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Dieses Thema hat 14 Antworten
und wurde 646 mal aufgerufen
 Rund um Zucht und Aufzucht
G.S.Sharif Offline

Elite


Beiträge: 383

21.06.2007 18:03
Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Lg Franziska

Dein Pferd ist dein Spiegel.....

Shigi Offline

Bundeschampion/ess


Beiträge: 104

25.06.2007 11:22
#2 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

ich denke mal dass es auf jeden fall sehr viel verantwortung sein wird und dass ihr viel zeit und auch geld investieren müsst!

Wünsche dir aber auf jeden Fall Glück dabei wenn du es versuchst :)

Nadja Offline

Staatsprämie

Beiträge: 963

25.06.2007 14:50
#3 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Hallo,
also wir züchten auch immer mit ein bis zwei Stuten. Es ist trotz der Arbeit immer wieder eine schöne Sache, wenn so ein Pferdekind auf die Welt kommt und ganz was anderes wie wenn man eins kauft. Habe mein erstes selbstgezogenes Fohlen behalten, ist nun mein alter, dicker Wallach, aber die Beziehung zu ihm ist immer was besonderes. Gerade nachdem ich länger nicht geritten bin und wieder angefangen habe nach Schwangerschaft und so, da war es einfach so, dass ich ihn genau kenne und man sich dadurch sicher fühlt.

Eins ist natürlich klar, es gibt auch Schattenseiten, wenn wie bei uns dieses Jahr etwas schief geht und das Fohlen stirbt, und reich kann man damit auch nicht werden. Ist meist ein Zuschussbetrieb, bestenfalls kostendeckend. Andererseits gibt es nichts schöneres, wenn man ein selbstgezogenes Pferd dann ausbildet und vorstellt und mit ihm zusammen Erfolge hat oder seine Erfolge verfolgen kann oder sieht was aus dem kleinen Wesen geworden ist, dem man ins Leben geholfen hat.

Trotz allem Ärger, den Rückschlägen, der Arbeit und den Kosten züchten wir doch immer wieder gerne weiter.

LG
Nadja

forsthof-antaris Offline

Forum-Verdienstkreuz Bronce


Beiträge: 1.351

25.06.2007 15:53
#4 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten
Ich denke, bevor man über Zucht nachdenkt, sollte man sich auch der Verantwortung für das Leben, an dessen Entstehung man massgeblich beteiligt ist bewusst sein. Züchten hört nicht da auf, wo man das Fohlen heil auf der Welt hat, denn wenn ich von Zuchtneulingen höre, dass man ja mal abwarten kann, was die Stute so zaubert und dann kann man ja weitersehen, dann denke ich schon oft, dass man sich schon vor der Befruchtung der Stuten doch zumindest mit den Gedanken befassen sollte a- habe ich einen Markt für das Fohlen und b - kann ich zur Not auch ein Hengstfohlen aufziehen, wenn ich es im herbst noch nicht verkaufen konnte.

Und die Kosten - die wenigsten Züchter werden durch ihre Pferde reich werden ... die meisten werden eher arm dadurch und natürlich träumt jeder Züchter davon, dass sich die Gebote für das Pferdekind, das mit soviel Enthusiasmus entstand im oberen Preissegment befinden werden und man nicht drauflegt beim Verkauf.

Aber eine Aufstellung könnte hier alle Illusionen rauben:

Zuerst ist da die Stute - wenn man sie schon hat, dann fallen hier keine Kosten an, ansonsten kann die Anschaffung einer Stute mit 5000 Euro (je nachdem was man sucht, aber das ist ein Preis, für den man doch ein ordentliches und zuchterprobtes Pferd bekommt)einplanen. Sinnvoll ist es, eine Stute zu kaufen, die schon Fohlen hatte, denn wenn der Züchter die erste Geburt erlebt und die Stute nicht mehr Erfahrung hat, dann ist die Konstellation nicht so glücklich - zumindest war ich froh, dass meine ersten Fohlen aus Stuten geboren wurden, die das auch ohne mich schafften und ich nur staunender Zuschauer war.

Die Stute muss nun eingetragen werden und hier fallen je nach Verband unterschiedlich hohe Kosten an. Natürlich muss man auch Mitglied in einem Zuchtverband werden, um dann Papiere für das Fohlen beantragen zu können. Hier sind einmalige Kosten für die Aufnahme und Eintragung der Stute und der Jahresbeitrag für Züchter und Pferd bei rund 200 Euro, wobei der Mitglieds- und Stutenbeitrag dann jährlich neu fällig wird, aber hier sind es dann meist 120 - 150 Euro bei einem Zuchtpferd.

