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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 727 mal aufgerufen
 Rund um Zucht und Aufzucht
martina ( Gast )
Beiträge:

28.11.2005 17:15
Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten

Hallo Leute,

Ich besitze einen Araber-Pinto Hengst, der nächstes Jahr im April (am 1 April ein Aprilscherz) 2 Jahre wird.
Er steht im Moment bei einer Aufzucht, dort ist es echt sehr schön.
Aber leider ist es ein ganz schönes Stück zum fahren hin und zurück sind es von mir aus (120km) bis zu ihm, daher kann ich ihn leider nur ein mal in der Woche besuchen, oder ein mal alle zwei Wochen.
Hatte nächstes Jahr so im Juni oder Juli vor ihn zu hollen, in einen Stall der von mir nur (20km) entfernt ist, klar kommt er in dem Stall auch auf Koppel mit anderen Pferden (jeden Tag), und er hat auch eine Große Paddockbox.
Er ist dann 2 Jahre und 3Monate.

Und jetzt meine Frage: Wie denkt ihr darüber ist das zu früh, ihn zu hollen

Liebe Grüße Martina

jeanne Offline

Moderatorin

Beiträge: 1.365

28.11.2005 18:35
#2 RE: Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten

warum willst du ihn denn da wegholen wenn es doch so schön ist???Warum mußt du denn jede Woche hinfahren?
Ich bin der Meinung das Jungpferde so lange wie möglich in der Herde bleiben sollten. Du tust ihm sicher keinen Gefallen wenn du ihn mit 2J. schon holst,und ihn in eine Paddokbox stellst.
Wir haben unsere Jungen auch zur Aufzucht weg gebracht und dort bleiben sie bis 3J. denn vorher anzufangen, wenn es nicht ein Körkandidat ist ,sollte man echt nicht tun.
Bei uns wird es auch nicht gern gesehen die Jungpferde ständig aus der Herde zu holen um sie zu putzen usw. Das bringt nur Unruhe.
Du solltest dir über legen was besser für dein Pferd ist und nicht für dich!
LG.

martina ( Gast )
Beiträge:

28.11.2005 21:27
#3 RE: Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten

Hallo momo,

also deine Frage warum ich jede Woche dort hinfahre, verstehe ich nicht sorry.
Ich kaufe mir ja nicht ein Fohlen ,stelle es zur Aufzucht, und wenn er dann so weit ist (3Jahre) holl ich ihn .
Dann kann ich mir auch einen 3 Jährigen kaufen.
Ich habe mir wieder ein Fohlen gekauft weil ich finde, das das die schönste Zeit ist, es aufwachsen zu sehen, ihm alles bei zu bringen, mann hat zu diesem Pferd dann auch eine ganz andere beziehung.
Ich habe schon Pferde gesehen die mit drei Jahren von ihren Besitzern geholt werden, überhaupt keine beziehung zum Menschen haben,(außer ab und zu den Hufschmied oder Tierarzt sehen) und dann total überfortert werden.
Sowas möchte ich meinem Pferd ersparen, denn er kennt schon viel, läßt sich ohne Propleme Putzen, mann kann ihn Führen ohne geziehe usw..., und ich denke das auch Fohlen eine gewisse erziehung geniesen sollten.
Dann hat mann, und das Pferd es auch irgend wann mal leichter, wenn mann ihn dann weg holt, und mit ihm richtig anfängt zu arbeiten, denn er kennt mich und hat zu mir auch ein gewisses Vertrauen aufgebaut, (das auch sehr schön ist,und du zu keinem anderen Pferd so aufbaust) und sieht dann die neue lage auch nicht sooo schlimm.
Und wenn ich ihn hole kommt er natürlich wieder in eine Herde.
Ich Verstehe auch nicht warum es Unruhe reinbringt, wenn mann ein Fohlen von der Weide holt, also wenn ich zu meinem auf die Koppel gehe, und die ist sehr Groß, dann bleibe ich stehen wenn ich ihn sehe, ich rufe ihn und er kommt dann zu mir vor Gallopiert, aber die anderen stört das überhaupt nicht.

Und du hast geschrieben, ich sollte mir überlegen was besser für mein Pferd ist, und nicht für mich:
Ich denke das das für mein Pferd besser ist, und für mich auch.

