pferdekindern noch passen und dann sowieso im Müll ihre letzte Ruhestätte finden. Ganz selten kann die nächste Generation sie noch auftragen, aber das Halfter, das Amarula nun verpasst bekommen hatte, gehörte zu den ganz seltenen Exemplaren, aber schließlich hatte ich ja noch ein Nobelfohlenhalfter aus dem Satz der „Ausgehhalfter“ gerichtet, das eigentlich mit den Sachen, die man alle mitnimmt und dann doch nicht braucht in den Kofferraum gepackt werden sollte, allerdings kam es dort dann wohl eher doch nicht an, aber das fiel uns erst auf, als wir Amarula „ausgehfein umziehen“ wollten.
Natürlich hatte jeder angenommen, dass der andere schon dafür sorgt, dass alles mitkommt, was dafür vorgesehen war, aber was nutzte das Lamentieren: Unserem Pferdesohn blieb nichts anderes übrig, als dass er eben als „Bettelprinz“ auftrat.
Obwohl ich wirklich sagen muss, dass vermutlich auch ein Prunkhalfter unserem „König Kugelbauch“ nicht mehr Glamour verliehen hätte, denn der Neid musste zugeben, dass die Fohlen, die ich mit einem prüfenden Blick über den Platz erfasst hatte, sogar am Kälberstrick noch besser ausgesehen hätten.
Da nützte es nichts, dass ich mit der Kardätsche noch einen letzten Versuch unternahm, den strubbeligen Fohlenplüsch zu glätten: Amarula sah im Vergleich zu den bereits komplett abgehaarten und im Hochglanzseidenfell auftretenden Konkurrenten trotzdem aus wie ein explodiertes Sofakissen mit graubrauner Füllwatte.
Aber wäre ich nicht eine schlechte Freundin gewesen, wenn ich unseren Pferdejungen das hätte merken lassen?
Also ignorierte ich die ganze vierbeinige Pracht, die sich um uns herum versammelt hatte und flüsterte ihm ins Ohr: „Keinen von denen würde ich geschenkt haben wollen oder gar gegen Dich eintauschen, weil Du so ein braves und liebes Fohlen bist und weil ich weiß, dass diese Blender Dir gar nicht das Wasser reichen können!“
Ganz sicher war ich mir da zwar auch nicht, aber wie heißt es immer so schön: Die inneren Werte zählen mehr als äußere Schönheit – und innere Werte hatte Amarula unglaublich viele!
Gerade jetzt, wo wir warten mussten, bis wir vor das Häuschen treten durften, in denen wir unseren Obolus für die Erstellung der Papiere entrichten sollten und den Brennzettel erhielten, auf den der Verbandsmitarbeiter neben der Zahl, die Amarula unter dem gekrönten O tragen würde, noch ein paar Notizen zur Abstammung gekritzelt hatte, weil wir ja als Nachnennung nicht im Katalog standen, war ich sehr dankbar für Amarulas Gelassenheit, mit der er souverän das farbenfrohe und vor allem laute Treiben um sich herum ohne erkenntliche Aufregung wegsteckte, währen anderer Orts die Fohlen sich wild bockend von Halfter und Strick zu befreien suchten oder sich gar auf die Erde warfen.
Amarula dagegen schritt am durchhängenden Führseil wie ein Profi neben mir her, obwohl er das aller erste Mal ein Halfter trug, aber das hätte uns wohl keiner geglaubt, der unser wohlerzogenes Hengstlein an diesem Tag sah.
Dass wir uns für unseren Auftritt nicht eben das beste Wetter ausgesucht hatten, war uns ja schon bei der Abreise bewusst gewesen, aber dass der Himmel genau zu dem Zeitpunkt alle seine Schleusen öffnete, als wir in Mühlen auf dem Gestüt Schockemöhle angekommen waren, hielten wir das nicht unbedingt für ein besonders gutes Omen.
Doch dass die Himmelsfluten auch ein großer Vorteil für unseren Amarula waren, erkannten wir, als seine nun schwarze Kuschelfelljacke vom Regen durchnässt an seinem Körper klebte, denn hatte bislang sein Fohlenpelz, des Pferdesohnes wahre Eleganz unter seinem Volumen verborgen gehalten, gewann er nun durchaus an Figur und sein Köpfchen, sonst unter zotteligem Eisbärenfell versteckt, zeigte sich nun der schönen Trakehner Ahnen würdig.
Seine sonst schmutziggraue Farbe, die mehr an eine vollgesaugte Zecke als an Fury, Black Beauty oder Blitz, den schwarzen Hengst erinnerte, entfaltete sich nun zum dunklen Glanz, den man von einem Rappen erwartet.
Ein bildschöner Junge war Amarula nun mit seinem stolz getragenen kräftigen Hals und dem typvollen Gesicht mit der breiten Stirn und den schmalen Nüstern, das er jetzt offenbarte, aber während sich die Konkurrenz eher selbstbewusst präsentierte und die anderen Hengstchen schon eindeutig als kleine Kerle zu erkennen waren, sah unser Pferdesohn eher feminin als maskulin aus und das Herumstolzieren und Angeben war eher nicht so sein Ding.