Und nun kann es losgehen. Vorher ist eine Tupferprobe bei den meisten Stationen die Voraussetzung, damit die Stute auch gynäkologisch in Ordnung ist und die TP sollte in der Rosse genommen werden, wobei es natürlich auch wenig Sinn macht, im Januar zu tupfern, wenn man im Mai decken lassen will, dazwischen kann sich eine Armada von Keimen im Uterus befinden.

Setzten wir voraus, dass die Stute in Ordnung ist, dann kann man davon ausgehen, dass hier nicht mehr als 50 Euro das Konto belasten. Ist die Stute gynäkologisch nicht in Ordnung, d.h. sie hat Keime, oder einen mangelhaften Scheidenschluss oder eine Gebärmutterentzündung oder Zysten an ungünstigen Stellen oder ... also jedenfalls wird dann eine Behandlung schon zum ersten Test, ob man genügend Reserven auf dem Konto hat und überdies auch noch die Langmut, warten zu können ... und positives Denken schadet dann auch nicht.

Aber wir gehen davon aus, dass die Stute fit for foal ist und nun geht die Follikelkontrolliererei los. Eine Follikelkontrolle kostet im Durchnitt 25 Euro, aber meist hat der unerfahrene Züchter nicht das Glück, dass die erste Follikelkontrolle dem TA schon den erfreuten Ausruf entlockt:" Super H3-4 bei guter Rossestruktur von drei Plus - bestellt den Samen für morgen früh!" Sollte das aber trotzdem so sein, dann bestellt man den Samen und bezahlt durchschnittlich 25 Euro für den Samenversand und die Decktaxe von ... bis ...

Am Nächsten Morgen kommt der TA zum besamen und dafür nimmt er auch noch einmal Geld - wenn er sich nicht in nächster Zeit ein neues Auto kaufen möchte, dann kommt man vielleicht mit noch einmal 25 Euro hin, aber ich hatte auch schon von TÄ gehört, die soviel für die Anfahrt verlangen. Wenn es nun gleich klappt, dann kann man 18 Tage später noch für die Trächtigkeitskontrolle bezahlen und wenn man die 60 Tage-Trächtigkeit noch dazurechnet, dann hat der TA 100 Euro bekommen und die Stute ist sicher tragend ...

Leider klappt es selten beim ersten Mal und ich habe in einem Jahr 1800 Euro für zwei Decktaxen bezahlt und 250 Euro für den Samenversand und je Stute noch 400 Euro für den TA, obwohl ich selbst besame - jedenfalls hatte ich trotzdem zwei nicht tragende Stuten.

Wenn man also vorsichtshalber zur Decktaxe noch 100 Euro für Samenversand und 200 Euro für den TA einplant, dann liegt man damit sicher nicht ganz falsch. Teurer wird es zwar schnell, aber billiger eher selten. Da muss nur noch mal ein Anspritzen, ein bisschen Oxi, weil Flüssigkeit in der Gebärmutter ist oder eine Rosse, die sich über eine Woche hinzieht und ein Follikel das nicht reift wie geplant dazukommen und schon wird das teuer.

Natursprung wäre die Alternative, aber wenn man mal alle 3 Wochen mit einer Stute durch halb Deutschland fuhr, weil der Schwiegersohn 250 Kilometer weiter südlich steht, der gewöhnt sich an die Spritpreise und kennt bald jede Baustelle, vor der sich der Verkehr staut auf dem Weg zum Gestüt. Also stressfreier ist die KB.

Gut - nun ist die Stute 400 Euro und ein paar Besamungsversuche später endlich tragend und kann in die Sommerfrische geschickt werden.

Im Herbst ist es sinnvoll noch einmal auf Trächtigkeit zu untersuchen, denn bevor man nun teures Zuchtfutter kauft und vergeblich Nachwache schiebt, ist es sicherer, noch einemal mit Ultraschall nachzuschauen, ob das Fohlen in der Stute geblieben ist.

Unser Fohlen ist zum Glück noch drin und wir jubeln, während der Nachbar jammert, weil ausser Spesen nix gewesen ist und die Stute resorbiert hat ... dem könnte man zwar vorbeugen, aber das kostet ...