Liege Grüße Martina

jeanne Offline

Moderatorin

Beiträge: 1.365

28.11.2005 21:57
#4 RE: Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten

Naja, wenn du doch schon weist was für dich und ihn besser ist warum setzt du dann deinen Bericht ins Forum???

martina ( Gast )
Beiträge:

28.11.2005 22:10
#5 RE: Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten

Hallo momo,

also meine Frage war ja, ob es denn zu früh wär ihn nächstes Jahr zu holen, und du hast geantwortet mit ja, so habe ich es verstanden.
Deine Meinung Akzeptiere ich ja, deswegen habe ich ja gefragt um meinungen zu hören.
Und sonst habe ich ja nur auf das geantwortet was du geschrieben hast, und wie ich so denke, und dafür ist ja das Forum da oder, um sich auszutauschen.

Liebe Grüße Martina

jeanne Offline

Moderatorin

Beiträge: 1.365

28.11.2005 22:28
#6 RE: Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten
ZITAT:Ich denke das das für mein Pferd besser ist, und für mich auch.

Ich bin jetzt davon augegangen.

martina ( Gast )
Beiträge:

28.11.2005 22:50
#7 RE: Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten

Hallo momo,

also ich denke doch, das jeder selber weiß was für sich und sein Pferd das beste ist.
Aber das war auch nicht die frage, und ich verstehe nicht warum du schreibst warum ich denn, den Bericht ins Forum setze.
Wie gesagt das Forum ist ja dazu da um sich auszutauschen, und ich habe es ja in keiner hinsicht Böse gemeint, falls du das so aufgenommen hast.
Das ist meine meinung und meine erfahrung, und ich denke das Forum ist ja da um meinungen auszutauschen, und das ist ja schön so.

Liebe Grüße Martina

forsthof-antaris Offline

Forum-Verdienstkreuz Bronce


Beiträge: 1.351

29.11.2005 00:16
#8 RE: Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten

Liebe Martina,
wir hatten immer wieder Fremdfohlen zur Aufzucht in unserer Junghengstherde. Sie wurden morgens früh aufgehalftert, am Freßplatz angebunden und gefüttert. So fraß der Stärkste dem Schwächsten das Futter nicht weg und jeder erhielt die ihm zugedachte Portion. Wenn der letze im Glied sein Frühstüchk auf hatte, wurden alle wieder losgebunden und die Halfter abgenommen. Dann wurden sie abends zur Futterzeit wieder aufgehalftert, angebunden, gefüttert, abgehalftert und losgebunden. Dazwischen gab es Heu satt auf mehrere Stellen des Paddocks verteilt, dass alle in Ruhe fressen konnten.

Die Fohlen lebten auf einem großen Paddock, das im Notfall unterteilt werden konnte, wenn die Fohlen einzeln gebraucht wurden, weil sie sich verletzt hatten und der TA kam. Aber es bestand jederzeit Sichtkontakt zur Herde. Auf dem Paddock steht eine Weideschutzhütte unter der die ganze Herde bei schlechtem Wetter Zuflucht fanden. War der Schmied da oder die Wurmkur war fällig, wurden alle aufgehalftert und angebunden. Die Hufe wurden berundet oder korrigiert oder die Wurmkur verabreicht. Im Frühjahr wurden sie jeweils zu zweit aufgeladen und zur Sommerwiese gebracht, wo wir täglich nach dem Wasser sahen und die Beine kontrollierten. Ansonsten lebten sie "wild".

In der Herde gab es ein Fohlen, dessen Besitzer auch jede Woche kamen, es aus der Herde holten, putzten und in der Halle laufen liessen, weil sie sehen wollten, ob er sich noch immer gut bewegt. Jedes Mal wenn der Zwerg wieder in die Herde zurückkam, wurde die Rangfolge wieder klargestellt und da er sehr rangniedrig war, gab es immer Stress. Irgendwann fing das Fohlen an zu koppen. Koppen ist u.a. ein Ausdruck von Stress und die Endorphine die beim "Rülpsen" freigesetzt werden, beruhigen das Pferd und machen es glücklich.

Gibt Dir das zu denken?

Du kannst mir glauben, keines der Pferde war schwierig im Umgang oder machte Probleme beim Anreiten oder stellte die Dominanz des Menschen über die Gebühr in Frage. Sie hatten in den ersten sechs Monaten gelernt, das der Mensch Chef ist. Zum einen weil die Mütter sehr gut erzogen sind, und das ihren Kindern weitergeben und zum anderen, weil wir den Fohlen im ersten halben Jahr lernen, am Halfter zu gehen, stehen zu bleiben und angebunden zu warten. Sie kennen das Aufladen auf den Anhänger, den Schmied, den Tierarzt, die Wurmkur und verbinden diese Erfahrungen nicht mit etwas Schlechtem.