Etwas neidisch beäugten wir verstohlen die anderen Fohlen, deren Abstammung schon ungefähr ahnen ließ, was da gleich im Ring geboten würde. Ob es überhaupt Sinn machte unseren mädchenhaften und trotzdem noch immer leicht pummelig wirkenden Knaben in den Wettstreit zu schicken gegen die geballte Männlichkeit der anderen Pferdejungs und die zierliche Schönheit der Grazien auf vier Hufen?
„Lass uns doch besser nicht in den Ring gehen und uns lieber gleich zum Brennen anstellen“, schlug ich etwas entmutigt vor, als das erste Fohlen unseres Ringes ins Rund schwebte, begleitet von der fast ehrfürchtig klingenden Stimme des Sprechers, als er die Ahnentafel rezitierte – fast wie ein Gebet klang es und unser Selbstbewusstsein schmolz dahin wie Eis in der Sonne.
Auch die zweite Kandidatin wusste zu gefallen und unter dem Jubel des Publikums schienen ihr Flügel zu wachsen und so berührte sie die Erde wohl nur noch aus Gefälligkeit.
Bei Nummer Drei löste schon das Erwähnen des Vaters und der Elitemutter frenetischen Beifall bei den Zuschauern aus und unsere Herzen sanken ungefähr dahin, wo sich die mittlerweile regennassen Socken befanden
Auch wir hatten den Service eines professionellen Vorführers gebucht, der eigentlich auf der Lohnliste von Paul Schockemöhle stand, denn dass weder ich noch Micha ein unbedingt anmutiges Terzett mit unseren, genau wie wir, zum Hüftgold neigenden Pferden gebildet hätten, wissen wir auch ohne dass wir uns zur Lachnummer machen und Thomas fehlte die Erfahrung im Vorführen von Stute und Fohlen, um ihn in den Ring zu schicken.
„Das Halfter muss aber gleich runter“, informierte uns der Läufer, der sich schon für seine Runden mit Zauberglück und Amarula bereit machte.
„Hauptsache, wir bekommen es nachher auch wieder drauf“, murmelte ich schon Unheil ahnend, denn dass die Freiheit unseren Pferdejungen zu einer eigenen Meinung zum Tragen eines Halfters animieren könnte, das hatte er uns ja schon zuhause bewiesen, aber dass er mit dem Ding das er trug nicht vor die Richter treten konnte war mir auch klar, schließlich sollte er nicht aussehen wie ein Asylbewerber, sondern wie ein zukünftiger Siegerhengst ... na ja die Hoffnung stirbt doch bekanntlich zuletzt, oder?
Als Micha nun die Zügel unserer Zauberglück an den Vorführer abgaben und ich Amarulas Halfter von seinem Kopf gleiten ließ, trafen sich unsere Blicke und die sagten: „Wird schon schief gehen!“ und dann spurteten wir los, denn in Empfang nehmen mussten wir unsere Pferde am anderen Ende des Platzes. Im Trubel verlor ich Micha aus den Augen und so stellte ich mich diskret neben das Richterhäuschen, denn man weiß ja nie, was man da so alles erfährt.
Die Musik erhob sich zum Stakkato, schwoll zu dröhnender Lautstärke an und über die Lautsprecher trommelten die Bässe den Rhythmus in die Ohren von Mensch und Tier ... und als hätte er nur auf dieses Zeichen gewartet, setzte sich unser Schwarzer in Bewegung. Im gleichen Takt mit dem Trab der Mutter schien er mühelos in tänzerischer Leichtigkeit von den Tönen getragen über den Rasen bei Schockemöhle zu schweben, als wäre es das Tanzparkett des Wiener Opernballs.
Mir traten vor Stolz die Tränen in die Augen, als die Zuschauer seinen Auftritt mit begeistertem Klatschen begleiteten.
Noch wagten wir nicht wirklich zu hoffen, dass es für eine Prämie gereicht haben könnte – nicht dass er nicht spektakulär getrabt und sein Schritt wie eine Welle durch den Körper geflossen wäre ... nicht dass er nicht stolz neben der Mutter posiert und seinen schönen Hals in herrlicher Selbsthaltung getragen hätte ... nein gefehlt hatte es ihm nicht an Schönheit, nicht an Adel, nicht an der Aufmachung und auch nicht an der Bewegung, aber konnte er, der einen Vater hat, welcher nicht mit den begehrten Buchstaben W,D,R oder S anfängt und eine Mutter, deren Abstammung bei Trakehner Freunden und Züchtern vielleicht noch ein wissendes und anerkennendes Nicken hervorruft, aber bei den Oldenburgern vollkommen fremd und ungewöhnlich war, die Armada der Kinder von sieggewohnten Hengsten in den Schatten stellen?