Ab dem achten Monat füttern wir die Stute mit Zuchtfutter und natürlich ist sie regelmässig entwurmt worden, beim Schmied gewesen und gegen Virusabort geimpft worden und dafür wurde in den letzten acht Monaten rund 300 Euro ausgegeben und natürlich die Kosten, die für die Unterbringung und das Futter anfielen. Und der Sack mit dem speziellen Stutenmineralfutter, den habe ich mal nicht dazugerechnet.

Die nächsten Wochen frisst die Stute und nimmt zu und irgendwann nach ca. 342 Tagen und wochenlangen nachtwachen, da liegt das Fohlen im Stroh. Wenn es gesund ist, was wir mal annehmen, dann verdient der TA nicht viel Geld, denn das Klistier und die Fohlenlähmeimpfung kosten nicht die Welt ... klar kommt der Nachtzuschlag noch drauf, denn die Fohlen kommen leider nur selten zur Sprechstunde des TA passend. Durchschnittlich bezahlen wir für eine Fohlenprophylaxe 100 Euro.

Langsam steigt nun mit der zunehmenden Laktation die Futtermenge für die Stute - bis zu acht Kilo Kraftfutter und 8 Kilo Heu sichern dem Fohlen die Milch. Nach zwei Wochen bieten wir dem Zwerg nun auch die ersten kleinen Mahlzeiten mit Fohlenstarter an und natürlich bezahlen wir auch die beiden Wurmkuren, die Stute und Fohlen erhielten und da das Fohlen im ersten Monat alle 10 Tage entwurmt wird und nachher jeden Monat, ist das schon ein Batzen Geld. Wers gut meint, der fütter Hämolythan oder auch mal Megabase Junior, damits ein Prachtpferd wird, aber das rechnen wir mal nicht mit dazu, denn ein mustdo ist es nicht.

Aber die Fohlenschau fordert noch einmal unser Konto und unser Zeitbudget, denn der Pass kostet 60 Euro für das Fohlen und die Spritkosten ...

Wenn das Fohlen dann abgesetzt werden kann, hat der Züchter folgende Posten bezahlt, ohne dass es Probleme gab (Durchschnittskosten):

Kosten für Verband - Mitgliedschaft und Stute 150 Euro
Kosten für Decktaxe 500 Euro
Kosten für Samenversand 100 Euro
Kosten für Tierarzt, Follikelkontrolle, Besamung 200 Euro
Kosten für die Unterbringung der Stute
18Monate bis zum Absetzten des Fohlens á 100 Euro 1.800 Euro
Kosten für Wurmkur, Schmied und Impfung Stute 300 Euro
Kosten für Fohlenprophylaxe 100 Euro
Kosten für Fohlenstarter und Wurmkur bis zum Absetzten 250 Euro
Equidenpass für das Fohlen 60 Euro
_________________________________________________________________________
3.460 Euro

Und wenn das Pferdchen jetzt noch Husten bekommt, oder ein Mittel gegen Durchfall braucht, weil es Wasser getrunken hat oder sonst irgendwas passiert, was hier nicht kalkuliert ist, dann wird es mit dem Gewinn beim Fohlenverkauf verflixt schwierig.

Und wenn man vielleicht noch einen Modehengst und Vieldecker nutzt, der nicht 500 Euro kostet, sondern 800 oder 1000 und eine Stute hat, die nicht so gut aufnimmt, dann haut das mit der Rechnung auch nicht mehr hin.

Natürlich ist eine Zuchtstute im Verhältnis teurer zu halten als eine ganze Herde und im Sommer kostet das gras ja nix, was die Stute frisst - wenn es denn wächst, aber der Dünger für die Weide, das nachsäen, die Instandhaltung der Weide und die Litze, die mal kaputt geht, der Pfosten, der ersetzt werden muss - kostet alles.

Und ganz ehrlich - ich komme mit den 100 Euro im Monat für die Stute nicht hin, denn bei 8 Kilo Stutenfutter pro Tag brauche ich in der Hochlaktation 12 Säcke Futter im Monat und so ein Sack 12 Euro kostet, dann sind wir ja schon bei 144 Euro und da habe ich noch kein Heu und kein Stroh gekauft und keine Mistentsorgung bezahlt und keinen Strom und kein Wasser und keine Möhren und auch sonst keine Extras.

Und für gewöhnlich investiere ich noch rund 100 Euro in Verkaufsanzeigen und bekomme dann 3000 Euro für ein Fohlen ... und lege dabei kernig drauf.

