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Bundesministerin Ilse Aigner macht Pferdezuchtverbänden kaum Hoffnung in Sachen Schenkelbrand
07.10.2011 (Daniela Domnick, Redakteurin)
Mehr als 35.000 Unterschriften engagierter Unterstützer des Schenkelbrandes in der Pferdezucht überbrachten Vertreter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und der deutschen Pferdezuchtverbände in der vergangenen Woche in Berlin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Doch die Delegation reiste wenig hoffnungsfroh wieder nach Hause, denn Ministerin Ilse Aigner machte deutlich, dass sie die Initiative der Verbände nicht unterstützt. Nach Übergabe der Unterschriften und Fototermin ließ Aigner der Delegation nicht einmal Zeit, Platz zu nehmen und beendete den Termin nach knapp 15 Minuten. Eine Fachdiskussion kam daher kaum zustande, teilt die Deutsche Reiterliche Vereinigung via Pressemitteilung mit. FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau erklärte der Ministerin die Erwartungshaltung der Deutschen Pferdezucht, dass in Deutschland auch andere Methoden als die Kennzeichnung mittels Transponder als alleinige Kennzeichnungsmethode möglich sein müssen. Zumal die EU-Bestimmungen dies ohne weiteres zuließen. Bundesministerin Aigner rechtfertigte sich mit dem Prozess der Gesetzgebung und erklärte, dass ihr die Hände gebunden seien. Gleichzeitig verwies sie auf das anstehende Änderungsverfahren des Tierschutzgesetzes, in den sie ein Verbot des Schenkelbrandes einbringen wird. Ein Rückschlag für das gemeinsame Anliegen der Pferdezuchtverbände. Gleichzeitig macht es deutlich, dass die Einbringung fundierter, wissenschaftlicher Gutachten von großer Bedeutung ist. Martina Brüske, Comtainment Aktivensprecher, Doppelolympiasieger Hinrich Romeike wollte die Abfuhr nicht klaglos hinnehmen und schrieb laut st-georg.de einen Brief an die Ministerin. Im Folgenden der Wortlaut: Nübbel, den 05.10.2011 Sehr geehrte Frau Bundesministerin, am Donnerstag, den 29. September 2011 war eine achtköpfige Delegation von Pferdefreunden bei Ihnen im Bundeslandwirtschaftsministerium. Ich war als Doppelolympiasieger für die aktiven Reiter zugegen. Neben dem Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Breido Graf zu Rantzau, waren noch mehrere Zuchtverbandsvorsitzende, Geschäftsführer und Zuchtleiter deutscher Pferdezuchtverbände aus verschiedenen Bundesländern dabei. Die Hauptamtler hatten andere wichtige Termine hintenan gestellt, die Ehrenamtler einen Urlaubstag genommen. Wir hatten aus Ihrem Hause die Zusage für einen halbstündigen Termin mit Ihnen erhalten. 35.000 Unterschriften sollten übergeben werden, und wir wollten in der Debatte um die zukünftige Identifizierung von Pferden mittels Heißbrand oder Mikrochip darlegen, weshalb auf die Möglichkeit der Brandkennzeichnung nicht verzichtet werden sollte. Es liegen mehrjährige Erfahrungen zur Mikrochip-Implantation vor, die uns Anlass genug sind, dringend auf die Vorteile der Brandkennzeichnung hinzuweisen, die da wären: · weniger Schmerzen durch den Prozess des Brennens als durch den Prozess des Chippens · bisher einzige dauerhaft fälschungssichere Identifizierung nur durch Nummernbrand – in Verbindung mit dem Pferdepass – möglich. · Manipulationen der Mikrochipinformationen bei Pferden, die weltweit auf Reisen sind, auch nach Implantation möglich · Gefahr der Nicht-Identifizierbarkeit von Pferden nach Chipverlust durch Verletzung, Chipwanderung im Gewebe oder Störung der Sende-Lesefunktion · Die Haut ist von der Natur ausgerüstet, Verletzungen (z.B. Heißbrand) ohne Funktionseinschränkung auszuheilen, während die natürliche Reaktion des Muskel-Bindegewebes auf eine Fremdkörperimplantation eine Abstoßungs- oder Einscheidungsreaktion ist. Beides schränkt die Funktion des betroffenen Gewebes stark ein. Dieses hätten wir Ihnen gerne dargelegt, ebenso eine von uns befürchtete Veränderung der emotionalen Bindung des Züchters (und des Reiters) an sein Pferd, wenn das Brandzeichen nicht mehr erkennbar nach außen den Zuchtfortschritt der Zuchtstätte, der Rassezucht, ja der Deutschen Pferdezucht dokumentiert. Leider kam es nicht dazu. Nachdem Sie uns per Handschlag im Sitzungssaal empfangen hatten, verschenkten Sie keine Zeit damit, sich hinzusetzen oder uns einen der zahlreichen Plätze anzubieten. Sie nahmen die 35.000 Unterschriften in Empfang, standen für ein Foto des Hausfotografen zur Verfügung und erklärten eröffnend, dass Ihnen die Hände gebunden seien obwohl Sie nichts gegen die Heißbrand-Kennzeichnung hätten. Der Bundesrat erwartete einen Gesetzentwurf zur Tierschutzthematik und den würden Sie einbringen inklusive eines Heißbrand-Verbotes. Sie empfahlen uns noch den Weg einer Gesetzesinitiative im Bundesrat, den ein Bundesland initiieren müsste ... und nach nicht einmal einer Viertelstunde waren wir sehr freundlich wieder verabschiedet. Sehr geehrte Frau Bundesministerin, Sie handelten unseren Besuch im Stehen ab. Sie stellten non-verbal klar, wer Herr im Hause ist – und damit Chef im Ring! Es war uns vollkommen unmöglich, unsere Argumente adäquat darzulegen, weil die von Ihnen erzeugte geschäftige Atmosphäre, Ihr Abhandeln „en passant“ dies gar nicht zuließen. Sie hörten sich unser Anliegen gar nicht richtig an! Frau Bundesministerin, Ihr Haus ist unser Haus! Sie sind Sachverwalter unseres Bürgervermögens, sowohl emotional als auch materiell/kulturell. Eine durchaus mögliche angenehme Gesprächsatmosphäre opferten Sie einer offenbar von Ihnen bevorzugten Audienz von oben herab. Vor Ihnen stand eine Delegation ehrlich besorgter Pferdefachleute; von Ihnen, Frau Bundesministerin, zu unwürdigem Gezappel gezwungen, angesichts Ihrer Selbstgefälligkeit. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) vertritt 700.000 Mitglieder, mehrfach fest verwurzelt in genau Ihrem Ressort und möglicherweise Ihrer Partei nahestehend. Die Abordnung, die am 29. September bei Ihnen war, hätte sich etwas mehr Respekt gewünscht! Möglicherweise hatten Sie einfach einen schlechten Tag... Hochachtungsvoll Hinrich Romeike (Quelle: st-georg.de)
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