„Sind Sie der Züchter?“
Oh Gott – die hohen Herren Richter hatten mich angesprochen!
„Ähem ... äh ... ja“.
Sabine reiß Dich zusammen, dachte ich mir, schließlich stehst Du hier nur vor der Bewertungskommission des Verbandes und nicht vor dem jüngsten Gericht!
„Kann ich mal den Zettel mit der Abstammung haben?“ ... „Hallo! Kann ich mal den Zettel ...“ Ups, der meinte offensichtlich immer noch mich, also puhlte ich nervös das vom Regen durchweichten weiße Stück Papier aus der Tasche meiner Jacke und reichte es ihm.
„Es ist ein bisschen nass geworden ... ich hoffe, man kann es noch lesen“, entschuldigte ich mich und der Herr über die Prämien grinste und scherzte:“ Tja, wenn wir die Angaben nicht mehr lesen können, gibt’s halt keine Prämie“. Ich wusste nun wirklich zuerst nicht, ob er das nicht doch ernst meinte, aber da mir die Prämie noch immer so fern und unerreichbar schien, grinste ich etwas unsicher zurück.
„Abenteuer? Haben wir einen Hengst der Abenteuer heißt?“ Das Rätselraten um Amarulas Pedigree hatte begonnen.
„Und wer ist Assistent?“
„Der war HLP-Sieger in Marbach vor cirka zehn Jahren“
„Ach so, dann ist das ein Württemberger?“
„Nein, ein Trakehner“
„Mandant ... war das nicht ein Hesse? Der deckte doch in Dillenburg, oder?“
„Nein, der war zwar im hessischen Landgestüt, aber der war kein Hesse, sondern auch ein Trakehner“
„Ach – dann ist die Stute ein Trakehner!“
Bingo – dachte ich – wir sind ertappt!
„Herrliches Gesicht und wirklich eine tolle Mutterstute“
Na ja – schlich sich ein kecker Gedanke in meinen Kopf – wir Trakehner Züchter schlafen ja schließlich auch nicht auf den Bäumen.
Dann war die Musterung abgeschlossen und wir durften den Ring verlassen.
Zu meiner Verblüffung ließ sich Amarula nun ganz brav einfangen und aufhalftern, was mich zu der Überzeugung brachte, dass er vielleicht ein Zuhausebengel und Auswärtsengel zu sein scheint, was im Prinzip ja auch gar nicht so verkehrt ist, wenn man bedenkt, dass man sich zuhause nicht so leicht blamiert, wie wenn das Publikum zuschaut.
Unser nun folgender Auftritt war der Gesamtring, was bedeutete, das nun noch einmal alle Stuten mit den Fohlen unseres Ringes begutachtet werden sollten und wir noch einmal der Aufforderung folgen mussten, unserem Fohlen das Halfter auszuziehen.
„Rin in de Kartoffeln, rus us de Kartoffeln“ zitierte ich meine Omi, Gott hab sie selig, die diesen Spruch stets benutzte, wenn ihr Mann, mein Opa, Gott hab ihn genauso selig, sich nicht so recht entscheiden konnte, was er nun wollte und genauso kam mir das mit dem „Halfter drauf – Halfter aus“ nun auch vor.
Vorsichtshalber positionierte ich mich direkt hinter Zauberglück, deren Zügel nun Micha wieder in der Hand hielt und ihrem direkt an ihrer Seite marschierenden Söhnchen, denn in der Vergangenheit hatte ich oft unschöne Szenen beobachten können, wenn die kecken älteren Pferdekinder die anderen Fohlen zum Spiel auffordern wollten und dabei gefährlich nah an die fremde Pferdemama gerieten.
Also hielt ich es für besser, als Abstandhalter für Zauberglück und ihr Kind zu allen anderen Pferden zu fungieren, indem ich meine Touchiergerte warnend schwenkte.
Vielleicht motivierte das Amarula zusätzlich, denn unser kleiner Rappe stolzierte mit hoch erhobenem Köpfchen über den Platz, als wäre er sich der Wichtigkeit seiner ersten Schönheitskonkurrenz absolut bewusst.
„Folgende Fohlen erhalten die Fohlenprämie“ ... meine Knie wurden butterweich ... „Nummer 190, Hengstfohlen von Abenteuer, aus einer Mutter von Assistent, geboren am 16. Mai ...“
Mein Begeisterungsschrei erschreckte nicht nur den armen Hengst an meinem Strick, sondern war ganz sicher als sehr unprofessionell von den erfolgsgewohnten Züchtern zur Kenntnis genommen worden, aber als ich die ersehnte Plakette in den Händen hielt, da war mir jede Meinung egal, denn wir hatten die erste Prämie in Oldenburg erhalten und das allein zählte.
Das Brennen war noch einmal ein Beweis für uns, dass wir mit Abstand das beste Fohlen auf dem ganzen Platz unser eigen nennen durften, denn der Brennmeister schüttelte bedenklich den Kopf, als er die dichte lange Wolle auf Amarulas Hinterschenkel betrachtete und meinte: So wird dat nix. Da verbrennen wir ja nur den Pelz und den Brand sieht man hinterher gar nicht. Dat hilft alle nix, den müssen wir scheren“.