LG
Sabine

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Geh Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterläßt und nicht nur Staub
Antoine De Saint-Exupéry

bunte Hubsi Offline

Moderatorin


Beiträge: 1.633

25.06.2007 23:11
#5 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Hier die Gegenrechnung.......
jeden Monat Designerklamotten 500€
- brauche ich nicht, bin keine Püppi
Urlaub 200€ monatlich
- brauch ich nicht, mache ich eh jeden Tag im Stall
nochmal 200€ im Monat für Disco, Kino, Essen gehen, etc.
- ich tanze lieber durch die Stallgasse, gucke Fohlen und gehe zum Reiterstammtisch
die Kosten für andere Hobby's wie Golf, Tennis, Squasch oder Fitness
fallen auch weg.....
- den Tennisarm gibts gratis vom Misten
- die Fitness kommt vom Reiten
- die durchgemachten Nächte (sonst im Golfclub) gibts beim Fohlenwachen
Wenn man Züchten also als Hobby betrachtet,
und sich klar macht, daß Hobbys Geld kosten,
gibts auch keine Enttäuschung.
Und wenn ich meine gescheckten Baby's verkuschle,
möchte ich um nichts auf der Welt tauschen

wer will schon in Designerklamotten golfen - iiiiiihhhhhh
die Hubsis

Sportschecke Offline

Forum-Verdienstkreuz Platin mit Brillianten

Beiträge: 2.296

26.06.2007 14:50
#6 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Wow, das nenne ich mal eine gelungene Gegenrechnung! Respekt! Von dieser Seite habe ich das Ganze noch garnicht betrachtet. Aber man lernt ja nie aus.
Und irgendwie ist an dem Urlaubsfeeling ja auch was Wahres dran, oder?! Wenn ich so schweißtriefend in meinem Stall stehe und ausmiste, bemitleide ich ja auch die armen Mädels, die sich teuer im Studio fit trainieren müssen. Sauna wird auch gleich noch gespart. Frischen Amoniak für freie Atemwege gibts gratis dazu (spart wieder Medikamente).
Aber mal ehrlich: Nichts ist so schön wie morgens gutgelaunt aufstehen, rausgehen und erst mal seine Pferde/Fohlen kuscheln. Da kann der Tag noch so mies weiterlaufen, dieses Erlebnis nimmt einem keiner mehr. Ist natürlich eine reine Gefühlsbetrachtung.

LG Sportschecke
www.sportschecken.de

Nadja Offline

Staatsprämie

Beiträge: 963

26.06.2007 15:24
#7 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Kann deiner "Rechnung" nur zustimmen.

Fragen auch immer alle "Wie macht ihr das, nen Haufen Pferde rumstehen und auch noch (mit Verlust)züchten"

Einfache Antwort: Fahren dafür nicht weg in Urlaub, der findet auf Terassien oder Balkonien statt, haben aber auch das ganze Jahr unseren Spass daran und das Geld ist nicht nach 4 Wochen weg, man hat sich evtl. noch geärgert, Sonnenbrand oder ähnliches und wenns wieder an die Arbeit geht ist die Erholung nach einer Woche eh futsch. Gibt doch nichts schöneres wenns einem nicht so gut geht, als bei einem gemütlichen Ausritt die Seele baumeln zu lassen und die Erholung kann ich jede Woche haben.

Und wenn man dann noch was anderes sehen will, dann fährt man auf das eine oder andere Turnier, freut sich wenns gut läuft und wenn nicht hat man wenigstens wieder mal ein paar Bekannte getroffen und sich ausgetauscht.

Ausserdem, wenn man morgens rausgeht (oder abends heimkommt) und die Hottas einem zuwiehern gehts gleich besser und mit so nem kleinen Wuschel zu kuscheln ist doch toll.

OLDIE ( Gast )
Beiträge: 0

26.06.2007 15:38
#8 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

ich mach kein minus, solange ich eure beiträge
lesen kann....
und dabei noch n stück trockenes brot knabbern kann...

Sportschecke Offline

Forum-Verdienstkreuz Platin mit Brillianten

Beiträge: 2.296

26.06.2007 16:05
#9 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Geht mir genauso! Also weiter "Minus machen"! lach

LG Sportschecke
www.sportschecken.de

forsthof-antaris Offline

Forum-Verdienstkreuz Bronce


Beiträge: 1.351

27.06.2007 14:57
#10 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Dass man mich hier nicht falsch versteht: ich würde auch längst das handtuch geworfen haben, wenn mir nicht die Freude noch immer geblieben wäre, wenn ich meine glücklichen Pferde sehe, aber ich bin Realist und wenn jemand, der bislang nicht gezüchtet hat fragt, welche Kosten da auf einem zukommen, dann denke ich, nutzt demjenigen das wenig, wenn ich ihm nur schreibe, wie zufrieden mich das macht, wenn wieder mal ein Fohlen gesund auf die Welt gekommen ist und ich das Wunder im Stroh bestaunen darf oder wenn ich erzähle von dem zarten Brummeln der Stute, die ihr Fohlen begrüsst - ein Moment, bei dem mir nach über 50 Fohlen noch die Freudentränen in die Augen schießen, weil es so ein großer emotionaler Augenblick ist, der einem Nichtzüchter vielleicht niemals gewährt wird.