Zweieinhalbjährig werden die Köraspiranten mit Trense, Gurt und dem Freispringen und Pflastermustern vertraut gemacht. Sie sind nachts in Boxen untergebracht und laufen tagsüber in einer eigenen Gruppe, die etwas früher reingebracht wird, damit mit jedem Pferd 10-15 Minuten gearbeitet werden kann.

Die zukünftigen "Wallache" stehen bis zum Ende des dritten Lebensjahres zusammen im Offenstall, werden im Winter gelegt und wenn sie sich erholt haben, angeritten.

Unsere Hengstlein sind sehr menschbezogen und können von unserer 14 jährigen Tochter gehandelt werden, obwohl wir sie nie putzen ( das würde die Fettschicht im Fell, welche vor Nässe und Kälte schützt zerstören)oder mit ihnen das Vorführen üben. Sie sind sehr gut sozialisiert und da den Winter durch als Althengst unser Bravi über das Jungvolk wacht, sind sie hervorragend erzogen. Wir könnten nichts besser machen und Du kannst gerne Kunden von uns fragen, die Jungpferde von uns kauften oder zur Aufzucht bei uns hatten, ob es je Probleme gab, weil sie nicht betüddelt oder geputzt wurden und ...
die Röntgenbilder sind immer erste Sahne! Keine Chips, keine degenerativen Veränderungen an den Gelenken.

Wenn ich Zeit habe, setzte ich mich an eine stille Stelle ausserhalb des Zaunes und freue mich über meine Kinder. Ich sehe, wie sie kämpfen und spielen und ich freue mich an ihrer Lebenslust. Aber eben - als Beobachter und ich greife nicht in die Hierarchie der Herde ein, indem ich ein rangniederes Pferd bevorzugt behandle.