Ich glaube dass mir die Knie mehr zitterten als unserem Fohlen, denn der nahm da Surren und Kitzeln auf seiner Hinterhand mit der stoischen Gelassenheit, die er bereits den ganzen Nachmittag zur Schau getragen hatte und als das Eisen auf seine Haut traf und es gewaltig qualmte und nach verbrannten Haaren stank, schaute er sich nur um, als wollte er fragen: „War ich das?“
Am Anhängerplatz angekommen, standen die ersten Züchter, welche die Heimreise antreten wollten vor den Rampen ihrer Anhänger und versuchten mehrheitlich erfolglos Stuten und Fohlen zu verladen.
Da Micha und Thomas mich ja nicht brauchten, weil Zauberglück sowieso immer problemlos in jedes Gefährt einsteigt, seit sie als Jungpferd erkannte, dass darin immer Futter auf sie wartet und Amarula bereits bewiesen hatte, dass auch er den Anhänger über die Rampe ohne Furcht betritt und ihn vermutlich für eine Art fahrenden Pferdestall hält, bot ich den Leuten meine Hilfe an, die sie auch dankbar annahmen.
Ihr Angebot nun mir zu helfen, nachdem wir ihre Stuten und Fohlen sicher verwahrt hatten, lehnte ich dankend ab und wies auf unser bereits startklares Gespann, in dem Mutter und Sohn auf die Abreise warteten.
Da waren dann sogar die alten Züchter sprachlos, als Amarula und sein Mutter schneller im Inneren des Pferdetransporters verschwunden waren, als sie uns ihre Hilfe anbieten konnten.
Zuhause wich der Glanz des Rappen vorübergehend wieder der Normalität und fast mussten wir annehmen, dass der Erfolg beim Brenntermin entweder Zufall oder ein einmaliges Erlebnis mit Amarula bleiben sollte, denn seine Präsentation vom Brenntermin hatte er während der Wochen danach kein einziges Mal wiederholt.
Erst als wir Zauberglück zur Follikelkontrolle in die Deckstation stellten, wo schon die Tierärztin auf uns wartete und wobei Amarula seine Mutter natürlich begleitete, durften wir noch einmal Zeuge seiner wahren Profession werden, denn als die Tierärztin gerade die Stute untersuchen wollte, klingelte ihr Handy und spielte einen Hit aus den Charts. Unser schwarzer Pferdesohn spitzte die Ohren, sein Schweiflein richtete sich auf wie eine Fahne und dann glänzten seine Augen vor Stolz und Unternehmungslust und in kadenzierter Passage setzte er seine Hüfchen zum Takt zu den Rhythmen aus dem Mobiltelefon ...
Lächelnd beobachtete die Veterinären ihn und stellte dann fest: Der tanzt eben nur zur Musik.
Ich erinnere mich so gern an meinen schwarzen Pferdesohn, dass ich merke, wie mir ein Lächeln übers Gesicht huscht, wenn er mir durch meine Gedanken galoppiert und vielleicht ist es jetzt doch ein guter Zeitpunkt loszulassen und ihn freizugeben, damit er seine neuen Freunde glücklich machen darf, ohne dass er mir gegenüber ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn er mir dabei untreu wird, denn vielleicht hat er ja noch ein Reserveherz zu verschenken und vielleicht wird sein Schatz diesmal besser gehütet als bei mir.
Loszulassen ist nun also meine Pflicht und obwohl ich den Rat des weisen Chinesen sehr ungern höre, weiß ich doch, dass man mit geballten Fäusten kein Wasser schöpfen kann, sondern die Hände öffnen muss, um sich am klaren Nass laben zu können, weil man sonst nichts erreicht, denn nur wer bereit ist etwas, was ihm wertvoll ist herzugeben, wird genügend Raum in seinem Herzen finden, etwas vielleicht noch wertvolleres – oder zumindest etwas genauso Wertvolles - dazuzubekommen und ihm einen Platz darin anbieten zu können.
Andererseits sagt es sich so leicht, dass nur wer loslassen kann, auch Platz für Neues schafft, denn nicht immer ist das Loslassen so leicht, auch wenn man weiß, dass ihm etwas Gutes, vielleicht sogar Besseres folgt.
Viel zu oft musste ich loslassen, was mir nicht auf ewig gegeben worden ist und was der Schöpfer zurückforderte, als die Zeit abgelaufen war, es bei mir zu haben.
Dann fällt es mir schwer, die Reife des weisen Chinesen zu haben und ich bin dann ganz sicher weit von dessen Weisheit entfernt, der sich nicht uneinsichtig zeigt, wie ich und alles haben und behalten will und dem das Loslassen so viel leichter zu fallen scheint, als mir.