Ich will keine Spaßbremse sein, und ich sage auch, wenn mich jemand fragt, dass mein schnittiger Sportwagen in meinen Hengsten steckt und meine Designerklamotten in Heu, Stroh und Hafer und mein Urlaubsbudget meinem TA die Rente sichert und mir das nichts ausmacht, weil ich das, was ich statt dessen habe nicht tauschen möchte gegen Schickimicki, aber ich finde, man sollte eben auch die andere Seite der Zucht ausreichend beleuchten und darüber gesprochen haben, bevor man ins kalte Wasser springt und enttäuscht wird.

Ich hatte in den letzten 10 Jahren überwiegend Zuchtneulinge, die bei uns decken liessen und der Enthusiasmus, welcher vor der ersten Bedeckung die Leute beflügelte, der verflog rasch, wenn die Geschichte nicht sofort funktioniert. Wenn man mit 5 Stuten züchtet, rechnet man eigentlich immer damit, dass mal eine leer bleibt und wenn man vier Foheln hat, dann ist das ein überdurchschnittliches Ergebnis, denn die Trächtigkeitsquote liegt im Natursprung bei 60%, in der Besamung etwas höher.

Aber Ihr könnt Euch wohl vorstellen, dass das kein Trost ist, dass die Statistik bei zwei Stuten von einer Trächtigkeit ausgeht, denn wer eine Decktaxe bezahlt, der will eben auch ein Fohlen dafür haben.

Und so bin ich vielleicht der Spielverderber, der die negative Seite der Zucht beleuchtet und mahnend erwähnt, dass das Bild, das ich von der Zucht im Kopf habe, wie die Stuten und Fohlen auf der grünen Wiese in der Sonne stehen und die Pferdekinder herumspringen, eben nicht immer zutrifft und es leider auch Momente der Verzweiflung, der Trauer, des Verlustes gibt und Rechnungen, die einem die Kehle eng werden lassen. Und ich finde, das man das auch ehrlich sagen sollte, das es diese Seite gibt, bevor jemand enttäuscht ist, weil er hohe TA-Rechnungen hat, aber kein Fohlen oder eine tote Stute und ein Fohlen, das jede Stunde mit teurer Ersatzmilch gefüttert werden will und dann doch nur günstig verkauft werden kann. Ich beleuchte die zeitintensive Seite, die mir den Spass am Reiten ein wenig nahm, denn vor 10 Jahren wurde mein Dressursattel kaum kalt zwischen den Pferden, die ich reiten durfte und natürlich am am Turnier vorstelle. Ich werde schwermütig, wenn ich die Fotos der aktuellen Turniersaison sehe und weiss, dass ich in Kürze wieder 17 Pferde betreue und füttere und trotzdem zum einen nichts zu reiten habe, weil die Weibsen entweder schwanger sind oder ein Baby haben und andererseits mir die Zeit fehlt, die Pferde regelmässig zu trainieren.

Ich kenne genügend Züchter und ich höre meist die gleichen Geschichten: Früher hatte ich ein Pferd im Einstellerstall und ritt Turniere - heute habe ich Pferde zuhause und komme nicht einmal mehr in den Sattel."

Und ganz ehrlich, ich habe schon geschrieben, dass ich keinen modischen Schnickschnack brauche und mir der auch nicht fehlt, aber wenn ich für Irco und Schimmi den Schmied da hatte, dann fehlen auf meinem Konto 320 Euro für die orthopädischen Beschläge und wenn ich dann ab und an nach Osnabrück in die Stadt fahre, dann wünschte ich mir schon, dass ich diesen Betrag mal hemmungslos ausgeben dürfte, anstatt ihn meinem Schmied in die Hand zu drücken in der Gewissheit, dass er die gleiche Summe in 8 Wochen wieder von mir bekommt. Ich brauche keine Schuhe von Prada, aber wenn ich drei Bücher in der Hand halte und zwei wieder ins Regal zurückstelle, weil man eben doch lieber spart - wer weiß wann der TA die nächste Rechnung stellt, dann träumt man schon von überschaubareren Kosten, die man kalkulieren kann.