Ich hoffe ich konnte Dir helfen
Sabine

forsthof-antaris Offline

Forum-Verdienstkreuz Bronce


Beiträge: 1.351

29.11.2005 03:01
#9 RE: 2. Teil Fohlenweide - wie lange? Zitat · Antworten

Ich kann Dir nun auch ein Beispiel aus unserer Anfangszeit geben, als wir gerade unser erstes Haus mit Stall in der Schweiz gekauft hatten und mein damals 6-jähriger Trakiwallach sollte nicht allein im Stall bleiben. Aber selbstverständlich wollte ich mein neues Pferd von Anfang an begleiten und es nach meinem Gusto erziehen und keine Altlasten vom Vorbesitzer übernehmen. So kaufte ich mir 1994 ein Trakehner Rappfohlen von Kostolany aus einer Stute von Iglesias, deren Sohn Raventes v. Buddenbrock (also ein Halbbruder meines Regius) im letzten Jahr gekört wurde. Als ich ihn abholte, hatte ihn ein 2-jähriger Wallach, zu dem er nach dem Absetzen gestellt worden war, derbe in den Rücken gebissen. Die Wunde hatte sich entz+ndet und eiterte und zuhause kam erstmal eine Woche lang jeden Tag der Tierarzt, der die Sache reinigte, desinfizierte und mit Salbe versorgte. Dazu mussten wir Regius nach ein paar Tagen sedieren, denn er hatte starke Schmerzen und der Tierarzt genoss sein ganzes Misstrauen. Mittlerweile war es Winter geworden und die Wunde hatte sich geschlossen und es wuchs auch wieder Fell. Weil unser Pferdejunge bis zu dem Zeitpunkt aufgrund der Verletzung nicht in einer Junghengstherde gestanden hatte, sondern mit meinem Wallach und den Wallachen des Nachbarn zusammen lief, aber in der Box alleine stand, wurde er immer frecher und die Wallache waren nur noch auf der Flucht vor dem Rabauken. Allerdings wollte ich mein gerade gesundetes Fohlen nun auch nicht wieder in eine Herde mit halbstarken Gleichaltrigen stecken, weil ich Sorge hatte, dass er sich vielleicht nicht würde behaupten können, als Neuankömmling in einer gewachsenen Herdenstruktur. So beschöftigten wir uns viel mit ihm und Regius ging als Jährling bereits als Handpferd mit ins Gelände und wartete in der nahe gelegenen Reithalle brav, bis ich mit dem Training des Wallachs fertig war und es wieder auf den Anhänger ging Richtung Heimat. Im Frühling wurde unser Rappe dann sehr renitent, denn die Wallache tanzten alle nach seiner Pfeife und niemand gebot seinem Treiben Einhalt. Er rannte Koppelzäune platt und besuchte die Stuten im Dorf. Es verging kein Tag, an dem nicht irgend ein Züchter im Ort anrief, unser Hengstlein stände zur Abholung bei ihm bereit. Wir entschlossen uns, einen Jährling dazuzuholen und wurden bei einem Traberzüchter fündig. Leider war "Ferris" kein Gegner für ihn, sondern eher ein Opfer und sein Selbstbewusstsein wuchs stetig, denn er war nicht nur bei den Artgenossen, sondern auch bei seinen Menschen die Nummer 1 und er wurde geputzt, frisiert und betüddelt. Er sah nun 1 1/2jährig aus, wie ein kleines Reitpferd, denn er war von unseren Ausritten muskulös, denn entweder ritten wir den Berg hinauf oder hinunter und stand im Lack, denn keiner kämpfte gegen ihn und verpasste ihm die bei Jährlingen üblichen Macken und Schrammen. Stolz auf meinen "Black Beauty" fuhr ich mit ihm nach Bern zum Trakehnertreffen, wo er der einzige Jährling war, der vorgestellt wurde. Er benahm sich mustergültig, denn wir hatten ja alles geübt, was er zeigen sollte und so trabte er schwungvoll neben mir auf der Dreiecksbahn, schritt mit viel Takt und stand wie ein Zinnsoldat zur Musterung. Anstatt mich mit Lob zu überschütten, weil ich so einen Braven zeigte, meinten die Richter, so dürte ein Jährling nicht sein. Ich war erstaunt und fragte nach, wie sich die Richter einen Jährling wünschen. Die Antwort war:" Dreckig und zottig auf der Weide mit gleichaltrigen "Gschpönli" (schweizerdeutsch für Gefährten). Ich hielt die Leute für Ignoranten, die wohl nur neidisch waren auf meinen so adretten und wohlerzogenen Jährling. Im nächsten Winter fragte mein Rappe täglich nach, ob nicht doch er mal der Chef sein dürfte und neben blauen Flecken und Huftritten biss er wie ein Schäferhund. Alles was er nicht hatte mit seinen Kumpels austragen können, versuchte er nun bei mir. Er wollte seine Grenzen gesteckt bekommen, aber keiner hatte die Kraft und später auch nicht mehr den Mut (er mass mittlerweile über 1,60 m und wog locker 500 kg) ihn in seine Schranken zu verweisen. Im März wurde er zwei Jahre alt und im Mai gab ich ihn zur Vorbereitung zur Körung auf die schwäbische Alb. Regius hatte Spass an der neuen Arbeit und bot sich an, testete aber seinen Ausbilder auch ständig aus, indem er während dem Richtungswechsel beim Longieren versuchte, ihn zu beissen oder ihn an die Boxenwand quetschte beim Putzen. So hatte er nicht den besten Ruf. Die Körkommission zeigte sich erwartungsgemäß beeindruckt, von der schwarzen Perle, wollte ihn aber nur zur Körung zulassen, wenn er auch über die anschliessende Auktion gehen sollte. Das wollte ich aber auf keinen Fall! So reiste unser Rappe im September zu Herrn Keller nach Bad Bevensen, wo er im Winter angeritten werden sollte. Nur soviel: Die Bereiter zogen Hölzchen, wer ihn reiten musste. Im Mai, er war nun gut drei Jahre alt holten wir ihn nach Hause. Mittlerweile hatten wir den Forsthof in Niedersachsen gekauft und waren umgezogen. Für die Hengsthaltung hatten wir nun ideale Bedingungen und so wohnten auch bald 10 Hengste bei uns. Probleme machte aber immer nur Regius. Er sprang über die Zäune, stritt sich mit Sambuco oder jagte die Stuten. Das Reiten war auch nicht unbedingt erhebend, denn er nahm einen im Sattel meist gar nicht wahr und rannte rückwärts zu Sambucos Weide oder stieg oder er lief wie ein 30 Jahre alter Wallach daher, um dann, wenn man sich sicher fühlte blitzschnell loszubocken. Sein Repertoire war grenzenlos. Mittlerweile war er auch gekört worden und machte seine Arbeit auf dem Phantom sehr gut (es gibt drei Nachkommen aus jenem Jahr), bei Turnieren war er jedoch nach wie vor immer für eine Überraschung gut und verlor auch ab und an seinen Reiter, dann allerdings trabte er zu mir und ich möchte schwören, ich sah ihn grinsen, denn er hielt das alles für ein Spiel - erfunden nur zu seinem Amusement. Kurz vor Antritt bei der HLP legte er sich unter seinem Futtertrog fest und zerrte sich das Knieband. Langwierige Behandlungen und Aufbautraining folgten und der Knabe wurde immer älter und frecher. In dieser Zeit erhielten wir ein Kaufangebot. Wir spielten mit offenen Karten, keine Frage, aber trotzdem wollten die Käufer den Rappen haben. So wurde er verkauft. Allerdings wurde er auch dort zu einer Dauerbelastung für seine neue Besitzerin und er ging zu Nina Menkonian. Dort wurde er gelegt, aber seine Dominanz blieb und er musste gehen - wohin, wissen wir nicht - vielleicht ist es gut so.