16 Kilo ...

Doch dann frage ich: Hat dieser Kluge, und ach so weise China-Mann je geliebt?
Weiß er wirklich, wie schwer das Loslassen ist?
Musste er je Ketten um schlanke, kalte Fesseln legen und die sterbliche Hülle einer Pferdeseele, mit dem Trecker aus der Box ziehen?
Oder das Einverständnis zum Erlösen geben, wenn das Leiden dem geliebten Tier unerträglich wurde?
Weiß er wie unsagbar schwer 16 Kilo wiegen können, wenn das Lebenslicht in ihnen erlosch, die Seele zurückkehrte zum Schöpfer, bevor man es willkommen heißen durfte?
16 Kilo ....
Es sind 16 Kilo, die einem zweifeln lassen, dass Gott uns liebt.
Es sind 16 Kilo, die das Fohlen wiegt, am Ende des achten Monats der Trächtigkeit.
Es sind die schwersten 16 Kilo, wenn man sie, kalt und leblos, in eine Schubkarre hebt und dabei Abschied nehmen muss - von einem Leben, das nie wirklich hat beginnen dürfen.
Es sind die schwersten 16 Kilo, die abgedeckt darauf warten, ihren letzten Weg im Kadaverwagen anzutreten ...
Die kleinen Hüfchen lugen unter der Plane vor, unter der sich so viel Hoffnung nicht erfüllte.
Der große Wagen fährt vor und wieder scheinen 16 Kilo so schwer zu sein und noch schwerer ist das Herz des Züchters.
Der Greifer senkt sich herab und umschließt den kleinen, zarten Körper.
„Nein!“
Ich will schreien und kann es nicht.
Ihr dürft das nicht tun!“
Ich will es nicht zulassen.
„Ihr tut ihm weh!“
Langsam schwebt der Arm des Kadaverwagens hinauf und ein dumpfer Aufschlag ist der letzte Gruß, das letzte, was noch einmal an 16 Kilo erinnert, nachdem der Greifer das Bündel Pferd losgelassen hat.
Es ist der Moment in dem man als Züchter seinen Schöpfer fragen möchte:“ Warum Herr hast Du sie Leben empfangen lassen, wenn Du es dieser Stute dann verwehrst, es zu gebären, um stolz ihr Fohlen an ihrer Seite zu führen?".
Und es sind dunkle Momente, aber alles im Leben hat einen tiefen Sinn. Und irgendwann werden wir ihn wohl verstehen, aber diese 16 Kilo sind die, die am schwersten wogen...
Es waren die 16 Kilo des namenlosen Pferdekindes, das seelenlos geboren wurde, denn als es ankam, war es bereits zurückgekehrt.
Es waren die 16 Kilo, die so leicht zu bergen und doch kaum zu tragen waren, weil die Last des Schmerzes um das verlorene Lebenslicht mich in die Knie zwangen.
Ich habe oft über unser seelenlos geborenes Pferdekind nachgedacht und heute glaube ich, dass ich es vielleicht ahne, welcher Sinn darin lag.
Nicht in allem, das wir uns wünschen liegt Gottes Segen.
Manchmal, wenn wir uns etwas so sehr wünschen, dass uns der Schöpfer die Freude nicht verwehren will, dann lässt er es wahr werden, doch nicht in jedem Glück liegt die Ewigkeit und so ist es manchmal ein Funke der nur ganz kurz bestimmt ist, uns einen Moment das Sein zu erhellen, nur für diesen kurzen, vergänglichen Augenblick, um dann zu verlöschen.
Es fällt schwer, dann dankbar zu sein für das ganz kurze, so schnell vergangene und verblichene Glück, denn es gehabt zu haben und dann wieder zu verlieren ist doch so viel schwerer, als es nie gekannt zu haben.
Man vermisst nur, was man hatte.
Was man nie besaß, das fehlt einem auch nicht.
Vielleicht war es mir nie bestimmt, das Fohlen zu haben, doch ich wollte es doch so sehr.
Vielleicht war auch Zaubernacht mir nie bestimmt und folgte lieber dem Schatten des Todes als ihren neuen Herren.
Vielleicht war es auch nie bestimmt, dass wir Sambuco kaufen, doch auch ihn wünschten wir von ganzem Herzen.
Alle drei hat Gott uns gewährt, um uns mit der Erfüllung unserer Wünsche zu erfreuen und doch gehörten sie uns nicht und waren nicht für uns vorgesehen.
Vielleicht sollte ich also dankbar sein, dass uns wenigstens die kurze Freude gewährt wurde?
Wer nicht durch Freude lernt, der lernt durch Leid.
Habe ich mit meinem Wunsch Sambucos Leiden verursacht?
Musste er sterben, weil ich begehrte, was mir nicht zustand?
Würde er, wenn wir ihn nicht gewollt, ihn nicht gekauft hätten, noch leben?
War es das Schicksal, welches und keinen langen, gemeinsamen Weg vorsah?
War es eine Chance, die Gott mir bereitwillig gab und für welche die Zeit nur mir zu kurz schien, sie zu erkennen?
Oder war das Band, welches unsere Wege verknüpfte einfach nicht gemacht, auch für die Ewigkeit zu halten, weil ich es mir unrechtmäßig angeeignet hatte und es jemandem ganz anderen gehörte?
Ich weiß es nicht und doch fühle ich mich schuldig, weil ich ohnmächtig mich der Macht des Todes beugen musste, die ihn mir fortnahm und ihr nichts, gar nichts entgegenzusetzen hatte, das stark genug gewesen wäre, sein Leben zu retten ... oder den Kampf verlor, weil ich zu schwach war?
Wie oft habe ich mich gefragt, ob ich etwas zu verändern im Stande gewesen wäre oder ob er es einfach bestimmt hatte, der, der Leben schenkt und Leben nimmt, dass die Zeit des Loslassens gekommen ist, als Sambucos Uhr abgelaufen war, doch es fällt mir schwer, seinen Entscheid klaglos zu akzeptieren und viel zu oft hadere ich mit ihm und fordere mehr Kompromissbereitschaft oder wenigstens eine Erklärung, weil es doch immer zu früh und nie richtig scheint, wenn man Abschied nehmen muss.
Doch es nutzt nicht zu jammern und zu klagen, denn an der Schwelle der Dunkelheit zum Licht gibt es kein Verhandeln mit dem Schöpfer und auch kein Umkehren, doch ich bin ganz sicher, dass das nicht das Ende ist, sondern ein neuer Anfang und darum schicke ich all denen, die und vorausgegangen sind in dieser Nacht meinen Gruß zum Beginn eines neuen Jahres und ich flehe den Schöpfer an: „Mach es stark, Herr, mach es stark das Band der Liebe, auf dass es niemals mehr zerreißt und ich sie alle wiederfinden darf, wenn Du es für richtig hältst.“