Und schlußendlich war es der Anruf einer Züchterin heute morgen, die mir sagte, dass sie nun schon 380 Euro TA-Kosten für eine Rosse bezahlt hat und annimmt, dass, nachdem die Stute nun noch einmal angespritzt und wieder abgespritzt und 4 x besamt wurde, noch einmal ein ähnlicher Betrag fällig wird und nachdem sie im letzten Jahr im Natursprung gedeckt hatte und die Stute auch nicht tragend wurde, sie keine Hoffnung mehr auf ein Fohlen hat, der mich zu diesem Post animierte.

Aus der Freude an den Pferden kann eben auch schnell Frust werden, wenn man sich nicht auch die negativen Seiten der Sache betrachtet, sondern davon ausgeht, dass zwei Zuchtstuten gleichbedeutend mit 2 Fohlen sind, für die man dann auch gutes Geld bekommt und nette Besitzer findet, die dem Pferdekind alle Möglichkeiten bieten - das kann so sein, aber oft ist es eben eher so, dass man viel Geld investiert, die Stute dann endlich tragend hat, das Fohlen dann noch einmal TA-Kosten produziert und man sich dann noch über Interessenten und Käufer ärgern muss, die einem als Krönung der Freude noch verklagen, weil die Gewährleistung ihnen viele Möglichkeiten einräumt, vom Züchter Schadenersatz zu verlangen.

Ich will nicht schwarzmalen - aber eben verdeutlichen, dass ich über 10 Jahre lang alle Höhen und Tiefen der Zucht erlebt habe und darum nicht nur von der Freude berichten kann und will, wenn jemand nach Kosten und Risiken fragt.

Aber was für die Zucht spricht ist, dass ich noch immer züchte, obwohl ich alle Seiten kennen lernte.

LG
Sabine

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Geh Wege, die noch niemand ging, damit Du Spuren hinterläßt und nicht nur Staub
Antoine De Saint-Exupéry

OLDIE ( Gast )
Beiträge: 0

27.06.2007 15:22
#11 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

glaub mir sabine.....obwohl ich das alles kenne und mir des öfteren vor augen halte,
mir ist es das alles wert....selbst, wenn ich kein trockenes brot für mich selbst übrig hätte
hohe ziele mit geringsten erwartungsvorstellungen , da kann kommen was will...
ich hab mal vor 20 jahren bei etwa 70.000 aufgehört zu rechnen....
bin ich deshalb ein angehöriger einer aussterbenden züchtersorte ? neeeh, bei weitem nicht..
es gehört bei mir zum leben, wie der sauerstoff zum atmen...
(manche "schnüffeln" ja sogar gase,ohne sie zu benötigen)

hat denn keiner verständnis für sowas ? (achja ich vergaß...bin ja n verrückter )

Nadja Offline

Staatsprämie

Beiträge: 963

27.06.2007 16:36
#12 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Hi Sabine,

ist nicht so, dass du nur "schwarz malst" und deine Darlegungen sind ja schon ok für die Leute, die sich das mit dem Züchten überlegen wollen (oder sollten).

Ich denke die meisten hier haben ähnliche Erfahrungen, mir bleibt i. M. neben Arbeit und Kind auch nicht die gewünschte Zeit zum reiten (von daher sind die Turnierambitionen lange versenkt und man ist über jeden Ausritt froh) und auch ich habe/hatte das Problem, dass ich, wenn ich denn Zeit gehabt hätte, gerade kein Pferd hatte, da es eben krank oder verletzt oder tragend war.

Es wird hier keiner bestreiten, dass Züchten ne Menge Geld, Zeit und Nerven kostet und leider auch nicht immer ein Happy End da ist. Habs ja gerade diese Jahr auch mitgemacht, dass ich mein zweites Fohlen gleich nach der Geburt einschläfern lassen musste, da die Aussichten bei einer Operation bei max. 10% lagen und dabei Kosten von min. über 2000 € entstanden wären, ohne die Nachsorge. Und dann wäre es evtl. immer noch ein Kolikgefährdetes Pferd geblieben. Das ist auch der Punkt, wo man sagt, hier geht es nicht weiter und man muss eine bittere Entscheidung treffen, ich denke, dass solche Dinge jedem Züchter passieren und man schon die rosarote Brille absetzten muss.