Heute weiss ich, dass wir so ziemlich alles falsch gemacht hatten, was man falsch machen konnten. Unser Fohlen glich einer Barbie-Puppe und wir hatten ihm seine Kindheit gestohlen. Nie hatte er seinen Rang in der Herde erkämpfen und immer neu bestätigen müssen, denn keiner focht seine Position an, nicht die Wallache, nicht der kleine Traber und die Menschen ...? Nicht wirklich. Er genoß das Leben eines ranghohen Pferdes, als er mit diesem Privileg noch vollkommen überfordert war, denn er musste nicht hineinwachsen in diese Rolle, sondern man trug ihm sie an und er genoß die Vorteile, ohne die Nachteile zu begreifen. Verantwortung für die Herde trug er nicht, denn er war im Grunde kein Alpha- Pferd, sondern eher einer, der schon früh und schmerzhaft erfahren musste, dass er nichts zu melden hat. Er fügte sich und ergab sich, denn die Wunde auf seinem Rücken brannte und er hatte Fieber, das ihn schwächte. So kam er zu uns und mit einem Mal war alles anders. Er war Chef, und jagte die genervten Wallache wohin er wollte, frass die Futtertröge der anderen leer und war bei seinen Menschen der kleine Prinz, dem man gerne verzieh, wenn er Kaspereien machte, einen anstieg oder biss. Schließlich hatte er einen schweren Start gehabt und man gönnte ihm, dass es ihm sichtlich gut ging. Leider war er dafür nicht besonders dankbar.

Wer weiss, was aus ihm geworden wäre, wenn wir ihn trotz allem in eine Herde integriert hätten, ohne ihn zu verzärteln und ihn wie ein Reitpferd zu putzen und zu pflegen. Vielleicht hätte er gelernt sich unter zu ordnen und seinen Rang akzeptiert. Er hätte begriffen, dass der Chef der Herde nicht nur der Erste am Futter ist, sondern auch der erste, der die Gefahr erkennt und die Herde beschützt. Vielleicht hätte er es später nicht nötig gehabt seine Machtspielchen zu demonstrieren, wenn er sich seine Hörner hätte abstossen können. Wie auch immer, es war eine schmerzhafte Lektion, die uns das Leben auferlegte.

Glaube mir, ein Pferd, das eine nicht ranghohe Position in der Herde hat und dann aus der Herde genommen wird und damit eine Extrawurst gebraten bekommt, wird jedesmal wenn er zurückkommt vom "Alphapferd für den Moment, wo sein Mensch da ist" von den Kollegen auf seine Position zurückgestutzt und Du störst dadurch das gesunde Herdengefüge, das eigentlich keinem Herdenverbandsmitglied erlaubt, sich von der Gruppe zu entfernen. Etwas anderes ist es sicher, wenn die Herde aus Reitpferden besteht, die wechselweise in der Herde stehen, oder bei "Zweckgemeinschaften", bei denen immer mal einer fehlt, der geritten wird. Aber selbst bei unseren Zuchtstuten ist es jedesmal ein Akt, wenn die Fohlenstuten nach 14 Tagen, in denen die Mutter-Kind-Beziehung gestärkt wurde, wieder in die Herde integriert werden, dabei laufen sie nur durch einen Zaun getrennt neben der Herde. Aber ist der Zaun nicht mehr dazwischen geht das Gequietsche und Gekeile los. Manchmal schaue ich dann ganz schnell weg und schicke ein Stoßgebet zum Himmel. Zu Anfang versuchten wir die junge Mama am Tag nach dem Abfohlen wieder zur Herde zu stellen. Meist rannte dann aber ein orientierungsloses Fohlen kopflos und nach seiner Mutter rufend über den Platz und rutschte fast durch den Zaun oder eine Übermama schirmte hysterisch ihr Fohlen vor allem ab. Kam Bewegung in die Gruppe, verloren sich Mutter und Kind aber öfter und die güsten Stuten stahlen auch mal ein scheinbar mutterloses Kind und liessen es dann nicht mehr an die mütterliche Milchbar. Haben Mama und Baby 14 Tage Zeit zur Prägung und die Möglichkeit erst eimal alles in Ruhe und ohne Gefahr angehen lassen zu können, verliert das Fohlen seine Mutter auch im größten Getümmel nicht mehr und klebt ihr wie Pech an der Seite. Da ist der Moment der Wiederintegration in die Herde das kleinere Übel.
Dies sind allerdings unsere Erfahrungen und es gibt viele Möglichkeiten, die deswegen weder falsch noch immer unbedingt besser sein müssen.