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Geh Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterläßt und nicht nur Staub
Antoine De Saint-Exupéry

forsthof-antaris Offline

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18.06.2009 13:45
#3 RE: Sambuco -Rede an einen König und weitere Geschichten Zitat · Antworten

Sternschnuppen ...

Eine feuchte Kälte kriecht an mir hoch und ich fröstle, aber es zieht mich trotzdem noch nicht ins Haus, denn ich spüre, dass ich in diesen frühen Morgenstunden des neuen Jahres Zeit hier, inmitten der Natur, brauche, um allein zu sein, meinen Gedanken nachhängen zu können und vielleicht Frieden zu schließen mit den vergangenen zwölf Monaten und das Gute zu finden, was in all den schweren Aufgaben doch auch steckte, denn wie sagte schon Albert Einstein: „In jeder Schwierigkeit steckt auch eine Möglichkeit“, und manchmal muss vielleicht etwas geschehen, das uns im ersten Moment wie ein großes Unglück vorkommt, aber wenn wir irgendwann an diese Zeit zurückdenken, dann stellen wir fest, dass daraus eine wunderbare Chance wuchs. Und so verzeihe ich der Vergangenheit und bitte sie, auch mir zu verzeihen, wenn ich ungerecht und kurzsichtig urteilte.
Aber ich brauche diese Zeit in jeder Sylvesternacht auch, um mich von meinem alten Jahr zu verabschieden, wie von einem liebgewonnen Freund, der einem glückliche Momente schenkte, überraschende Augenblicke, freudige Ereignisse – aber auch dunkle Zeiten der Trauer, der Verzweiflung und der Resignation. Und trotzdem danke ich nun dem vergangenen Jahr auch von ganzem Herzen dafür, denn sind es nicht gerade die weniger frohen Tage, die einem reifen lassen und uns lehren, dass alles vergänglich ist?
"Zum Augenblicke dürft' ich sagen: Verweile doch, du bist so schön!" lässt der Dichterfürst Goethe seinen Faust bitten, kurz bevor dieser dem Tod ins Auge blickt, der wohl um die Kostbarkeit des Moments weiß, denn er versprach Mephisto seine Seele dafür.
Wann wird die Zeit wertvoll, wann erscheint sie uns sinnlos vertan?
Aus der Vergangenheit zu lernen, um sinnvoll die Zukunft zu planen, ist das der Weg zum Ziel?
Doch ist nicht der Weg das Ziel?
Kann man Zeit wirklich planen?
Oder verplanen wir unser Leben und verstellen uns damit den Blick für die kleinen Überraschungen, die uns dem Alltagseinerlei entfliehen lassen?
Das Unvorhergesehene, die spontane Entscheidung erfordert Mut und die Konsequenz unserer Entscheidung erfordert oft Stärke. Doch dahinter verbirgt sich auch die Erfüllung und das Erleben jeden neuen Tages mit allen schönen und mit allen nachdenklichen Stunden. Zeit zum Träumen und zum Nachdenken
Uns so ist dieser Moment, wenn das vergangene, alte Jahr Abschied nahm und damit dem noch jungen und so verheißungsvollen neuen Jahr einen letzten Gruß schickt, bevor es ihm seinen Platz endgültig räumt, für mich ein guter, stiller Moment der Hoffnung und Freude, aber auch der Wehmut und des Loslassens und der Begegnung mit dem, was nun hinter uns liegt und gelebt ist.
Ich lasse die kostbaren, die wertvollen, die hoffnungsvollen, die schönen, die bereichernden, die beglückenden Stunden noch einmal Revue passieren, an die ich mich gerne und mit einem Lächeln der Zufriedenheit erinnere, aber auch die dunklen, die traurigen, die schweren, die tragischen und die enttäuschenden Stunden ziehen in meiner Erinnerung an mir vorbei und fordern beachtet zu werden ... nicht um sie nach ihrem Gewinn oder Verlust für mich bewerten oder zu sie zu bereuen ... dazu ist es sowieso zu spät, denn was geschehen ist geschah und die Zeiger der Lebensuhr lassen sich nicht einfach zurückstellen, um zu verändern, was uns im Nachhinein falsch erscheint und Entscheide, die keinen Erfolg brachten zu revidieren.
Und so tun wir gut daran, uns nicht selbst zu quälen, indem wir uns wünschen, sie rückgängig machen zu können oder verpasste Chancen bedauern, sondern indem wir sie lernen, in der Zukunft zu erkennen und zu ergreifen und sie nicht wieder ungenutzt verstreichen lassen, wenn sie sich uns anbieten.
Ein neues Spiel - ein neues Glück. Das ist das Versprechen das uns jeder Anfang gibt, solange ihm der Zauber des Unbekannten noch innewohnt.
Mit dem alten Jahr konnte ich meinen Frieden schließen, aber mit Gott scheint es an der Zeit, noch ein Hühnchen zu rupfen, denn mit ihm hadere ich noch, weil er meiner Meinung nach einiges anordnete, was verbesserungswürdig gewesen wäre und was ihm, fragte er mich, so gar nicht gelungen ist.