Enscheidend ist aber doch auch dass man siehr wieviel man für diese Mühen zurück bekommt, sonst würden wirs doch alle lassen und solange die schönen Momente die traurigen überwiegen macht man weiter.

Wenn jemand mit dem züchten anfangen möchte, muss er natürlich abwägen ober sich dieses "Hobby" leisten kann (oder will)oder nicht.


Gruß an alle mutigen immer noch züchtenden
Nadja

forsthof-antaris Offline

Forum-Verdienstkreuz Bronce


Beiträge: 1.351

27.06.2007 16:53
#13 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Doch Dieter - Verständnis habe ich ganz viel dafür und ich möchte ja auch nicht ein Jahr erleben müssen, in dem ich nicht Nachtwachen schieben darf, aber ich möchte auch keine Augenwischerei betreiben und auch nicht alles Schönfärben, denn es gab auch sehr viele Momente, in denen mich der Mut manchmal verließ und ich muss auch davon ausgehen, dass nicht jeder den finanziellen und emotionellen Atem hat, das mit der letzten Konsequenz durchzuziehen und sich der Risiken vielleicht auch nicht bewusst ist.

Ich hatte auch Eltern, die meine Leidenschaft unterstützten, aber ich weiß auch, dass ich auch von ihrer Gnade oder Ungnade abhängig war und bevor mein Vater am trockenen Brot geknabbert hätte, damit die Tochter ihre Pferdeleidenschaft leben kann, hätte er vermutlich einen Schlußstrich gezogen und wenn Franzi schreibt, dass der Vater die Sache finanziert, dann ist es entweder so wie bei mir, wo der Vater ein gutes Einkommen hat, das die Pferdehaltung auch ermöglicht, wenn mal eine TA-Rechnung kommt, aber wenn die ein gesundes Mass übersteigen er nicht Haus und Hof aufs Spiel setzt, sondern "nein" sagt, oder Geld spielt keine Rolle.

Da ich aber rauslese, dass die Sache eine Gemeinschaftsproduktion ist, ist natürlich auch hier das Problem, dass so eine Sache schnell scheitert, wenn nicht alle Beteiligten die Risiken finanziell abdecken können.

Du und Petra, Nadja und die anderen Züchter im Forum und auch ich, wir verdienen das Geld selbst und kennen das Risiko, aber wenn meine Tochter von mir erwarten würde, dass ich ihr Hobby finanziell unterstütze, dann müsste sie sich schon auch darüber klar sein, dass ich das letzte Wort habe, weil ich meinen Kontostand kenne.

Und wenn mir jemand erzählt, dass Pferdezucht so schön und lukrativ ist und ich gebe dann mein sauer verdientes Geld dafür, dass meine Tochter züchtet und ich stelle dann fest, dass nun doch nicht alles so toll ist, dann würde ich nachdenklich.

Ich bin auch eher der Bauch in der Ehe und Micha ist der Kopf und ich bin froh, dass er meinen Enthusiasmus manchmal bremst und auch mal rechnet, denn sonst würden nicht nur wir trockenes Brot essen, sondern auch die Pferde ... ich habe leider in den letzten Jahren viele Zuchtställe besucht, wo ich überlegte, ob man da nicht früher mal ein bisschen den Kopf benutzt hätten sollen - nämlich bevor Kosten den Leuten über den Kopf wachsen und die Pferde darunter leiden müssen.

Eure und meine Liebe und Freude zur Zucht und zu den Pferden in Ehren, aber vor der Verantwortung sollte man darum trotzdem die Augen nicht verschliessen und die Risiken kennen und abwägen, bevor sie einem überrollen, denn wir kennen zwar die Kosten und Risiken, aber kennen Franzi und ihr Vater die auch? Und wisst Ihr, die Franzi ermuntern zu züchten und ihr von der schönen und freudvollen Seite zu berichten wissen, wieviel Geld ihr Vater bereit ist zu investieren? Ist unserer Verantwortung Genüge getan, wenn wir ihr schreiben:" Mach das, weil es schöner ist als in den Urlaub zu fahren?" Kennen wir die Meinung ihres Vaters dazu?

Ich weiss, wie es ist, wenn man den stummen Vorwurf im Gesicht des Partners sieht, weil er von fernen Ländern träumt und von einem neuen Flachbildfernseher und eine TA-Rechnung oder die HLP für einen Hengst die Träume ins Nirwana des Unerreichbaren rücken lassen. Klar stört es mich nicht, dass wir keinen supermodernen Fernsehkasten besitzen, denn ich kucke selten und bin sowieso im Stall, aber wäre es nicht egoistisch, wenn ich die Wünsche meines Mannes ignoriere um meinen Wünschen mehr finanziellen Raum zu verschaffen?