Was bleibt, ist aber die Tatsache, dass ein junges Pferd nur in der Herde lernt sich zu sozialisieren und seinen Platz im Leben (auch mit dem Menschen)findet. Diesen Start sind wir als verantwortungsbewusster Pferdebesitzer unserem Pferd schuldig, denn ein Pferd, welches auf den Menschen geprägt ist und in ihm seine Herde sieht, wird den Menschen eben auch wie ein Herdenmitglied betrachten - im schlimmsten Fall ranggleich und respektlos.

Sabine

greenhorn Offline

Staatsprämie

Beiträge: 769

29.11.2005 08:20
#10 RE: 2. Teil Fohlenweide - wie lange? Zitat · Antworten

ich kann mich im großen und ganzen Sabine nur anschliessen. Unsere Jungpferde wachsen ebenfalls im Offenstall auf, sie werden täglich aufgehalftert und angebunden gefüttert, dies gibt eine gewisse Routine, die Pferde lassen sich gut aufhalftern und stehen angebunden still ohne zu zicken. Sie kommen wenn sie ein Halfter sehen an und halten brav den Kopf hin.
Wir bekommen aber teielweise auch mal JUngpferde von anderen Züchtern oder Privatleuten dazu und das ist teilweise eine Katastrophe!!
Von fast ganz wild und 2j. kaum am Halfter gehen können ( vom Füße heben kann man nur träumen) bis zum verwöhnten kleinen Ekel das nur am kneifen ist und penetrant lästig war da schon alles dabei.
Solange die Pferde bei deiner Aufzuchtstelle anständig erzogen werden, also Halfter nicht nur kennen wenn es unangenehm wird und er ein freundliches menschenbezogenes Wesen hat und so beschreibst du ihn ja, würde ich ihn so lange wie es geht in der Gruppe laufen lassen. Idealerweise bis knapp 3 Jahre, dann hast du die besten Voraussetzungen ein gut sozialisiertes umgängliches Pferd ab zu holen an dem du lange Freude haben wirst.
Susanne

martina ( Gast )
Beiträge:

29.11.2005 08:44
#11 RE: Von der Aufzucht hollen Zitat · Antworten

Guten Morgen,

also wirklich sehr interressant, über was ihr so ausführlich geschrieben habt.
Also wie gesagt wenn ich meinen kleinen von der Koppel holle, Putze ich ihn und schaue ob er irgend welche verletzungen hat. Und dann gehen wir ein Stück Spazieren , und das dauert alles nicht länger als eine Stunde.
Ich merge auch das im das sehr viel Freude macht, auch mal was anderes zu erleben, den er geht sehr gerne mit. Wenn er zurück auf die Weide kommt, schaue ich immer wie sich die anderen Verhalten, manchmal denke ich die haben gar nicht gemerckt das er weg war , den es passiert nichts die Fressen alle in ruhe weiter, und es wird auch keine neue Rangfolge klargestellt.
Er ist nicht der Ranghöchste und auch nicht der Rangnitrigste.

Ich hatte vor 10 Jahren schon mal ein Fohlen Groß gezogen, und habe mich genau so verhalten wie ich es jetzt mache, und ich hatte mit ihm nie Propleme, im gegenteil er war so einfach zu händeln, auch beim einreiten gab es nie Propleme. Er ist jetzt ein sehr Braves und ausgeglichnes Schulpferd.

Liebe Grüße Martina

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