Vielleicht ist es nicht gut, zu Gott ein so legeres Verhältnis zu pflegen und vielleicht fehlt mir die Einfalt des Glaubens in meinem Herzen, aber manchmal muss ich ihm meinen Groll mitteilen, damit ich ihm danach auch wieder mit leichtem und befreitem Herzen danken kann, dass die guten Tage doch so zahlreich waren und er seine Engel vermutlich viel öfter als es uns bewusst war losschickte, um uns zu beschützen und vor dem Unheil zu bewahren, das uns vielleicht bedrohte, ohne das wir es nur ahnten.
Vielleicht bin ich aber trotzdem oft undankbar und es ist Zeit, dass ich mich nun bei ihm entschuldige und so falte ich meine Hände zu einem Gebet, damit er nun auch im neuen Jahr nicht vergisst, die seinen über uns zu halten und über unsere Tiere: „Herr“, flüstere ich in die Dunkelheit des wolkenverhangenen Himmels, „wenn Du mich hörst, dann verzeih mir bitte, wenn ich Dir im letzten Jahr vorwarf, dass Du Deinen Job, uns zu behüten und zu beschützen nicht bemüht warst gut zu erledigen, denn ich weiß, dass Du so viel für uns getan hast, für das ich Dir nun danken will und Herr, lass dieses Jahr wieder ein Gutes werden. Lass uns gesund bleiben und schicke uns immer die Kraft und den Mut, im Glauben an Dich positiv nach vorne zu blicken und hilf uns, wenn wir an unserem Ziel zweifeln, Dir zu vertrauen, damit Du uns auf Deinem Weg führst. Lass uns stark sein, wenn die Versuchung uns lockt und ihr widerstehen und schenke uns Vergebung, wenn wir den rechten Pfad verlassen haben. Lass uns reifen an unseren Aufgaben und wenn wir uns in der Tiefe zu verlieren drohen, dann gib uns die Freude und die Hoffnung, um uns an ihnen aufzurichten, damit wir die Höhen wieder finden, die uns zu Dir führen ... und Herr, Du hast uns unsere Tiere in unsere Verantwortung gegeben und ich danke Dir, dass sie uns begleiten dürfen, auch wenn die Zeit, die uns mit ihnen hier gegönnt ist, mir doch oft als viel zu kurz erscheint ... ich weiß, dass Du ihnen eine Seele gegeben hast und sie zurückschickst zu uns in einem neuen Kleid, wenn sie es wünschen, aber Herr, wenn ich Dich heute noch um etwas bitten darf, dann lass sie alle noch lange bei uns bleiben und ruf keinen von ihnen zu Dir in diesem neuen Jahr ... und die, die uns nicht begleiten, weil sie dazu bestimmt wurden, nun anderen Menschen Freude zu bereiten, die Herr lass bitte auch in diesem Jahr, wo immer sie sein mögen, stets in vollen Krippen schmausen und schenke ihnen immer eine Hand, die sie streichelt und jemanden, der sie versteht, auch wenn er ihre Sprache nicht spricht. Lass alle Zeit zärtliche Worte in ihren Ohren klingen und nicht Geschrei und schütze sie vor groben Menschen und Reitern, die ihre Flanken mit Sporen verletzen und deren Fäuste die Zügel hart und unerbittlich führen und die das metallene Gebiss gegen ihre zarten Maulwinkel zerren, denn Du hast sie geschaffen, nicht nur um uns, sondern auch um ihnen Freude zu geben ... darum bitte ich Dich, beschütze auch die, deren Gebete stumm zu Dir aufsteigen und lass mich in ihrem Namen für sie um ein gutes neues Jahr bitten ... Amen.“
Über mir verdunkelten Wolkengebirge den Himmel wieder, während ich zu ihm sprach, doch jetzt reißt ihr dichtes Grau, dass mir den Blick zu Mond und Sternen verwehrte auf und durch eine kleine Lücke sehe ich einen strahlend hellen Punkt inmitten des nachtblauen Firmamentes. Funkelnd steht er dort, als würde er noch zögernd verharren, um sich zu sammeln für einen Sprung, der seinen ganzen Mut fordert ... und dann fällt er tatsächlich. Für einen kurzen Augenblick flackert sein Licht heller als zuvor und ein golden glänzender Streifen beschreibt die Bahn seines freien Falles ... bevor er sterbend für immer erlischt und Dunkelheit zurückbleibt, wo er gerade noch geleuchtet hat.
Ob Gott mir als Zeichen dafür, dass er mir zuhörte und mir meine Wünsche erfüllen will diese Sternschnuppe schickte?
Wenn es so wäre, dann würde ich mich natürlich freuen, auch wenn mein Herz gerade schwer ist von Traurigkeit, weil ich dann schuld war, dass ein Komet in der Ewigkeit verglühen musste.
Doch vielleicht, und das möchte ich nun gerne glauben, ist es mit den Sternschnuppen wie mit den Silvesterfeuerwerken ...
Vielleicht ist es ihre Bestimmung.
Vielleicht ist es der eine, der perfekte Augenblick für den sie ausgesucht sind, ihn in unserer Erinnerung mit ihrer unwiederbringbaren und so einmaligen, weil vergänglichen Pracht unvergesslich zu machen, in welchem sie ihre Erfüllung finden, ihre höchste Freude noch einmal mit überirdischem Leuchten und Strahlen zum Ausdruck bringen dürfen, bevor sie wieder eins werden mit der Ewigkeit.
Der Gedanke ist mir so schön, so tröstlich und gut, dass ich mit einem Mal sicher bin, dass Gott uns all seine Wunder und auch die Sternschnuppen schickt, um uns damit zu sagen, dass er uns liebt.
Man muss seine Zeichen nur bereit sein zu sehen, um es zu wissen.