Ich denke manchmal, dass wenn Micha genau gewusst hätte, was ihn da erwartet, dann hätte er seine Zustimmung verweigert Zuchtstuten zu kaufen, denn schließlich muss er auch sein Geld und seine Zeit dafür geben, damit seine Frau sich freuen kann, weil sie so hübsche Fohlen hat. Und wenn Franzi studiert - wird ihr Vater die Zeit haben, die Stuten zu betreuen, Nachtwachen zu schieben und nebenbei auch noch die finanziellen Mittel heranzuschaffen?

Solange ich alleine eine Idee verwirkliche, sie selbst finanziere und alleine dafür die Verantwortung übernehme und die Arbeit erledige kann ich auch sagen, dass es mir egal ist, wenn ich dafür keine Designerjeans tragen kann und keine Zeit für Urlaub finde und mir das nichts ausmacht, aber ich sehe ein Unterfangen eben als schwierig, wenn ich auf das Sponsoring und die Hilfe anderer angewiesen bin, denn ob die auch auf allen Luxus bereit sind zu verzichten und es ihnen egal ist, wenn sie komplett übernächtigt am Arbeitsplatz sitzen in der Gewissheit, dass sie noch eine Nachtwache vor sich haben, das sollte man auch diese Leute vorher fragen, bevor das Hobby zum Zankapfel wird.

Aber ansonsten gebe ich Euch uneingeschränkt recht: Wenn eine ganze Familie ihr Leben und ihr Geld und ihre Zeit der Pferdezucht verschreibt, dann teilt man Freud und Leid und geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude ...

LG
Sabine

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Antoine De Saint-Exupéry

G.S.Sharif Offline

Elite


Beiträge: 383

28.06.2007 13:38
#14 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten
kk

Dein Pferd ist dein Spiegel.....

Nadja Offline

Staatsprämie

Beiträge: 963

28.06.2007 16:11
#15 RE: Bald eine Jungzüchterin??? Zitat · Antworten

Liebe Franzi,

du liegst schon richtig mit Deinen Einschätzungen, habe selber studiert, nebenbei noch gearbeitet (in nmeinem Vater seinem Büro), dabei noch Springturniere geritten und da mein eines Pferd sich verletzte dann mit dem züchten begonnen.

Die Pferde standen weitgehend im Pensionsstall (Bauern) unter, sonst wäre das gar nicht möglich gewesen.

Mein Vater hat mich bei meinem Hobby immer und jederzeit dabei - auch finanziell - unterstützt, da es auch zu seinem Hobby wurde. Und da er nicht reiten durfte, hat er sine Freude am züchten entdeckt.

Dies ging eine ganze Weile und ich möchte diese Zeit nicht missen, aber als dann geschäftlich Probleme auftauchten, und letztendlich der Konkurs kam, stand ich da ohne Job und mit 8 Pferden. Zum Glück waren alles durchgezüchtete und "verkäufliche" Zuchtprodukte und es haben alle ein schönes Zuhause gefunden, einschließlich meiner alten Stute. Natürlich mußte ich teilweise unter Preis verkaufen, aber sie kamen gut unter, sind z. T. immer noch bei den Käufer in Lebensstellung und so konnte ich wenigstens zwei behalten und diese über Reitbeteiligungen/Reitunterricht weiter finanzieren(unter anderem meinen nun 17 Jahre alten Wallach, mein erstes Fohlen, mittlerweile der einzige "Rest" aus dieser Zeit), da ich nach Umorientierung und Abbruch des Studiums eine andere Ausbildung machte und das Geld schon knapp war.

Ich möchte diese Zeit nicht missen, doch sollte man immer damit rechnen, das etwas Unvorhergesehenes passiert.

Wenn ich Dir eine Rat geben darf, schau erst mal wie das mit den 2 Stuten, dem Sport, deinem Studium, deiner Zeit so läuft. Ich denke irgendwann wirst du vom Studium her eh nicht mehr genug Zeit haben für den Sport mit zwei Pferden. Dann kannst du immer noch eine (oder beide) decken lassen. Und bis dahin siehst du ja auch inwieweit dein Vater bereit ist Dich zu unterstützen und mitzuziehen. Deine Stuten sind jung und das mit dem Fohlen läuft dir nicht davon.

Gruß
Nadja

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