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Geh Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterläßt und nicht nur Staub
Antoine De Saint-Exupéry

Lajana13 Offline

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Beiträge: 1.063

18.06.2009 16:22
#4 RE: Sambuco -Rede an einen König und weitere Geschichten Zitat · Antworten

Ich danke dir für die Sambuco Geschichte meine Gefühle gingen hoch und runter. Schmunzeln, weinen und lachen...
Ich kann es mir lebhaft vorstellen. Wenn ich Strahli jetzt angucke, sehe ich bestimmt wieder öfter seinen Vater in ihm
Er hat eine kräftige Portion von ihm abbekommen... auch wenn ich ihm seine "Späßchen" eh nie wirklich übel nehmen kann!!

Es hat hier nie einen anderen "fremden" Hengst als Vater unserer Fohlen gegeben... Blanche ist Sambuco auf die endlosen Weiden gefolgt Wir hatten sie, nachdem es Sambuco nicht mehr gab, von einem anderen Hengst decken lassen. Blanche verstarb mit Fohlen im Bauch - einfach so! Eine 16 jährige,gesunde Stute. Es sollte einfach nicht mehr sein...

Gruss
Jenny

bunte Hubsi Offline

Moderatorin


Beiträge: 1.633

19.06.2009 11:33
#5 RE: Sambuco -Rede an einen König und weitere Geschichten Zitat · Antworten


Liebe Sabine,
ich liebe deine Geschichten,
auch wenn dann mal die eine,
oder andere Träne kullert.....
und ich finde mich sehr oft wieder.
Liebe Grüße
Petra

G.S.Sharif Offline

Elite


Beiträge: 383

23.06.2009 21:27
#6 RE: Sambuco -Rede an einen König und weitere Geschichten Zitat · Antworten

Danke für die schönen Geschichten bzw danke, dass du uns in dieser Form an deinen Erinnerungen teilhaben lässt.
Sobald dein Buch draußen ist werde ich es mir kaufen. Die von dir geschriebenden Zeilen lesen sich einfach wunderbar.
Ich wünsche dir ganz viel Glück, Freude und Erfolg auf dem Weg den du jetzt eingeschlagen hast.

LG Franziska

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